Vagusnerv-Stimulation, Erfolg

Vagusnerv-Stimulation: 80 Prozent behalten Erfolg nach zwei Jahren

Veröffentlicht am: 04.07.2026 um 08:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die RECOVER-Studie belegt hohe Stabilität der VNS-Therapie bei behandlungsresistenten Depressionen über zwei Jahre.

Vagusnerv-Stimulation: Neue Langzeitdaten bei schweren Depressionen
Nahaufnahme eines menschlichen Gehirns mit leuchtenden neuronalen Pfaden und einem abstrakten elektrischen Impuls entlang eines Nervs. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Neurostimulative Verfahren rücken deshalb verstärkt in den Fokus – und liefern vielversprechende Langzeitdaten.

RECOVER-Studie: 80 Prozent bleiben stabil

Die RECOVER-Studie, veröffentlicht im International Journal of Neuropsychopharmacology, bringt neue Erkenntnisse zur Vagusnerv-Stimulation (VNS). An der von LivaNova finanzierten Untersuchung nahmen 493 Patienten in den USA teil. Sie litten im Schnitt seit 29 Jahren an Depressionen – und hatten zuvor auf durchschnittlich 13 verschiedene Behandlungen nicht angesprochen.

Die Ergebnisse sind beachtlich: Nach zwölf Monaten zeigten 69 Prozent der Teilnehmer deutliche Verbesserungen. Und diese Effekte bleiben stabil. Über 80 Prozent der Patienten, die ansprachen, hielten ihren verbesserten Zustand auch nach 24 Monaten oder steigerten ihn sogar. Bei den sogenannten „Strong Respondern“ – mit einer Symptomreduktion von mindestens 50 Prozent – lag die Erfolgsquote nach zwei Jahren bei 92 Prozent. Jeder fünfte Teilnehmer galt nach 24 Monaten als symptomfrei.

Wie die Vagusnerv-Stimulation wirkt

Bei der VNS wird ein Impulsgenerator implantiert, der elektrische Signale an den Vagusnerv sendet. Das Verfahren bietet höhere Remissionsraten als die Standardtherapie – besonders bei behandlungsresistenten Verläufen. Allerdings weist Dr. Todd Broder auf operative Risiken und Nebenwirkungen wie Heiserkeit, Stimmveränderungen oder chronischen Husten hin. Die Kosten übernehmen in vielen Fällen bereits die Versicherungen.

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Parallel dazu gewinnt die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) an Bedeutung. Eine Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigt: Das Verfahren wird weltweit in zahlreichen Zentren eingesetzt – gegen Alzheimer, Parkinson und Depressionen. Allein für Alzheimer wurden bis Mitte 2026 rund 290.000 Sitzungen registriert. In Hongkong läuft derzeit die mit 180 Teilnehmern bislang größte TPS-Studie.

Grenzen der Medikamente: Moderate Effekte, starke Nebenwirkungen

Neben den apparativen Verfahren forschen Wissenschaftler an pharmakologischen Alternativen. Eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte Pramipexol, einen Dopamin-Agonisten aus der Parkinson-Therapie. Die Daten zeigen: Der Wirkstoff kann Anhedonie – die Unfähigkeit, Freude zu empfinden – bei Depressionen signifikant reduzieren. Das ist relevant, denn Anhedonie betrifft Schätzungen zufolge bis zu 75 Prozent der Patienten mit schweren Depressionen.

Doch die Grenzen klassischer Antidepressiva sind deutlich. Eine Meta-Analyse von 21 Wirkstoffen bei rund 120.000 Patienten zeigte zwar eine Überlegenheit gegenüber Placebos – der tatsächliche Effekt auf standardisierten Depressionsskalen war jedoch nur moderat. Zudem leidet über die Hälfte der Patienten unter Nebenwirkungen wie sexuellen Funktionsstörungen oder Gewichtszunahme.

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Jugendliche im Fokus: Schlaf als SchlĂĽsselfaktor

In Deutschland rücken spezifische Patientengruppen in den Vordergrund. Die Universität Regensburg und Medbo starteten Anfang Juli 2026 eine Untersuchung an 48 Jugendlichen. Ziel: den Zusammenhang zwischen Schlafqualität und depressiven Symptomen analysieren. Die von der Julitta und Richard Müller Stiftung geförderte Studie setzt auf kurzzeittherapeutische Ansätze zur Schlafhygiene.

Psychische Belastung steigt – gerade bei Älteren

Der Bedarf an wirksamen Behandlungen wird durch soziologische Daten untermauert. Der Deutsche Alterssurvey, der Daten von 2014 bis 2024 auswertete, verzeichnete insbesondere im Jahr 2024 einen deutlichen Anstieg depressiver Symptome bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Forscher führen dies auf eine Kumulation globaler Krisen zurück – die psychische Belastung in der Bevölkerung hat messbar zugenommen.

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