Verborgener Hunger: Trotz Kalorien Mangel an essentiellen NĂ€hrstoffen
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 19:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der modernen ErnĂ€hrungsmedizin rĂŒckt ein Paradoxon verstĂ€rkt in den Fokus, das Experten als verborgenen Hunger bezeichnen. Aktuelle Analysen von ErnĂ€hrungsexperten der UCLA Health verdeutlichen, dass Menschen trotz einer vermeintlich ausreichenden Kalorienzufuhr klinische Anzeichen von MangelernĂ€hrung aufweisen können.
Symptome wie Zahnfleischbluten, trockene Haut, Haarausfall, brĂŒchige NĂ€gel und chronische MĂŒdigkeit sind demnach oft keine isolierten Beschwerden, sondern Indikatoren fĂŒr Defizite bei essenziellen NĂ€hrstoffen wie Vitamin C, Vitamin B2, Biotin, Zink, Eisen oder Vitamin D.
Risikofaktoren und die Rolle moderner Medikation
Ein besonderes Augenmerk richten Mediziner auf die steigende Nutzung von GLP-1-PrĂ€paraten. Diese Medikamente, die hĂ€ufig zur Gewichtsreduktion oder Diabetesbehandlung eingesetzt werden, erhöhen laut den Experten der UCLA Health das Risiko fĂŒr NĂ€hrstoffmĂ€ngel. In diesem Zusammenhang wird eine Ă€rztliche Konsultation bei anhaltenden Symptomen sowie die Umstellung auf eine mediterrane DiĂ€t empfohlen.
Auch andere ErnĂ€hrungsformen werden hinsichtlich ihrer Langzeitwirkung kritisch beleuchtet. WĂ€hrend die mediterrane ErnĂ€hrung laut verschiedenen Studien als besonders vorteilhaft gilt, da sie das LDL-Cholesterin und den Blutzucker senkt sowie vor Diabetes und Depressionen schĂŒtzen kann, birgt eine rein vegane ErnĂ€hrung spezifische Risiken.
Hier mĂŒsse insbesondere Vitamin B12 ergĂ€nzt werden. Von einer ketogenen ErnĂ€hrung rĂ€t die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) aufgrund ungĂŒnstiger Langzeiteffekte hingegen ab.
Spezifische Diagnostik bei Haarausfall und SchilddrĂŒsenbeschwerden
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Bei Symptomen wie Haarausfall ist eine genaue Differenzierung erforderlich. Ein saisonaler Ausfall, das sogenannte telogene Effluvium, tritt hĂ€ufig zwischen September und November auf. Dabei ist ein Verlust von 50 bis 100 Haaren pro Tag ĂŒber einen Zeitraum von vier bis acht Wochen als normal einzustufen.
HĂ€lt der Haarausfall jedoch lĂ€nger als drei Monate an oder tritt er lokal begrenzt auf, raten Fachleute zu einer Blutuntersuchung, insbesondere der Werte fĂŒr Ferritin und TSH. EisenprĂ€parate sollten dabei nicht ohne vorherigen Test eingenommen werden.
Bei SchilddrĂŒsenbeschwerden, die sich bei Frauen oft durch MĂŒdigkeit, KĂ€lteempfindlichkeit und Gewichtszunahme Ă€uĂern, ist die Bestimmung des TSH-Wertes der erste diagnostische Schritt. Ein Wert ĂŒber 4 mIU/L bei gleichzeitig niedrigem T4-Spiegel deutet auf eine Hypothyreose hin.
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Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Endokrinologie warnt in diesem Kontext vor der eigenstĂ€ndigen Einnahme von NahrungsergĂ€nzungsmitteln mit Cholin oder Mariendistel-Extrakt (Silychristin), da diese die SchilddrĂŒsenwerte beeinflussen oder Transporterproteine hemmen können.
Die Auswirkungen von Zucker und unsichtbaren Kalorien
Ein wesentlicher Faktor fĂŒr den verborgenen Hunger ist der hohe Konsum verarbeiteter Lebensmittel. Ein Experte fĂŒr Dermatologie betont, dass zugesetzter Zucker maximal 25 Gramm pro Tag betragen sollte, wĂ€hrend der gesamte Zuckeranteil 10 Prozent des Kalorienbedarfs nicht ĂŒberschreiten darf.
Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Softdrink (0,3 Liter) enthÀlt bereits 35 Gramm Zucker, ein Eistee (0,5 Liter) 50 Gramm und ein Fruchtjoghurt etwa 20 Gramm.
Oft entsteht ein KalorienĂŒberschuss durch scheinbare Kleinigkeiten. Bei einer Frau mit einem Gewicht von 70 Kilogramm und einem Bedarf von 2.000 Kilokalorien können zusĂ€tzliche 580 Kilokalorien durch einen Cappuccino, Kekse, eine Banane und ein Glas Wein ein geplantes Defizit in einen Ăberschuss verwandeln. Auf den Monat gerechnet summiert sich dies auf ĂŒber 17.000 unsichtbare Kalorien.
Wahrnehmung in der Bevölkerung
Dass das Bewusstsein fĂŒr eine gesunde ErnĂ€hrung wĂ€chst, zeigt eine Untersuchung der heristo-Gruppe unter 2.000 Deutschen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren. Demnach sehen 74 Prozent der Befragten einen direkten Einfluss der ErnĂ€hrung auf die Gesundheit, und 75 Prozent geben an, stĂ€rker darauf zu achten.
Dennoch empfinden nur 45 Prozent eine gesunde ErnĂ€hrung als einfach umsetzbar. Als vertrauenswĂŒrdigste Informationsquelle werden mit 53 Prozent weiterhin Ărzte genannt._
