Vermögensverwaltung: 93% der Asset Manager melden sinkende Rentabilität
20.06.2026 - 00:09:31 | boerse-global.de
93 Prozent der Asset Manager melden sinkende Rentabilität. Der Markt konsolidiert sich, während KI und neue Regularien das Geschäft auf den Kopf stellen.
Europa auf Wachstumskurs – doch die Gewinne schrumpfen
Der europäische Markt für Vermögensverwaltung wächst rasant. Von 35 Billionen US-Dollar (2024) soll das verwaltete Vermögen bis 2030 auf 48,5 Billionen US-Dollar steigen – ein jährliches Plus von 5,6 Prozent. Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle.
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Doch die Margen leiden. Fast alle Asset Manager spüren den Kostendruck. Gleichzeitig schlummern riesige Reserven: Rund 10 Billionen Euro liegen auf europäischen Bankkonten privater Haushalte. Ein Hebel für die Branche.
Internationale Player wittern ihre Chance. Die Partners Capital Investment Group eröffnete im Juni 2026 eine Niederlassung in Zürich. Ziel: institutionelle Kunden und Family Offices. Das Unternehmen verwaltet über 77 Milliarden US-Dollar.
Der Kampf um die besten Berater
Der Fachkräftemangel in der Finanzberatung bleibt akut. Allein in München waren Mitte Juni 127 Stellen für Anlage- und Finanzberater offen. Die Gehälter variieren stark:
- Salesmanager: 49.300 bis 68.300 Euro pro Jahr
- Förderberater: 70.000 bis 180.000 Euro pro Jahr
- Monatsgehälter: zwischen 3.333 und 16.667 Euro
Parallel setzt sich die Honorarberatung durch. Verbraucherzentralen verlangen 60 bis 120 Euro pro Stunde, spezialisierte Honorarberater 100 bei 250 Euro. Zum Vergleich: Bei provisionsbasierten Modellen kassieren Vermittler an einer Kapitallebensversicherung über die Laufzeit zwischen 2.880 und 4.320 Euro.
Die unabhängige Altersvorsorge-Beratung wird zunehmend zur kostenpflichtigen Dienstleistung. Ziel: Unabhängigkeit von Provisionsinteressen. Die Deutsche Rentenversicherung berät weiterhin kostenlos.
KI frisst Administration – Freiraum für den Kunden
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit von Wealth Managern fundamental. Die Zürcher Linvo AG schuf 2026 die neue Rolle des „AI Advisors“. Das Ziel: Den administrativen Zeitaufwand von 80 auf 20 Prozent drücken. Die freiwerdende Kapazität soll in die direkte Kundeninteraktion fließen.
Fast die Hälfte aller Finanzinstitute nutzt bereits KI-Lösungen, zeigt eine Erhebung der Schweizer Finanzmarktaufsicht. Anbieter wie Infront Assetmax bringen im Juni 2026 KI-Assistenten auf den Markt – speziell zugeschnitten auf Compliance- und Datensicherheitsstandards bei unabhängigen Vermögensverwaltern.
Mit der zunehmenden Vernetzung und dem Einsatz von KI wachsen auch die Bedrohungen durch Cyberangriffe auf sensible Finanzdaten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen proaktiv erfüllen. Gratis-E-Book: IT-Sicherheit für Unternehmen stärken
Regulierung und Nachfolge: Die Zahl der Verwalter schrumpft
Der Konsolidierungsdruck in der Schweiz ist enorm. Zwischen 2005 und 2015 waren schätzungsweise 2.000 bis 2.500 unabhängige Vermögensverwalter aktiv. Heute sind es nur noch rund 1.400. Grund: das Finanzinstitutsgesetz (FINIG) und eine ungelöste Nachfolgeproblematik. Viele Gründer erreichen das Rentenalter – ohne Nachfolger.
Die Aufsichtsbehörden verschärfen zudem ihre Kontrollen. Die FINMA ermittelt aktuell wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Im Juni 2026 schloss sie Verfahren gegen Institute ab, die gegen Risikomanagement-Pflichten im Auslandsvertrieb verstoßen hatten.
Für Schweizer Berater bleibt die Eintragung ins Beraterregister (FIDLEG) Pflicht – es sei denn, sie arbeiten für eine prudenziell beaufsichtigte Bank.
In Deutschland setzt der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung auf Gegenwehr. Der Verband feierte im Juni 2026 sein 34-jähriges Bestehen in Berlin. Die Kampagnen zielen auf Stärkung der unabhängigen Beratung – mit Fokus auf neue Altersvorsorgegesetze und Cyber-Security.
