Unfallforscher bemängelt fehlende Datenbasis zur Bewertung eines generellen Tempolimits

Veröffentlicht am: 14.02.2020 um 07:46 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Versicherungsexperte fordert neue Untersuchungen zu den Auswirkungen eines Tempolimits auf die Verkehrssicherheit.

Autobahn (Archiv), Illustration mit AI erstellt.
Autobahn (Archiv), Illustration mit AI erstellt.
Der Verkehrsexperte der deutschen Versicherungswirtschaft schätzt die Folgen eines generellen Tempolimits für die Vermeidung von Unfällen eher gering ein. In einem Gespräch mit der „Osnabrücker Zeitung“, verwies der Leiter der Unfallforschung des Verbands der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, auf die unterschiedlichen Bedingungen, die durch ein generelles Tempolimit nicht berücksichtigt würden. Es ist ein entscheidender Faktor, wann jemand und wo jemand unterwegs ist. Bei Nacht und auf kaum befahrenen Straßen, kann ich eine positive Wirkung einer Geschwindigkeitsbegrenzung nicht erkennen. Es fehlt außerdem die Datenbasis, um eine wissenschaftlich begründete These zu formulieren. In der Perspektive der Unfallforschung, hat ein Tempolimit nur auf Abschnitten mit sehr hohem Verkehrsaufkommen oder anderen Risikofaktoren einen Sinn. Wir müssen eine Abwägung vornehmen zwischen Aspekten des Bedürfnisses nach Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer auf der einen Seite, und dem Mobilitätsbedürfnis auf der anderen Seite. Wenn ein Verkehrsteilnehmer auf einer kaum befahrenen Strecke unterwegs ist, überwiegt das Interesse schnell voranzukommen. Damit ist kein Gefährdungspotential verbunden, so der Unfallforscher. Tempolimits auf Risiko und Hochrisikostraßen existieren bereits. Ein Beispiel ist die A24 auf dem Abschnitt zwischen Hamburg und Berlin. Eine zweite Möglichkeit wäre ein auf die aktuelle Verkehrslage bezogenes Tempolimit. Bei hohem Verkehrsaufkommen oder witterungsbedingten Beeinträchtigungen, kann ein intelligentes Leitsystem in Echtzeit mit einer angepassten Geschwindigkeitsbeschränkung reagieren. Brockmann mahnt eine Versachlichung der öffentlichen Debatte und fordert zunächst umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema. Es wird immer über Tempo 130 geredet, aber vielleicht stellt es sich nach den Untersuchungen heraus, dass Tempo 150 genauso oder besser funktioniert. Und die Akzeptanz für ein derartiges Tempolimit wäre mit Sicherheit deutlich höher, schlägt der Versicherungsexperte vor. Auf aktuelle Initiativen aus der Politik reagierte Brockmann zurückhaltend. Von der A2 als Testgebiet, wie es Niedersachsens Verkehrsminister vorgeschlagen hatte, hält er nichts. Auf der A 2 gibt es bereits ein Verkehrsleitsystem. Was wir brauchen ist ein Netz von Strecken, auf denen es keine Tempolimits oder sonstige Beschränkungen gibt. Außerdem weist die A 2 ein so hohes Verkehrsaufkommen auf, dass es ohnehin keine frei Fahrt möglich ist. Wir stehen erst am Anfang einer fundierten Forschung zum Thema Tempolimit, so der Experte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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