Frauen, Schmerzen

Expertin fordert Schmerzforschung fĂŒr alle

20.09.2023 - 10:06:30 | dpa.de

Viele Diagnosen orientierten sich eher an Merkmalen, wie sie bei MĂ€nnern in typischer Weise auftreten. Das hat zur Folge, dass Schmerzmittel eher fĂŒr die BedĂŒrfnisse von MĂ€nnern prodziert werden.

Einige Schmerzmittel wirken bei Frauen anders, was zu UnvertrĂ€glichkeiten oder Fehldosierungen fĂŒhren kann. - Foto: Christin Klose/dpa
Einige Schmerzmittel wirken bei Frauen anders, was zu UnvertrĂ€glichkeiten oder Fehldosierungen fĂŒhren kann. - Foto: Christin Klose/dpa

In der Schmerzforschung mĂŒssen nach Ansicht einer Wissenschaftlerin die BedĂŒrfnisse und biologischen Voraussetzungen von Frauen stĂ€rker berĂŒcksichtigt werden. «Lange wurden Frauen von Arzneimittelstudien ausgeschlossen, und das obwohl sie hĂ€ufiger von Schmerzerkrankungen betroffen sind als MĂ€nner», sagte die Schmerzforscherin Daniela Rosenberger von der Uniklinik in MĂŒnster der dpa.

Manche Schmerzmittel wirkten bei Frauen anders, was zu UnvertrĂ€glichkeiten oder Fehldosierungen fĂŒhren könne. «Der weibliche Körper nimmt Medizin anders auf, verteilt sie anders und baut sie auch anders ab als der mĂ€nnliche Organismus», erlĂ€uterte die AnĂ€sthesiologin erlĂ€uterte die AnĂ€sthesiologin im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Schmerzgesellschaft und der Deutschen MigrĂ€ne- und Kopfschmerzgesellschaft in Mannheim vom 18. bis 21. Oktober.

Bei Paracetamol nachweisbar

Die unterschiedliche Wirksamkeit sei etwa beim gĂ€ngigen Schmerzmittel Paracetamol nachweisbar. Auch hormonelle Unterschiede können sich auf die Schmerzwahrnehmung auswirken: Beim Mann dĂ€mpfe das Testosteron die Schmerzempfindlichkeit, wĂ€hrend nach Studien Progesteron und Östrogen bei Frauen den Schmerz eher förderten. Auf diesem Gebiet gebe es noch erheblichen Forschungsbedarf.

Viele Diagnosen orientierten sich eher an Merkmalen, wie sie bei MĂ€nnern in typischer Weise auftreten. Das gelte etwa fĂŒr die Anzeichen von Herzinfarkt, der oft mit starken Schmerzen hinter dem Brustkorb samt Ausstrahlung in den linken Arm assoziiert wird. Weniger bekannt sei allgemein, dass sich bei Frauen ein Herzinfarkt auch mit Übelkeit und Oberbauchschmerzen ankĂŒndigen könne.

Rosenberger wĂŒnscht sich eine Schmerzforschung in UniversitĂ€ten und Pharmaunternehmen, die alle Geschlechter einschließt und individuelle Risikoprofile wie den allgemeinen Gesundheitszustand, Alter, Gewicht und Vorerkrankungen umfasst. «Die Standardfrage nach dem individuellen Schmerzempfinden auf einer Skala von Null bis Zehn greift viel zu kurz.»

Nach Angaben der beiden Fachgesellschaften leiden Millionen Menschen in Deutschland an andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen. Zehn Jahre vergingen im Schnitt, bis die richtige Diagnose gefunden werde. Ob durch Bandscheibenvorfall oder MigrĂ€ne, nach Operationen oder Tumorerkrankungen, durch Verschleiß, seelische Belastungen oder Nervenleiden – die Ursachen fĂŒr Schmerzerkrankungen sind vielfĂ€ltig. Die Folgen können gravierend sein, wie Rosenberger betonte. Viele Betroffene sind demnach in ihrer Bewegung eingeschrĂ€nkt, schlafen schlecht, können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen oder geraten in soziale Isolation.

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