Wie Kinder weniger Zeit vor Bildschirmen verbringen
07.06.2024 - 06:20:14Eltern kann es schon mit einigen Regeln gelingen, dass ihre Kinder daheim weniger Zeit vor Bildschirmen verbringen. Das berichtet ein US-Forschungsteam im Fachblatt «Pediatric Research». FĂŒr die Studie wurden mehr als Zehntausend Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren sowie deren Eltern in den USA befragt, wie hĂ€ufig und wobei sie solche Medien nutzen.
Ergebnis: In Familien, in denen die Mitglieder bei den Mahlzeiten auf Bildschirme schauten, nutzten die Kinder im Schnitt mehr Handys, Tablets, Fernseher und Computer. Einen groĂen Einfluss auf die Bildschirmzeit hatte auch, ob es den Kindern erlaubt war, vor dem Einschlafen ein GerĂ€t im Bett zu nutzen.
In beiden FÀllen zeigten die Heranwachsenden auch hÀufiger problematisches Nutzungsverhalten in sozialen Medien, in Videospielen und am Handy. Bildschirme am Esstisch und im Bett zu verbieten, habe also einen Einfluss. In beiden FÀllen nutzten die Kinder Bildschirme jeweils um mehr als eine Stunde weniger.
Was nicht wirkt
Der Hauptautor der Studie, Jason Nagata von der University of California, weist auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: Eltern sollten ihre eigene Bildschirmnutzung vor den Kindern einschrÀnken. «Versuchen Sie auch mit gutem Beispiel voranzugehen.» Denn die Daten zeigten: Wenn Eltern vor ihren Kindern hÀufig GerÀte nutzten, verbrÀchten auch die Kinder mehr Zeit vor den Bildschirmen. Die Kinder ahmten wahrscheinlich ihre Eltern nach.
Zwei bekannte elterliche MaĂnahmen funktionierten hingegen laut der Studie nicht: Verbote und Belohnungen. Als Beispiel nannte das Team die Regelung, wer sich gut verhĂ€lt, bekommt dafĂŒr Medienzeit, wer sich schlecht verhĂ€lt, erhĂ€lt keine Medienzeit. Wenn Eltern diese MaĂnahmen anwandten, nutzten ihre Kinder in der Studie sogar insgesamt ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit Bildschirme.
Zeit am Bildschirm mindert Schlaf
Die Autoren und Autorinnen der Studie betonen, dass eine zu hĂ€ufige Bildschirmnutzung zu körperlichen und psychischen Problemen, Ăbergewicht und Schlafschwierigkeiten fĂŒhren könne. «Die Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen verdrĂ€ngt die Schlafzeit, die fĂŒr die Gesundheit und Entwicklung junger Heranwachsender unerlĂ€sslich ist», erklĂ€rt Nagata. Er rĂ€t, Handys, Laptops und andere GerĂ€te zum Beispiel auĂerhalb des Kinderzimmers aufzubewahren und sie auszuschalten.
Spezifisch mit der Nutzung von sozialen Medien hat sich auĂerdem ein internationales Forschungsteam rund um den Christian Montag von der UniversitĂ€t Ulm befasst. Es rĂ€t: Eltern sollten schon vor dem ersten Gebrauch der Apps mit ihren Kindern Regeln festlegen, wie Youtube, Tiktok, Snapchat, Instagram und andere Medien genutzt werden können. Ăberhaupt empfehlen die Forschenden, einen eigenen Account in diesen sozialen Medien erst ab 13 Jahren zu erlauben. Diese RatschlĂ€ge wurden in einem Konsenspapier in der Fachzeitschrift «Addictive Behaviors» publiziert.
Nach Meinung der Forschenden aus den Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Psychiatrie sollten Kinder unter 13 Jahren keinen Zugang zu diesen Medien haben, weil ein dabei wichtiger Gehirnteil sich noch entwickle. Auch gebe es einen Zusammenhang zwischen frĂŒher Nutzung und Suchtverhalten. Es sei aber sinnvoll, wenn Kinder zusammen mit ihren Eltern vor dem 13. Lebensjahr die Welt der sozialen Medien erkundeten. Dann sei die Familie besser darauf vorbereitet.
In diesem Papier weisen die Autorinnen und Autoren auch noch einmal auf Studien hin, die den Einfluss von Eltern zeigten: Wenn Eltern selbst zu viel in sozialen Medien unterwegs seien, ebneten sie den Weg dafĂŒr, dass die Kinder ihnen nacheiferten und sich Ă€hnliches Verhalten aneigneten.


