Diphtherie, Masern

Diphtherie, Masern, Polio - GefĂ€hrliche ImpflĂŒcken entstehen

13.12.2024 - 01:00:37 | dpa.de

Viele Kinder in Deutschland werden nicht rechtzeitig geimpft. Auch Erwachsene schĂŒtzen sich nicht ausreichend. Welche Folgen das laut Experten haben könnte.

  • Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist mittlerweile höher als in den Jahren vor der Pandemie (Symbolbild). - Foto: Philip Dulian/dpa
    Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist mittlerweile höher als in den Jahren vor der Pandemie (Symbolbild). - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Die Stiko empfiehlt fĂŒr die Masernimpfung jeweils eine Dosis im Alter von 11 und von 15 Monaten (Symbolbild). - Foto: Friso Gentsch/dpa
    Die Stiko empfiehlt fĂŒr die Masernimpfung jeweils eine Dosis im Alter von 11 und von 15 Monaten (Symbolbild). - Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Standardimpfungen fĂŒr Babys werden dem Experten zufolge oft zu spĂ€t wahrgenommen. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    Standardimpfungen fĂŒr Babys werden dem Experten zufolge oft zu spĂ€t wahrgenommen. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Zu den Standardimpfungen bei SĂ€uglingen gehören unter anderem der Schutz vor Masern, Keuchhusten und Diphtherie (Symbolbild). - Foto: Fabian Sommer/dpa
    Zu den Standardimpfungen bei SÀuglingen gehören unter anderem der Schutz vor Masern, Keuchhusten und Diphtherie (Symbolbild). - Foto: Fabian Sommer/dpa
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Schutzimpfungen haben viele Erkrankungen wie Masern, Diphtherie und Polio massiv zurĂŒckgedrĂ€ngt. Millionen Menschen in Deutschland blieben von schwerer Erkrankung oder gar Tod verschont. Doch aktuelle Impfquoten etwa fĂŒr Diphtherie und Polio zeigen: Die Bereitschaft, sich oder die eigenen Kinder impfen zu lassen, schwindet zum Teil.

Gegen Polio sind nur 21 Prozent der EinjÀhrigen in Deutschland vollstÀndig geimpft, wie das RKI berichtete. Und das, obwohl die Grundimmunisierung bis zu einem Alter von zwölf Monaten abgeschlossen sein sollte. VersÀumte Impfungen werden zwar oft nachgeholt, trotzdem haben den Fachleuten zufolge nur 77 Prozent der Kinder in einem Alter von zwei Jahren einen vollstÀndigen Impfschutz.

Bei Diphtherie lag die Quote vollstÀndiger Immunisierung bei Kindern im Alter von 15 Monaten (Geburtsjahr 2021) zuletzt nur bei 64 Prozent. Eine vollstÀndige Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln erhielten rund 77 Prozent der ZweijÀhrigen des gleichen Geburtsjahres. Bis zum Schulalter werde die zweite Impfung zwar oft nachgeholt. Das entspreche aber nicht der Empfehlung, laut der bis zum Alter von 15 Monaten zweimal geimpft werden sollte.

Vergessenes Leid

 «Ein grundsĂ€tzliches Dilemma von Impfungen ist, dass sie Krankheiten verhindern, die dadurch viele heute nicht mehr kennen», sagte Reinhard Berner, Vorsitzender der StĂ€ndigen Impfkommission (Stiko), der Deutschen Presse-Agentur. Ein Beispiel sei Diphtherie, einst «WĂŒrgeengel der Kinder» genannt. 1892 seien daran in Deutschland noch mehr als 50.000 meist junge Menschen gestorben.

Dank der 1913 eingefĂŒhrten Impfung, die heute zu den Standardimpfungen bei SĂ€uglingen gehört, ging die Zahl massiv zurĂŒck. Dieses Jahr wurden dem RKI bislang 47 Erkrankungen (Stand 12. Dezember) gemeldet. Wie Berner erklĂ€rt, fĂŒhrte das weitgehende Verschwinden allerdings auch dazu, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie schmerzhaft und gefĂ€hrlich diese und andere Krankheiten sind.

Zu den möglichen Komplikationen der Bakterieninfektion Diphtherie zum Beispiel gehören NervenlĂ€hmungen sowie potenziell tödliche Lungen- oder HerzmuskelentzĂŒndungen. Polioviren können schwere, bleibende LĂ€hmungen der Gliedmaßen oder eine tödliche AtemlĂ€hmung verursachen. Masernviren können zu Lungen- und HirnentzĂŒndungen fĂŒhren. GefĂŒrchtete SpĂ€tfolge ist die Subakute Sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine fast immer tödlich verlaufende EntzĂŒndung des Gehirns.

Schwer erreichbare Gruppen

Ein weiteres Problem sei, dass bestimmte Zielgruppen nicht erreicht wĂŒrden, sagte Berner. Dazu zĂ€hlten etwa Menschen aus bildungsfernen Haushalten oder ohne Deutschkenntnisse. Schwer zu erreichen sind nach Angaben des Bundesvorsitzenden des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbandes, Markus Beier, außerdem Menschen, die keine feste hausĂ€rztliche Anbindung haben.

Die Standardimpfungen fĂŒr Babys wĂŒrden im Mittel gut wahrgenommen, hĂ€ufig aber zu spĂ€t, erklĂ€rte Berner, der selbst Kinderarzt ist. Das sei problematisch, da manche Erkrankungen - zum Beispiel eine Hirnhaut- oder KehldeckelentzĂŒndung, die durch bakterielle Infektionen ausgelöst werden - gerade im ersten Lebensjahr besonders bedrohlich seien. «Wenn wir die besonders GefĂ€hrdeten effektiv schĂŒtzen wollen, mĂŒssen wir ganz frĂŒh impfen.»

RĂŒckschritt durch die Pandemie

Und dann war da noch die Corona-Pandemie, die bei einigen Menschen eine generelle Skepsis gegenĂŒber Impfungen hat heranwachsen lassen, wie Berner sagte. «Die Pandemie hat uns, was den Impfgedanken grundsĂ€tzlich angeht, wieder weit zurĂŒckgeworfen.» 

Es sei Ärzten, Wissenschaftlern und auch der Stiko nicht ausreichend gelungen, zu vermitteln, dass die Corona-Impfung sehr wohl vor einem schweren Verlauf, aber nicht generell vor einer Infektion schĂŒtzt. Viele Menschen hĂ€tten sich gefragt, warum sie Corona bekommen, obwohl sie zweifach geimpft und geboostert sind - und die Wirksamkeit der Impfung angezweifelt.

RKI-Angaben zufolge erhielten in der Saison 2023/2024 nur 16 Prozent der Menschen ab 60 Jahren die Covid-19-Impfung. Bei der Grippe waren es 38 Prozent.

Corona ist nicht weg

Covid sei immer noch keine normale Erkrankung, warnte der Berliner Virologe Christian Drosten kĂŒrzlich. «Viele Patienten fĂŒhlen sich sehr krank, wenn sie infiziert sind.» Leider gebe es im Internet viele Desinformationen ĂŒber die Impfung. «In der Öffentlichkeit kursiert inzwischen mancherorts die Vorstellung, die Impfung sei geradezu gefĂ€hrlich, oder Ă€hnlich gefĂ€hrlich wie das Virus. Das ist eine krasse Fehlinformation», so Drosten, Direktor des Instituts fĂŒr Virologie der CharitĂ© Berlin. 

Die Impfung verursache natĂŒrlich Nebenwirkungen, aber diese seien in der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der FĂ€lle gut auszuhalten und vorĂŒbergehend. «WĂ€re die Impfung so gefĂ€hrlich wie die Infektion, dann wĂ€re sie nicht zugelassen und empfohlen», betonte Drosten. 

Hohe Krankheitslast

Nach RKI-Daten lag die geschÀtzte Zahl der Corona-Erkrankungen in der Woche vom 2. Dezember bei rund 400 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Rund 8.600 von 100.000 litten an einer akuten Atemwegserkrankung. Die Zahl der Erkrankungen liegt dem Institut zufolge damit auf einem vergleichsweise hohen Niveau. In den zehn Jahren vor der Pandemie waren es im gleichen Zeitraum nie mehr als rund 7.500 Atemwegserkrankungen pro 100.000 Einwohner. Nur in der Saison 2011/2012 waren es mehr (rund 9.100). Im Jahr 2019, vor der Pandemie, waren es Anfang Dezember zum Beispiel 6.600. 

«Durch die parallele Zirkulation von Influenzaviren, RSV und Sars-CoV-2 hat sich die Krankheitslast deutlich erhöht, was die große Bedeutung des saisonalen Vergleichs und der kontinuierlichen Überwachung unterstreicht», erlĂ€uterte das RKI Ende Oktober. Bei zahlreichen Krankheiten gibt es weiterhin Nachholeffekte.

«Es braucht ein Bewusstsein, dass Atemwegserreger langfristig zu Komplikationen fĂŒhren können», sagte der Leiter der Infektiologie der Berliner CharitĂ©, Leif Erik Sander. «Wir wissen mittlerweile, dass Impfungen vor allen Dingen auch die Folgekomplikationen am Herz-Kreislaufsystem - also Herzinfarkte, SchlaganfĂ€lle, Thrombosen - deutlich reduzieren können.» 

Kleiner Unterschied - große Wirkung

FĂŒr viele Infektionskrankheiten gilt zudem: Sobald die Durchimpfungsrate unter einen bestimmten Wert sinkt, nehmen die Erkrankungszahlen wieder stark zu. Wie schnell das gehen kann, konnte man in diesem Jahr zum Beispiel an den Masern sehen. Deutlich mehr Menschen als in den vergangenen Jahren erkrankten. Dem RKI wurden bislang 636 (Stand: 12. Dezember) Infektionen gemeldet (2023: 79; 2022: 15). «Wenn die Impfquote nur ein kleines bisschen nachlĂ€sst, da reichen ein paar Prozent, gibt es umgehend mehr FĂ€lle», erklĂ€rte Sander.

«Ganz viel ist gelungen», sagte Berner. «Aber ganz vieles ist halt nur fast verschwunden und kann damit auch ganz schnell wieder vor der TĂŒr stehen.»

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