Vietnam, Strafverfolgung

Vietnam: Erste Strafverfolgung gegen Software-Piraterie eingeleitet

Veröffentlicht am: 11.06.2026 um 18:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vietnams Polizei leitet erstmals Strafverfahren gegen illegale Software-Nutzung ein. Razzien in Hanoi und Phu Tho zielen auf Unternehmen und Bildungseinrichtungen.

Vietnam: Strafrechtliche Verfolgung von Software-Piraterie beginnt
Vietnamese police officer examining computer screens with software code and legal documents, symbolizing software piracy investigation. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Erstmals geht die vietnamesische Polizei strafrechtlich gegen Urheberrechtsverletzungen bei Software vor – ein Signal mit Signalwirkung fĂŒr auslĂ€ndische Investoren.

Die Provinzpolizei von Phu Tho hat ein Verfahren nach Artikel 225 des Strafgesetzbuches eingeleitet. Am heutigen Donnerstag durchsuchten die Ermittler fĂŒnf Standorte in Hanoi und der Provinz Phu Tho. Im Zentrum der Aktion: die illegale Installation und Verbreitung von Microsoft Windows und Office.

Razzien bei mehreren Unternehmen

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Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Firmen, die verdÀchtigt werden, unlizenzierte Software an Bildungseinrichtungen und Unternehmen geliefert zu haben. Besonders ins Visier geriet Song Lam Trading. Das Unternehmen soll 81 Computer mit raubkopierten Versionen von Windows und Office ausgeliefert haben.

Die Ermittler weiteten die Suche auf eine Schule aus. Dort fanden sie 350 weitere Rechner, die von Athena Vietnam und Tek-Solution stammen sollen. Auch bei Thanh Giong Computer schlugen die Beamten auf – das Unternehmen gilt als Zulieferer der beiden anderen Firmen.

Die Polizei hat mehrere Verantwortliche identifiziert. Dazu gehören Nguyen Thi Thanh Huyen von Song Lam Trading und Lai Hoang Duong, der Vorsitzende von Thanh Giong Computer.

Millionenschaden und neue HĂ€rte

Der finanzielle Schaden ist betrĂ€chtlich. Die Ermittler beziffern ihn auf mehrere zehn Milliarden Vietnamesische Dong – umgerechnet Hunderttausende Euro. Branchenangaben zufolge kosten legale Lizenzen pro Computer zwischen vier und neun Millionen Dong (etwa 140 bis 320 Euro).

Lai Hoang Duong zeigte sich kooperativ. Er bezeichnete die Ermittlungen als routinemĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung und betonte, dass sein Unternehmen normal weiterarbeite. „Die Untersuchung bedeutet noch keine Schuldfeststellung", so Duong.

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Zeitenwende im Urheberrecht

Rechtsexperten sehen in dem Fall einen Wendepunkt. Bisher verhÀngten vietnamesische Behörden bei Software-Piraterie meist nur Verwaltungsstrafen. Die Anwendung des Strafgesetzbuches zeigt: Das Land verschÀrft den Kampf gegen Produktpiraterie deutlich.

FĂŒr internationale Konzerne ist das ein wichtiges Signal. Vietnam kĂ€mpft seit Jahren gegen sein Image als Paradies fĂŒr Raubkopien. Die neue HĂ€rte könnte auslĂ€ndische Investitionen in die Technologiebranche weiter ankurbeln. Die Ermittlungen laufen noch – die Polizei prĂŒft derzeit das gesamte Netzwerk der illegalen Software-Verteilung.

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de | wissenschaft | 69522004 |