Vitamin, Herbst

Vitamin D im Herbst: BfR warnt vor 20.000 i.E. alle 20 Tage

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das BfR sieht bei hohen Einzeldosen Risiken; Stiftung Warentest beanstandete viele PrĂ€parate wegen Überdosierung.
Ein kahler Baum vor einem trĂŒben Winterhimmel bei diffusem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit greifen viele Verbraucher zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln, um den winterlichen Mangel an Sonnenlicht auszugleichen. Fachleute betonen jedoch, dass einmalige, hochdosierte Vitamin-D-Gaben im Herbst keineswegs ausreichen, um den Bedarf ĂŒber die Wintermonate hinweg verlĂ€sslich zu decken.

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) warnt ausdrĂŒcklich vor sogenannten Bolus-PrĂ€paraten – etwa Dosierungen von 20.000 Internationalen Einheiten (i.E.) alle 20 Tage. Solche Stoßtherapien erhöhen das Risiko fĂŒr StĂŒrze und KnochenbrĂŒche und bergen erhebliche Überdosierungsgefahren.

Risiken von Stoßtherapien und Überdosierungen

Eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Zufuhr von Vitamin D kann zu einem bedenklichen Anstieg des Kalziumspiegels im Blut fĂŒhren. Dieses PhĂ€nomen, bekannt als HyperkalzĂ€mie, zieht schwere gesundheitliche Konsequenzen nach sich. Medizinische Fachkreise weisen darauf hin, dass neben Herzrhythmusstörungen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch GefĂ€ĂŸ- und Organverkalkungen sowie akutes Nierenversagen drohen.

Diese Problematik spiegelt sich auch im Markt fĂŒr freiverkĂ€ufliche Produkte wider. In einem Test der Stiftung Warentest (Ausgabe 1/2026) erwiesen sich die meisten von 25 ĂŒberprĂŒften Vitamin-D-PrĂ€paraten als ĂŒberdosiert. FĂŒnf Mittel erhielten das Urteil „nicht geeignet“, da bei einer dauerhaften Anwendung NierenschĂ€den drohen.

Lediglich zwei Produkte wurden als geeignet eingestuft: „Vitamin D compact“ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 i.E. sowie „Vital Vitamin D“ von RotkĂ€ppchen mit 400 i.E. Depot-PrĂ€parate stuften die Tester aufgrund von Einnahmefehlern und Überdosierungsrisiken als kritisch ein. Das BfR empfiehlt fĂŒr frei verkĂ€ufliche NahrungsergĂ€nzungsmittel eine Höchstgrenze von maximal 20 ”g (800 i.E.) pro Tagesdosis.

Referenzwerte und körpereigene Synthese

In Mitteleuropa reicht die Sonneneinstrahlung von Oktober bis MÀrz meist nicht aus, um eine ausreichende körpereigene Bildung in der Haut zu gewÀhrleisten. Unter normalen Bedingungen bildet der menschliche Körper laut BfR 80 bis 90 Prozent seines Bedarfs durch Sonneneinstrahlung selbst.

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FĂŒr die Knochengesundheit gilt ein Serumwert von 50 nmol/l (20 ng/ml) 25(OH)D als ausreichend – ein Orientierungswert, den neben dem BfR auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) und die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) teilen.

Werte zwischen 30 und unter 50 nmol/l deuten auf eine suboptimale Versorgung hin, wĂ€hrend Werte unter 30 nmol/l ein Risiko fĂŒr einen echten Mangel signalisieren. Geschlechtsspezifische Zielwerte existieren nicht.

Dass die körpereigene Synthese saisonal schwankt, belegt unter anderem die finnische Kohortenstudie „Northern Finland Birth Cohort 1966“ an 3.650 Personen. Im Alter von 31 Jahren lag der mittlere 25(OH)D-Wert der Teilnehmenden im Winter bei 43,6 nmol/l, wĂ€hrend er im Sommer 60,8 nmol/l erreichte.

Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut versorgt sind. FrĂŒhere Erhebungen des RKI fĂŒr die Jahre 2008 bis 2011 verdeutlichten zugleich, dass rund jede vierte Frau im Alter zwischen 18 und 29 Jahren einen Wert unter 30 nmol/l aufwies, wobei der Anteil bei jungen MĂ€nnern noch höher ausfiel.

Differenzierte Einnahme nach Risikoprofil

Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen in der Regel keine Vitamin-D-PrĂ€parate, da die im Sommer aufgebauten Reserven meist durch den Winter tragen. FĂŒr gesunde Personen liegt der sichere Tagesbereich zwischen 800 und 3.000 i.E. Die DGE sieht einen Orientierungswert von 800 i.E. (20 ”g) pro Tag bei fehlender Eigensynthese vor, betont jedoch, dass dies keine therapeutische Behandlungsdosis fĂŒr einen ausgeprĂ€gten Mangel darstellt.

Anders stellt sich die Situation bei spezifischen Risikogruppen dar. Erhöhter Bedarf besteht bei SÀuglingen zur Rachitis-PrÀvention, Schwangeren, Àlteren Personen sowie Menschen, die Nachtschichten leisten, verdeckende Kleidung tragen oder eine dunkle Hautfarbe haben.

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Auch Vorerkrankungen wie chronische Magen-Darm-, Leber- oder Nierenleiden, Fettabsorptionsstörungen, schwere Adipositas oder ZustÀnde nach einem Magenbypass erfordern Aufmerksamkeit, ebenso wie die Einnahme bestimmter Medikamente (Glukokortikoide, Antiepileptika oder Zytostatika).

Die Amerikanische Endokrinologie-Gesellschaft rĂ€t in ihrer Leitlinie zur KrankheitsprĂ€vention bei Personen ab 50 Jahren zu tĂ€glichen niedrigen Dosen anstelle von hochdosierten Stoßtherapien. Als potenziell vorteilhaft bewertet die Gesellschaft eine gezielte Zufuhr zudem bei Kindern und Jugendlichen zwischen einem und 18 Jahren, Senioren ab 75 Jahren, Schwangeren sowie Erwachsenen mit erhöhtem PrĂ€diabetes-Risiko.

Diagnose und kontrollierte Anwendung

Mediziner raten davon ab, hochdosierte PrĂ€parate auf eigene Faust einzunehmen; solche Dosierungen gehören in Ă€rztliche HĂ€nde und sind rezeptpflichtig. Bis gĂ€ngige PrĂ€parate zu einem deutlichen Anstieg des Blutspiegels fĂŒhren, vergehen oft etwa 8 bis 12 Wochen.

Eine verlĂ€ssliche Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels erfolgt ĂŒber das Blut beim Hausarzt. Liegt keine medizinische Indikation vor, wird der Test als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet.

Die reinen Laborkosten belaufen sich hĂ€ufig auf etwa 20 bis 35 Euro, zu denen Kosten fĂŒr Blutentnahme und Beratung hinzukommen können; laut Stiftung Warentest liegen die Gesamtkosten typischerweise bei 20 bis 50 Euro.

Bei begrĂŒndetem Verdacht auf einen relevanten Mangel ĂŒbernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Neben Nahrungsmitteln wie fettreichem Fisch, Eiern, Milchprodukten und Speisepilzen bleibt die moderate Tageslichtexposition von 15 bis 20 Minuten ein wichtiger Baustein fĂŒr einen stabilen Haushalt.

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