Vitamin D: Stiftung Warentest stuft fĂŒnf von 25 PrĂ€paraten als ungeeignet ein
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deNahrungsergĂ€nzungsmittel mit Vitamin D erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, bergen bei unbedachter Einnahme jedoch gesundheitliche Gefahren. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Januar 2026 zeigt, dass ein GroĂteil der frei erhĂ€ltlichen Produkte zu hoch dosiert ist.
Von 25 getesteten PrĂ€paraten stuften die PrĂŒfer die meisten als ĂŒberdimensioniert ein. FĂŒnf Mittel erhielten sogar das Gesamturteil ânicht geeignetâ, da bei einer langfristigen Zufuhr das Risiko von NierenschĂ€den besteht. Produkte mit mehr als 1000 I.E. pro Tagesdosis wurden generell als wenig geeignet bewertet.
Risiken hoher Dosierungen und Depot-PrÀparate
Die Experten der Stiftung Warentest sehen insbesondere hochdosierte Depot-PrĂ€parate kritisch, weil es dabei hĂ€ufig zu Einnahmefehlern kommt. Zudem belegen Studien, dass hohe Einzeldosen gerade bei Ă€lteren Menschen das Risiko von StĂŒrzen und KnochenbrĂŒchen erhöhen können.
Ein Endokrinologe verweist darauf, dass ab einer Einzelgabe von 10.000 IE langfristig mehr Frakturen und StĂŒrze auftreten. Frei verkĂ€ufliche Wochendepots mit bis zu 10.000 IE besitzen demnach keinen nachgewiesenen Nutzen fĂŒr die allgemeine Vorbeugung; einschlĂ€gige Leitlinien favorisieren stattdessen die tĂ€gliche Einnahme.
Auch eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 verdeutlichte diese Problematik: Bei Probanden, die ĂŒber drei Jahre hinweg tĂ€glich 4000 bzw. 10.000 IE einnahmen, fiel die Knochendichte geringer aus als bei einer tĂ€glichen Dosis von 400 IE.
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Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) warnt ebenfalls vor Ăberdosierungen: Ab einer tĂ€glichen Zufuhr von 4000 IE besteht das Risiko einer HyperkalzĂ€mie. FĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel stuft das BfR maximal 20 ”g beziehungsweise 800 i.E. tĂ€glich als gesundheitlich unbedenklich ein und stellt klar, dass höhere Dosen zur Vorbeugung nicht erforderlich sind.
Richtwerte, Bluttests und körpereigene Produktion
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut mit Vitamin D versorgt. Das BfR betont, dass bei ausreichender Sonneneinstrahlung 80 bis 90 Prozent des Vitamins direkt in der Haut gebildet werden.
Dermatologen merken an, dass fĂŒr die körpereigene Synthese tĂ€glich etwa zehn Minuten bis eine halbe Stunde direktes Sonnenlicht auf Armen, Beinen und Gesicht genĂŒgen. Ein gesunder Mensch, der sich im Sommer regelmĂ€Ăig unverhĂŒllt im Freien aufhĂ€lt, speichert nach EinschĂ€tzung von Endokrinologen ausreichend Vitamin D fĂŒr die Wintermonate, sodass gesunde Erwachsene meist keine Tabletten benötigen.
Vor dem Griff zu Pillen raten Fachleute zu einer labordiagnostischen AbklĂ€rung. Laut Stiftung Warentest kostet ein entsprechender Bluttest etwa 20 bis 50 Euro; liegt ein konkreter Mangelverdacht vor, ĂŒbernehmen die Krankenkassen die Kosten.
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Ein Blutwert unter 50 nmol/l signalisiert eine Unterversorgung, wĂ€hrend Werte unter 30 nmol/l beziehungsweise unter 12 ng/ml als behandlungsbedĂŒrftiger Mangel mit dem Risiko von FolgeschĂ€den gelten. Der ĂŒbliche Normbereich liegt bei 20 bis 50 ”g/l.
Internationale Empfehlungen und wissenschaftliche Studienlage
BezĂŒglich der Zufuhr bestehen international unterschiedliche Leitlinien. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) sieht bei festgestelltem Bedarf einen Wert von 20 ”g (800 IE) pro Tag vor, rĂ€t jedoch von Dosen ĂŒber den eigentlichen Bedarf hinaus ab.
Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt 400 IE, die US-amerikanischen National Institutes of Health setzen 600 IE an, wĂ€hrend die Endocrine Society 1500 bis 2000 IE fĂŒr Erwachsene veranschlagt. Die europĂ€ische Behörde EFSA definiert die Obergrenze fĂŒr gesunde Erwachsene bei 100 ”g (4000 IE).
Zudem relativieren Studien den angenommenen Nutzen einer breiten Einnahme: Zwar ergab eine DGE-Ăbersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 ĂŒber 73 Studien einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und einem höheren Risiko fĂŒr akute Atemwegsinfekte, eine sichere Schutzwirkung lieĂ sich daraus aber nicht ableiten.
Eine australische Studie aus dem Jahr 2021 mit mehr als 21.000 Teilnehmern im Alter von 60 bis 84 Jahren ergab bei monatlicher Vitamin-D-Gabe im Vergleich zu einem Placebo keinen signifikanten Unterschied bei Infektionen der Atemwege.
