Vitamin D und Bauchfett: Zusammen steigt das Sterberisiko um 123 Prozent
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 21:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit Beginn des Herbstes nimmt die Intensität der Sonneneinstrahlung spürbar ab. Da der menschliche Körper Vitamin D vor allem in der Haut mithilfe von Sonnenlicht bildet, thematisieren mehrere Ratgeber die damit verbundene Herausforderung, den Bedarf ohne zusätzliche Supplementierung zu sichern.
Während im Sommer bereits rund fünf Minuten mittägliche Sonne pro Tag genügen, sinken die körpereigenen Speicher im Laufe der kälteren Jahreszeit kontinuierlich ab.
Richtwerte und körpereigene Speicher
In Deutschland reicht die UV-B-Strahlung in den Monaten von Oktober bis März meist nicht aus, um eine ausreichende körpereigene Vitamin-D-Bildung zu ermöglichen. Allerdings können im Sommer aufgebaute Reserven den Winter teilweise überbrücken. Für die Zeit von Oktober bis Ostern kann eine gezielte Supplementierung von rund 20 µg (800 IU) täglich sinnvoll sein, wobei Freizeitsport den individuellen Bedarf nicht erhöht.
Bei fehlender körpereigener Synthese gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene einen Schätzwert von 20 µg (800 IE) am Tag an. Als Orientierungswert für eine stabile Knochengesundheit gilt ein Serumwert von mindestens 50 nmol/l beziehungsweise 20 ng/ml. Werte zwischen 30 und 50 nmol/l definieren Fachkreise als unzureichende Versorgung.
Risikofaktoren und wissenschaftliche Befunde
Routinemäßige Bluttests werden für gesunde Personen nicht empfohlen. Bei einem erhöhten Risiko für einen Mangel kann die Bestimmung des 25(OH)D-Wertes jedoch zweckmäßig sein. Eine erhöhte Anfälligkeit betrifft insbesondere Menschen, die sich selten im Freien aufhalten, Personen in höherem Lebensalter, Menschen mit dunklerer Haut sowie Betroffene von chronischen Erkrankungen oder Adipositas.
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Welche Konsequenzen eine Unterversorgung haben kann, untersuchte unter anderem eine Auswertung der English Longitudinal Study of Ageing an 5.520 Teilnehmenden ab einem Alter von 50 Jahren über einen sechsjährigen Beobachtungszeitraum.
Ein Vitamin-D-Mangel von unter 30 nmol/l war darin mit einem um 91 Prozent höheren Sterberisiko verknüpft. Abdominale Adipositas – definiert als ein Bauchumfang von mehr als 102 Zentimetern bei Männern beziehungsweise über 88 Zentimetern bei Frauen – ging für sich genommen mit einem um 47 Prozent erhöhten Risiko einher.
Trafen beide Faktoren zusammen, lag das Sterberisiko um 123 Prozent höher, jeweils bezogen auf Personen mit ausreichendem Vitamin-D-Status (mindestens 50 nmol/l) ohne abdominale Fettleibigkeit.
Hinsichtlich des Schutzes vor Infektionen fielen die Ergebnisse anderer Erhebungen hingegen nüchtern aus: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit über 60.000 Teilnehmenden konnte keine statistisch signifikante Verringerung akuter Atemwegsinfektionen durch eine Vitamin-D-Gabe nachweisen.
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Risiken von Überdosierungen und Marktregulierung
Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland greift regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Rechtlich zählen diese Produkte zu den Lebensmitteln und durchlaufen daher kein arzneimittelrechtliches Zulassungsverfahren.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) prüft bei der Anzeige lediglich die formale Vollständigkeit, nicht den Inhalt. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Menschen mit ausgewogener Ernährung meist überflüssig sind.
Ausnahmen bilden etwa Folsäure bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft, Vitamin B12 bei veganer Lebensweise oder ein medizinisch nachgewiesener Mangel. Auch bei anderen Vitaminen wie Vitamin C zeigt die Datenlage, dass die Einnahme Erkältungen nicht verhindert, sondern Dauer und Schwere allenfalls geringfügig beeinflussen kann.
Bei Vitamin D sollten Erwachsene eine Obergrenze von 100 µg (4.000 IU) am Tag nicht überschreiten, da hoch dosierte oder unbedacht kombinierte Präparate zu Nährstoffüberschüssen und Wechselwirkungen führen können. Höhere Dosierungen bleiben nachgewiesenen Mangelzuständen unter ärztlicher Aufsicht vorbehalten.
Zugleich raten Experten davon ab, bestehende Sorgen vor einem Mangel durch ungeschützte Sonnenbäder auszugleichen: Ab einem UV-Index von 3 ist adäquater Sonnenschutz ratsam, während bei vermutetem Mangel eine ärztliche Diagnose eingeholt werden sollte.
