Vorhofflimmern: Oxford-Forschung lässt etablierte Vorhoffibrose zurückgehen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Vorhofflimmern steht vor der Herausforderung, dass bestehende Therapien vor allem Symptome lindern, die zugrundeliegenden strukturellen Gewebeveränderungen des Herzens jedoch bislang kaum rückgängig machen können.
Eine in der Fachzeitschrift Nature Cardiovascular Research veröffentlichte Untersuchung der University of Oxford zeigt nun einen molekularen Ansatz auf: Durch die gezielte Störung der Interaktion zwischen einer spezifischen microRNA und einem Rezeptor lässt sich eine bereits etablierte Vorhoffibrose zurückdrängen und die Neigung zu Herzrhythmusstörungen verringern.
Molekulare Mechanismen bei persistierendem Vorhofflimmern
Im Zentrum der Forschungsarbeit steht das Zusammenspiel zwischen der microRNA miR-31-5p und dem Calcitonin-Rezeptor (CTR beziehungsweise CALCR). Bei der Analyse atrialer Fibroblasten von Betroffenen mit persistierendem Vorhofflimmern, deren Episoden länger als 7 Tage andauern, stellten die Wissenschaftler der University of Oxford eine erhöhte Expression von miR-31-5p fest, während die CTR-Expression verringert war.
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Die microRNA reprimiert den Rezeptor dabei auf direktem Weg. Zudem wiesen Patienten mit persistierender Rhythmusstörung eine sechsfach niedrigere atriale Calcitonin-Produktion auf.
Ergänzende Versuche an Tiermodellen bestätigten die funktionelle Relevanz dieses Signalwegs. Bei Mäusen führte eine fibroblastenspezifische Überexpression von miR-31 zu einem Absinken des atrialen Calcitonin-Rezeptors, begünstigte das Entstehen von Fibrose und steigerte die Anfälligkeit für Rhythmusstörungen messbar.
Gezielte Blockade fördert die Rückbildung von Gewebeumbau
Um diesen pathologischen Prozess zu unterbinden, setzte das Forschungsteam einen selektiven Target-Site-Blocker auf Basis von Locked Nucleic Acid (LNA) ein, der die Bindung zwischen miR-31-5p und CALCR gezielt hemmt.
Dieser Eingriff stellte die Expression des Rezeptors wieder her, verhinderte das Fortschreiten fibrotischer Veränderungen und senkte die Arrhythmielast. Bei bereits etabliertem Gewebeumbau des Vorhofs führte die Intervention zu einer messbaren Regression der Fibrose.
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Studienleiterin Prof. Svetlana Reilly von der University of Oxford verwies darauf, dass bislang keine zugelassenen Therapien existieren, die fibrotische Gewebeveränderungen im Vorhof direkt umkehren können. Die Resultate lieferten einen Machbarkeitsnachweis für künftige RNA-basierte Behandlungsformen.
Weiterer Entwicklungsverlauf und klinische Relevanz
Die Studie entstand in Kooperation mit dem Baylor College of Medicine und wurde durch das NIHR Biomedical Research Centre Oxford sowie die British Heart Foundation financed. In den nächsten Schritten soll nun ein konkreter Leitkandidat identifiziert werden, dessen Sicherheit und Wirksamkeit in präklinischen Versuchsreihen zu prüfen sind, bevor eine potenzielle klinische Weiterentwicklung evaluiert werden kann.
Neue therapeutische Ansätze gelten angesichts der epidemiologischen Dimensionen als dringlich. Vorhofflimmern verursacht rund 30 bis 40 Prozent aller Schlaganfälle, und Prognosen zufolge soll sich die Inzidenz dieser Herzrhythmusstörung bis zum Jahr 2060 verdoppeln.
