Vorhofohr-Verschluss, VERITAS

Vorhofohr-Verschluss: VERITAS meldet 96,3 Prozent vollstÀndigen Verschluss

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die VERITAS-Studie meldet hohe Verschlussraten nach einem Jahr; zugleich wurden Ergebnisse zu drei Nachbehandlungspfaden veröffentlicht.
Ein steriler, moderner Behandlungsraum in einer kardiologischen Klinik mit hochwertiger medizinischer Ausstattung. Illustration mit AI erstellt.

Beim perkutanen Verschluss des linken Vorhofohrs (LAAO) zur SchlaganfallprÀvention bei nichtvalvulÀrem Vorhofflimmern liegen neue klinische Daten vor. Auf dem Fachkongress TCT 2026 in San Diego wurden die Ein-Jahres-Ergebnisse der VERITAS-Studie zum System Amulet 360 von Abbott vorgestellt.

Die Untersuchung, deren Daten zeitgleich im Fachjournal JACC: Cardiovascular Interventions publiziert wurden, analysiert die Wirksamkeit und Sicherheit des weiterentwickelten Okkluders bei Patientengruppen mit erhöhtem Blutungs- und Schlaganfallrisiko.

Ergebnisse der VERITAS-Studie zur VerschlussqualitÀt

Im Rahmen der VERITAS-Studie untersuchten Mediziner insgesamt 458 Patienten an 34 Zentren in den USA, Kanada und Europa. Die Rekrutierung erfolgte zwischen November 2024 und August 2025. Das Kollektiv umfasste 58 Run-in-FÀlle sowie 400 Patienten in der primÀren Analyse.

Die Teilnehmer wiesen ein Durchschnittsalter von 74,0 Jahren (74 ± 7,3) auf, bei einem Frauenanteil von 38,4 Prozent. Die Risikoprofile waren mit einem mittleren CHA2DS2-VASc-Score von 4,1 sowie einem HAS-BLED-Score von 3,2 definiert. Die Studie nutzte ein einarmiges Design ohne Kontrollgruppe.

Hinsichtlich des Verschlusses dokumentierten die StudienĂ€rzte bei 96,3 Prozent der mittels transösophagealer Echokardiographie (TEE) untersuchten Patienten einen vollstĂ€ndigen Vorhofohr-Verschluss ohne messbares Leck (0 mm Leck; 95 %-KI 93,2–98,2 Prozent). Bei einer kombinierten Beurteilung mittels TEE oder Computertomographie (CT) lag diese Verschlussrate bei 91,1 Prozent.

Das Implantat Amulet 360 zeichnet sich durch einen flexibleren Implantatkörper sowie eine Ă€ußere Scheibe als zweite Dichtungsschicht aus. Das System erhielt im August 2026 die CE-Kennzeichnung, wĂ€hrend es in den USA bisher nur fĂŒr PrĂŒfzwecke zugelassen ist.

Sicherheitsdaten und klinische VerlÀufe nach einem Jahr

Die Sicherheitsdaten nach zwölf Monaten zeigten eine Gesamtsterblichkeit von 3,9 Prozent sowie eine kardiovaskulĂ€re Sterblichkeit von 1,9 Prozent. Nach Angaben der Studienleiter war keiner der 16 aufgetretenen TodesfĂ€lle auf das Implantat oder den Eingriff selbst zurĂŒckzufĂŒhren. Die Rate an ischĂ€mischen SchlaganfĂ€llen oder systemischen Embolien belief sich auf 1,8 Prozent.

Schwere Blutungen traten bei 6,6 Prozent der Patienten auf, wĂ€hrend interventionsbedĂŒrftige PerikardergĂŒsse bei 0,9 Prozent verzeichnet wurden. Es kam zu keiner GerĂ€teembolisation (0 Prozent).

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Die Ein-Jahres-Daten zum Vorhofohr-Verschluss liegen vor: 96,3 Prozent vollstĂ€ndiger Verschluss ohne messbares Leck in der TEE-Auswertung, 1,8 Prozent ischĂ€mische SchlaganfĂ€lle oder systemische Embolien, 6,6 Prozent schwere Blutungen. Wer diese Zahlen fĂŒr die eigene Patientenselektion und AufklĂ€rung braucht, findet hier die Einordnung. Kostenlosen Praxisreport jetzt anfordern

Über das gesamte erste Jahr hinweg lag der Anteil der Patienten ohne ischĂ€mischen Schlaganfall oder systemische Embolie bei ĂŒber 98 Prozent, ohne interventionsbedĂŒrftigen Perikarderguss bei ĂŒber 99 Prozent, ohne kardiovaskulĂ€re MortalitĂ€t bei ĂŒber 98 Prozent sowie ohne schwere Blutung bei 93,4 Prozent. Ein gerĂ€tebedingter Thrombus bildete sich bei 3,3 Prozent der Behandelten, klinisch relevant war dieser Befund bei 0,4 Prozent.

An den FinanzmĂ€rkten reagierte das Papier des Herstellers: Die Abbott-Aktie verzeichnete nach Veröffentlichung der Ergebnisse ein Plus von 2,26 Prozent auf 108,59 US-Dollar; laut einem Bericht vom 2. November 2026 notierte das Papier am Montag ĂŒberdies zeitweise mit einem Zuwachs von 2,55 Prozent bei 108,91 US-Dollar.

Erkenntnisse zur antithrombotischen Begleittherapie

Im Umfeld der interventionellen Vorhofohr-VerschlĂŒsse spielen auch die postoperativen Therapieregime eine zentrale Rolle. Ebenfalls auf der TCT 2026 prĂ€sentierte Boston Scientific Ergebnisse der SIMPLAAFY-Studie zum System WATCHMAN FLX Pro, die in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht wurden.

An 86 bis 87 US-Zentren wurden 1.857 Patienten (Durchschnittsalter 76 Jahre, 43 Prozent Frauen, CHA2DS2-VASc 4,2) im VerhÀltnis 1:1:1 auf drei Nachbehandlungspfade randomisiert: sechs Monate duale PlÀttchenhemmung (DAPT, 624 Patienten), drei Monate reduzierte Dosis eines Nicht-Vitamin-K-abhÀngigen oralen Antikoagulans (NOAC, 620 Patienten) oder zwölf Monate Aspirin-Monotherapie (613 Patienten).

Den kombinierten primĂ€ren Endpunkt aus Tod, Schlaganfall, systemischer Embolie und schwerer Blutung erreichten nach sechs Monaten 6,9 Prozent unter DAPT (41 Patienten), 5,1 Prozent unter reduzierter NOAC-Dosis (31 Patienten; relatives Risiko 0,75; Risikodifferenz –1,7 Prozentpunkte) und 3,3 Prozent unter Aspirin (20 Patienten; relatives Risiko 0,49; Risikodifferenz –3,5 Prozentpunkte), womit die statistische Nichtunterlegenheit (p < 0,001) belegt wurde.

Schwere Blutungen lagen bei 4,5 Prozent unter DAPT, 2,7 Prozent unter NOAC und 1,7 Prozent unter Aspirin. Klinisch relevante nicht-schwere Blutungen betrugen entsprechend 8,7 Prozent, 4,8 Prozent und 3,8 Prozent.

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Nach dem Verschluss beginnt die eigentliche Entscheidung: In der randomisierten Nachbehandlungs-Studie war Aspirin-Monotherapie dem sechsmonatigen DAPT beim kombinierten Endpunkt nicht unterlegen — bei 1,7 Prozent schweren Blutungen gegenĂŒber 4,5 Prozent. Der Report ordnet die Pfade ein und liefert die Nachsorge-Checkliste. Nachsorge-Checkliste jetzt sichern

Die Rate ischĂ€mischer SchlaganfĂ€lle lag in allen drei Armen einheitlich bei 0,7 Prozent. Ein gerĂ€tebedingter Thrombus wurde bei 3,4 Prozent (DAPT), 0,9 Prozent (NOAC) und 2,7 Prozent (Aspirin) festgestellt; bei Tag 45 war das Thrombusrisiko unter reduzierter NOAC-Dosis gegenĂŒber DAPT signifikant geringer (0,9 Prozent gegenĂŒber 3,4 Prozent; P = 0,01).

Patienten ab einem Alter von 75 Jahren profitierten in dieser Analyse ĂŒberproportional von der Monotherapie. Das System WATCHMAN FLX Pro mit HEMOCOAT-Technologie erhielt 2023 die US-Zulassung und wurde weltweit bei ĂŒber 800.000 Patienten eingesetzt; die Monotherapie-Regime nach Implantation gelten in diesem Kontext weiterhin als investigativ. Parallel dazu rekrutiert Boston Scientific seit 2026 Teilnehmer fĂŒr die Studie WATCHMAN Elite (Elite-AF).

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