Vorsorge, Allianz

Vorsorge in Österreich: Allianz schlägt fünf neue Bereiche und acht Updates vor

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Safe Hearts Allianz empfiehlt gezieltere Risikoprüfungen und neue Vorsorgebausteine. Acht bestehende Module sollen an aktuelle Standards angepasst werden.

Österreich: Fachgesellschaften schlagen neue Regeln für Vorsorge vor
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit einer leeren Behandlungsliege in einer modernen österreichischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Vorsorge in Österreich steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Ein in Wien vorgestellter Vorschlag der Safe Hearts Allianz – getragen von ÖGIM, ÖDG, ÖKG und ÖGN – zielt darauf ab, die bestehende Praxis zu modernisieren.

Ein Kernaspekt der Initiative betrifft den Verzicht auf unnötige Untersuchungen: Bei drei Fragestellungen rät die Allianz ausdrücklich von einem allgemeinen Screening asymptomatischer Menschen ab. Stattdessen sieht das Konzept vor, fünf Bereiche völlig neu aufzunehmen und acht bestehende Module an aktuelle medizinische Standards anzupassen.

Gezielte Risikodiagnostik statt anlassloser Untersuchungen

Die Abkehr von flächendeckenden Screenings bei symptomfreien Personen ohne spezifisches Risikoprofil soll Ressourcen bündeln und Überdiagnostik vermeiden. Nach den Empfehlungen der Fachgesellschaften soll diagnostische Tiefe primär dort entstehen, wo konkrete Risikofaktoren vorliegen.

Neu vorgeschlagen wird die gezielte Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen bei Risikopersonen. Hierbei empfiehlt die Allianz künftig zwei Nierenparameter: die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) sowie den Albumin-Kreatinin-Quotienten (uACR).

Für Personen ab 40 Jahren mit entsprechenden Risikofaktoren sei die Erhebung von Serumkreatinin und Albumin-Kreatinin-Quotient vorgesehen. Auch im kardiologischen Bereich setzt das Konzept auf gestufte Verfahren: Ab dem 65. Lebensjahr soll zunächst der Puls getastet werden; nur bei festgestellten Unregelmäßigkeiten wird ein Elektrokardiogramm (EKG) herangezogen.

Kardio-renale und metabolische Krankheitslast im Fokus

Hintergrund der Initiative ist die hohe Verbreitung eng miteinander verknüpfter Volkskrankheiten. Die letzte grundlegende Überarbeitung der österreichischen Vorsorgeuntersuchung datiert aus dem Jahr 2005. Jährlich nehmen rund 1,4 Millionen Menschen an dem Programm teil, was knapp 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung entspricht.

Laut Angaben der Safe Hearts Allianz sind kardio-renale-metabolische Erkrankungen für rund ein Drittel aller Todesfälle in Österreich verantwortlich. Nierenerkrankungen entstehen demnach zu über 90 Prozent als Folge von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselleiden.

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Jährlich sterben in Österreich mehr als 30.000 Menschen an einer Herz-Kreislauferkrankung – statistisch gesehen eine Person alle 15 Minuten. Eine von zehn Personen weist eine chronische Nierenerkrankung auf.

Zudem leben in Österreich rund 700.000 Menschen mit Diabetes, überwiegend vom Typ 2. Eine Analyse von Daten von sechs Millionen Vorsorge-Teilnehmern ergab einen Anteil von knapp 3 Prozent mit undiagnostiziertem Diabetes und 20 Prozent mit Prädiabetes.

Bei Letzteren beträgt der jährliche Übergang in einen manifesten Diabetes rund 10 Prozent. Rund 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker leiden zugleich an einer Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck.

Anpassung bestehender Module von Stoffwechsel bis Körpermaße

Neben den Neuerungen sieht der Vorschlag Adaptierungen in fünf zentralen Feldern vor: Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, kardiovaskuläres Gesamtrisiko sowie Übergewicht und Adipositas.

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Im Bereich der Labordiagnostik schlägt die Allianz künftig ein vollständiges Lipidprofil inklusive LDL-Cholesterin vor, das ohne Zusatzkosten berechenbar sein soll; bislang wurden lediglich das Gesamt- und das HDL-Cholesterin erhoben. Zudem wird eine einmalige Bestimmung von Lipoprotein(a) angeregt.

Beim Diabetes-Screening soll bei Risikopersonen künftig der Nüchternblutzucker gemeinsam mit dem HbA1c-Wert ermittelt werden. Liegt ein erhöhtes Risiko vor, erfolgt die HbA1c-Messung zusätzlich zum Nüchternblutzucker, begleitet von engmaschigeren Kontrollen bei festgestelltem Prädiabetes.

Bei der Beurteilung von Übergewicht empfiehlt das Fachgremium, den Body-Mass-Index künftig um die sogenannte Waist-to-height-ratio zu ergänzen, um das viszerale Fettgewebe präziser zu erfassen.

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