VR-Entspannung in der Notaufnahme: 4 bis 5 mmHg stärkerer Rückgang
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Akutmedizin wird zunehmend untersucht, wie digitale und auditive Entspannungsverfahren herkömmliche Behandlungsansätze ergänzen können. Eine klinische Untersuchung aus einer Notaufnahme in Ankara, über die im Umfeld der European Society for Emergency Medicine berichtet wurde, liefert neue Erkenntnisse über den unterstützenden Einsatz von immersiven Naturlandschaften und klassischer Musik.
Die randomisierte kontrollierte Studie untersuchte, inwieweit eine Kombination aus Virtual Reality (VR) und akustischer Beruhigung den Blutdruck und das Angstniveau von Patienten mit hypertensiver Dringlichkeit senken kann.
Zusätzliche digitale Intervention in der Notaufnahme
An der Untersuchung in der Notaufnahme in Ankara nahmen 130 erwachsene Patienten teil, die aufgrund einer hypertensiven Dringlichkeit vorstellig wurden. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen von jeweils 65 Personen aufgeteilt. Während alle Probanden die klinische Standardmedikation mit Antihypertensiva erhielten, wurde der Interventionsgruppe zusätzlich eine audiovisuelle Entspannungsmaßnahme verabreicht.
Über VR-Brillen betrachteten die Probanden animierte Naturlandschaften, darunter Darstellungen von Wäldern, Flüssen und einer Hängebrücke. Begleitet wurde die visuelle Simulation von klassischer Musik, unter anderem mit Werken von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Claude Debussy, Antonio Vivaldi und Pjotr Iljitsch Tschaikowski.
Messbare Effekte auf Blutdruck und Angstzustände
Die Messungen konzentrierten sich primär auf den mittleren arteriellen Druck (MAP). Vor Beginn der Intervention lag der MAP-Ausgangswert in der Kontrollgruppe bei 138 mmHg, während er in der VR-Gruppe 132 mmHg betrug.
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Bereits in den ersten Phasen der Behandlung zeigten sich Unterschiede zwischen den Gruppen. Nach 15 Minuten sank der Wert in der Kontrollgruppe auf 126 mmHg, was einem Rückgang von 8 Prozent entsprach. In der VR-Gruppe ging der MAP im gleichen Zeitraum um 12 Prozent auf 116 mmHg zurück.
Nach 30 Minuten verzeichnete die Kontrollgruppe einen Rückgang um 14 Prozent auf 119 mmHg, während die VR-Gruppe einen Wert von 112 mmHg erreichte, was einem Minus von 15 Prozent entsprach. Die Gruppe mit virtueller Intervention zeigte damit einen um rund 4 bis 5 mmHg stärkeren Rückgang, was als statistisch signifikant gewertet wurde.
Neben den hämodynamischen Werten erfassten die Forscher auch die Trait-Angst mittels der Skala STAI-II. Zu Beginn wies die VR-Gruppe mit rund 46 Punkten einen höheren Ausgangswert auf als die Kontrollgruppe mit etwa 38 Punkten.
Während der Intervention sank der Angstscore in der VR-Gruppe um 8 Punkte, im Vergleich zu einem Rückgang von 4 Punkten in der Kontrollgruppe. Nach Ablauf von zwei Stunden wiesen beide Gruppen schließlich ähnliche Angstwerte auf.
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Zeitliche Begrenzung und methodische Limitationen
Trotz der deutlichen kurzfristigen Effekte verdeutlichen die Erhebungen auch klare zeitliche Grenzen der Maßnahme. Bereits ab einer Behandlungsdauer von 60 Minuten ließen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede im Blutdruckverlauf zwischen den beiden Gruppen mehr feststellen.
Zudem verweisen die Studienautoren auf methodische Einschränkungen der Untersuchung. Das Design war als Single-Center-Studie an einem einzelnen Zentrum angelegt und umfasste einen Beobachtungszeitraum von lediglich zwei Stunden.
Da die Naturdarstellungen und die klassische Musik parallel eingesetzt wurden, lässt sich der jeweilige Einzelbeitrag von visueller und akustischer Stimulation nicht isoliert bestimmen.
Darüber hinaus war das Studienpersonal aufgrund der Beschaffenheit der VR-Brillen nicht verblindet. Die Ergebnisse geben dennoch Hinweise darauf, wie beruhigende sensorische Reize in stressreichen Akutsituationen kurzfristig zur physiologischen Entlastung beitragen können.
