WAICO gegründet: China baut parallele KI-Ordnung mit 29 Staaten
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 21:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chinas Staatschef Xi Jinping hat auf der Welt-KI-Konferenz 2026 in Shanghai eine neue internationale Organisation für Künstliche Intelligenz aus der Taufe gehoben. Der Schritt ist ein klares Signal: Peking baut an einer parallelen Technologieordnung.
Die neu gegründete World Artificial Intelligence Cooperation Organization (WAICO) zählt 29 Gründungsmitglieder – darunter Russland, Brasilien, Indonesien, Südafrika, Pakistan und Kasachstan. Westliche Staaten sind nicht vertreten. Mit Sitz in Shanghai soll die Organisation die Zusammenarbeit in der KI-Entwicklung und -Regulierung außerhalb des Einflussbereichs der USA und ihrer Verbündeten vorantreiben.
„Sinfonie der internationalen Zusammenarbeit"
In seiner Grundsatzrede am Donnerstag beschrieb Xi die KI-Entwicklung als „Sinfonie der internationalen Zusammenarbeit" – und nicht als Solostück einer einzelnen Nation. Peking untermauerte die Ankündigung mit konkreten Zusagen: 5.000 KI-Trainingsplätze für Menschen aus Entwicklungsländern in den nächsten fünf Jahren. Zudem sind spezielle KI-Kooperationszentren mit regionalen Bündnissen wie ASEAN, der Arabischen Liga, der Afrikanischen Union und BRICS geplant.
Technologische Schwergewichte und Wirtschaftsdaten
Die Konferenz nutzte China auch zur Zurschaustellung eigener technologischer Stärke. Das Unternehmen Moonshot AI präsentierte Kimi K3 – nach eigenen Angaben das weltweit größte Open-Source-KI-Modell mit 2,8 Billionen Parametern. Xi hatte zuvor für einen offeneren Ansatz bei der KI-Entwicklung geworben und diesen als Gegenentwurf zu restriktiver Technologieweitergabe positioniert.
Die wirtschaftliche Dimension untermauert den Anspruch: Chinas KI-Kernindustrie war 2025 mehr als 1,2 Billionen Yuan (rund 155 Milliarden Euro) wert. Die sogenannte Smart Economy hat die Marke von einer Billion RMB überschritten. Besonders beeindruckend: Chinas Halbleiterexporte legten im Juni 2026 im Jahresvergleich um 122 Prozent zu.
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Geopolitische Spannungen und neue Standards
Die Gründung von WAICO fällt in eine Phase verschärfter Handelsrestriktionen zwischen den USA und China. Die chinesische Führung kritisierte auf der Konferenz die „Überdehnung des Konzepts der nationalen Sicherheit" und die zunehmenden Exportkontrollen. Xi rief zu einem globalen KI-Regelwerk auf, das sicherstellt, dass die Technologie unter menschlicher Kontrolle bleibt und gerecht über den „Globalen Süden" verteilt wird.
Konkret wird China seinen Partnern das MAZU-System zur Verfügung stellen – eine KI-gestützte Wetterfrühwarnplattform für 30 Länder. UN-Generalsekretär António Guterres war zur Eröffnung der Konferenz angereist und betonte die Notwendigkeit einer inklusiven globalen Governance, um eine wachsende digitale Kluft zu verhindern.
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Der doppelte Kurs
Doch während China internationale Zugänglichkeit propagiert, zeichnet sich eine Zwei-Klassen-Strategie ab. Berichten zufolge haben chinesische Regulierungsbehörden intern über mögliche Beschränkungen für den Zugang ausländischer Nutzer zu bestimmten fortschrittlichen heimischen KI-Modellen diskutiert. Das Kalkül dahinter: globale Verbreitung chinesischer Standards fördern, aber die Kontrolle über hochwertiges geistiges Eigentum behalten.
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