Waldtherapie bei Jugendlichen: Pilotstudie zeigt weniger Angstsymptome
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Nutzung von Naturräumen zur Förderung der psychischen Gesundheit rückt zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine am 14. September 2026 in der Fachzeitschrift Behavioral Sciences veröffentlichte Pilotstudie des Cnr-Ibe und des Liceo Fermi in Cecina untersuchte das Potenzial der Waldtherapie zur Linderung von Angstsymptomen bei Jugendlichen. Die Ergebnisse liefern konkrete Anhaltspunkte für die Wirksamkeit strukturierter Naturerfahrungen, verweisen zugleich jedoch auf methodische Grenzen.
Geringere Angstsymptome bei Schülern im Studienverlauf
An der Untersuchung des Cnr-Ibe und des Liceo Fermi nahmen 54 Schüler im Alter von 17 bis 18 Jahren teil. Die Kohorte teilte sich in eine Kontrollgruppe mit 28 Personen und eine Waldtherapiegruppe mit 26 Jugendlichen auf, von denen 24 an mindestens drei Treffen teilnahmen.
Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg erfassten die Forscher die Entwicklung anhand von vier Messungen, die sich bis zu elf Wochen nach dem Ende der Intervention erstreckten.
Im Mittel wies die Waldtherapiegruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe über diese Messpunkte hinweg weniger Angstsymptome auf. Da das Design jedoch auf dem Vergleich von lediglich zwei Schulklassen beruhte, lässt sich der beobachtete Effekt nach Angaben der Studienautoren nicht zweifelsfrei der Waldtherapie allein zuschreiben. Zur weiteren Absicherung der Resultate seien künftig größere, randomisierte Studien erforderlich.
Neurowissenschaftliche Belege und zeitliche Schwellenwerte
Die italienische Pilotstudie reiht sich in ein breiteres Feld von Arbeiten zur Wirkung von Naturräumen auf das menschliche Wohlbefinden ein. Bereits eine im Jahr 2024 veröffentlichte Untersuchungsreihe des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung belegte, dass Naturaufenthalte und Naturgeräusche die neuronale Aktivität der Amygdala dämpfen, die im Gehirn maßgeblich an der Stress- und Angstreaktion beteiligt ist.
Hinsichtlich der zeitlichen Dimension zeigte eine 2023 in Environment and Behavior erschienene Studie der National Taiwan University, dass sich ein deutlicher Anstieg des Wohlbefindens ab einem Aufenthalt von 45 Minuten im Grünen einstellt.
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Die Zugänglichkeit solcher Areale variiert regional stark: Laut dem Waldbericht 2025 des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und der WSL erreichen rund 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung den nächsten Wald in höchstens 15 Gehminuten.
Hohe Alltagsbelastung und wachsende Präventionsangebote
Der therapeutische Blick auf Natur und Erholung erfolgt vor dem Hintergrund einer verbreiteten Belastung. Laut einem Stressreport vom Juli 2026 fühlen sich zwei Drittel der Deutschen im Alltag oder im Beruf gestresst. Auch urbane Faktoren spielen hierbei eine Rolle.
Der im September 2026 erstellte Stressindex von CanDoc untersuchte 30 deutsche Städte anhand von zehn Kriterien: Während Augsburg die Liste anführte, belegte Düsseldorf den letzten Platz. In Augsburg sind 41,3 Prozent der Stadtfläche Grünflächen, und 72 Prozent der Bürger erreichen eine solche innerhalb von 300 Metern.
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Die Stadt verfügt zudem über 14 Stress- und Entspannungskurse sowie 66 Hausärzte je 100.000 Einwohner, während rund 15 Prozent der Augsburger nachts einem Lärmpegel von mindestens 55 Dezibel ausgesetzt sind.
Die gesetzlichen Krankenkassen reagieren auf diesen Bedarf. Wie sie zum Beginn der Woche der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2026 mitteilten, stehen bundesweit nahezu 50.000 Präsenzkurse und etwa 2.500 Onlineangebote zum Stress- und Ressourcenmanagement bereit.
Insgesamt beläuft sich das Angebot auf mehr als 120.000 zertifizierte Präventionskurse zu Stressmanagement, Bewegung, Ernährung und Suchtmittelkonsum, deren Kosten die Kassen anteilig übernehmen. Für 2026 benennt zudem das Global Wellness Institute Entwicklungen wie „Deep Rest“, Wärmerituale, Rückzug und Reisen in kühlere Regionen als zentrale Wellness-Themen.
Ergänzend entstehen lokale Initiativen: In Wackersberg plant eine Landwirtin ein Projekt für soziale Landwirtschaft, bei dem Gäste an zwei Vormittagen pro Woche Tiere versorgen oder beobachten können, wobei das Angebot ausdrücklich keinen Therapieersatz darstellt und der Start nach Partnersuche und Sanitärumbauten noch aussteht.

