Walschutzgebiet im Südatlantik scheitert erneut an Blockade
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Internationale Walfangkommission (IWC) hat die Einrichtung eines Walschutzgebiets im Südatlantik bei ihrer Konferenz im australischen Hobart erneut abgelehnt.
Vorschlag scheitert an vier Stimmen
Der von Argentinien, Brasilien und Uruguay bereits Ende der 1990er Jahre eingebrachte Antrag verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit um vier Stimmen, wie Teilnehmer berichteten. Das Gebiet wäre weltweit das dritte Walschutzgebiet nach Schutzregionen in der Antarktis und im Indischen Ozean gewesen.
Deutschland stimmte für den Antrag. Weitere wichtige Unterstützer wie Finnland und Luxemburg waren nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace nicht auf der Insel Tasmanien vertreten. Gegner des Vorhabens hielten dagegen an ihrer Blockade fest.
Kritik an Gegnern des Schutzgebiets
Das geplante Schutzgebiet wäre mehr als doppelt so groß wie die USA gewesen. Greenpeace-Meeresbiologin Franziska Saalmann erklärte, es hätte den Meeresschutz vorangebracht und weitere Schutzmaßnahmen unterstützt.
Nach Einschätzung von Umweltschutzorganisationen wird der Schutz der Wale unter anderem von Norwegen, der Elfenbeinküste und mehreren Karibikstaaten gebremst. Japan ist 2019 aus der IWC ausgetreten. Organisationen werfen dem Land vor, inzwischen eine Allianz aus afrikanischen und karibischen Staaten aufgebaut zu haben, die Tokios Interessen in der Kommission vertrete.
Kommission reguliert Nutzung der Wale
Rund 300 Delegierte aus mehr als 60 Mitgliedstaaten berieten seit Montag über den Schutz und die Nutzung von Walen. Der IWC gehören insgesamt 89 Staaten an; sie wurde 1946 gegründet, um den damals stark industrialisierten Walfang zu regulieren und die Walbestände zu erhalten.
Das weltweite Moratorium für den kommerziellen Walfang trat 1985/86 in Kraft. Norwegen, Island und Japan halten dennoch an der kommerziellen Jagd fest. Norwegen betonte erneut, Wale müssten grundsätzlich nutzbar sein. Island kündigte zuletzt an, im kommenden Frühjahr einen Gesetzentwurf für ein dauerhaftes Ende des kommerziellen Walfangs in isländischen Gewässern vorzulegen.
Schweiz zieht Delfin-Resolution zurück
Die Schweiz zog am Mittwoch eine eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen zurück. Das geschah, bevor die bereits angesetzte Arbeitsgruppe über Änderungen am Text verhandeln konnte.
Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife kritisierte den Schritt scharf. Die Resolution hätte nach ihrer Einschätzung die erforderliche Mehrheit problemlos erreicht; die Gründe für den Rückzug blieben unklar.
Greenpeace und Pro Wildlife verwiesen darauf, dass jährlich mehr als 100.000 Delfine und Kleinwale durch gezielte Jagd getötet würden. Das Moratorium für den kommerziellen Walfang gilt nur für Großwale.
Schutzgebiet mit großer ökologischer Reichweite
Das geplante Schutzgebiet hätte einen mehr als doppelt so großen Meeresraum wie die USA umfasst. Für Wale wäre damit ein zusätzlicher Bereich geschaffen worden, in dem Schutzmaßnahmen, wissenschaftliche Beobachtung und ein abgestimmter Umgang mit menschlichen Aktivitäten hätten gebündelt werden können. Der Südatlantik ist zudem ein wichtiges Wander- und Nahrungsgebiet verschiedener Walarten.
Moratorium schützt nicht alle Wale
Das Scheitern fällt in ein Jubiläumsjahr des internationalen Walfang-Moratoriums. Die Regel gilt für den kommerziellen Fang großer Walarten, beendet aber nicht jede gezielte Jagd auf Wale und Delfine. Kleinwale bleiben deshalb in vielen Regionen besonderen Gefahren ausgesetzt.
Mehrheit reicht im Konsenssystem nicht
Die Abstimmung zeigt die strukturelle Schwäche der IWC: Auch wenn viele Anrainerstaaten einen besseren Schutz befürworten, kann eine organisierte Minderheit Beschlüsse verhindern, wenn die erforderliche Dreiviertelmehrheit verfehlt wird. Für Deutschland und andere Befürworter bedeutet das, dass Schutzvorhaben weiterhin vor allem über Bündnisse, wissenschaftliche Argumente und langfristige Verhandlungen vorangebracht werden müssen. Für die Öffentlichkeit bleibt relevant, dass internationale Meeresschutzregeln nicht automatisch mit dem wissenschaftlich empfohlenen Schutzbedarf Schritt halten.
