Waymo in Denver: Angreifer bewirft fahrerloses Robotaxi mit Eiern
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der zunehmende Einsatz autonomer Fahrzeuge im städtischen Raum sorgt für neue Reibungspunkte zwischen Mensch und Technik. Am 24. September 2026 ereignete sich in Denver ein gezielter Angriff auf ein fahrerloses Robotaxi des Unternehmens Waymo.
Ein Autofahrer bewarf das Fahrzeug, in dem sich der Passagier Jeff Hunley befand, zunächst mit einem Ei, verfolgte den Wagen anschließend und blockierte ihn an der Kreuzung 11th Avenue und Broadway. Dort stieg der Angreifer mit einem vollen Eierkarton aus und warf weitere Eier auf das Fahrzeug.
Hunley befand sich auf dem Weg von der Ecke 11th Avenue und Acoma Street in Richtung Union Station. Passanten filmten den Vorfall auf der verbleibenden Fahrtstrecke. Verletzt wurde niemand, und der Passagier erstattete keine Anzeige. Waymo erstattete die Fahrtkosten und schrieb dem Kunden ein Guthaben gut.
Rechtliche Grauzonen und Störungen im Stadtverkehr
Der Vorfall rückt den rechtlichen Rahmen für den Betrieb autonomer Fahrdienste in den Fokus. Nach Angaben der Polizei in Denver existiert nach geltendem Landesrecht derzeit kein Mechanismus, um einem autonomen Fahrzeug ohne menschlichen Fahrer einen Strafzettel auszustellen.
Der Colorado Model Traffic Code § 603 stuft Verkehrsverstöße eigentlich als Verstöße der Klasse A ein. Bei Unfällen greifen laut den Behörden die regulären Ermittlungs- und Meldeverfahren, wobei die Polizei Waymo rund um die Uhr kontaktieren kann. Das Unternehmen hatte seinen kommerziellen Dienst in Denver am 1. September 2026 aufgenommen.
Neben dem Eierwurf kam es in Denver zu weiteren betrieblichen Zwischenfällen. So fuhr ein Fahrzeug durch einen Bauernmarkt auf der Pearl Street, während ein weiteres Absperrungen an einer Baustelle auf der Perry Street umfuhr. In beiden Fällen gab es keine Verletzten, und Ingenieure setzten die Fahrzeuge per Fernzugriff zurück.
Ähnliche Navigationsprobleme traten in anderen Metropolen auf. In Tampa, wo der Dienst ebenfalls am 1. September 2026 startete, geriet ein Waymo-Fahrzeug mit Studierenden der University of Tampa nach einem Football-Spiel in den Gegenverkehr.
Der Eierwurf auf ein fahrerloses Fahrzeug in Denver und die Feststellung der Polizei, dass es nach geltendem Landesrecht keinen Mechanismus für einen Strafzettel an ein Auto ohne Fahrer gibt, zeigen: Die Regeln hinken dem Betrieb hinterher. Wer als Kommune oder Verkehrsplaner heute Flotten zulässt, braucht klare Zuständigkeiten, dokumentierte Meldewege und belastbare Sicherheits-Audits — bevor der nächste Vorfall die Debatte bestimmt. Kostenlosen Praxisleitfaden autonome Mobilität anfordern
Nach einer geänderten Verkehrsführung fuhr der Wagen durch Verkehrskegel; die Insassen verließen das Fahrzeug über die bordeigene Anhaltefunktion. Waymo gab an, der Wagen sei kurzzeitig in eine temporäre Einbahnstraße geraten, und leitete eine Untersuchung ein.
Zudem musste der Dienst in sechs US-Städten infolge schwerer Stürme und Überschwemmungen vorübergehend aus Sicherheitsgründen pausieren. In San Francisco konnte eine Passagierin ihr Fahrzeug zeitweise nicht verlassen, weil der Türgriff nicht reagierte, woraufhin der Kundendienst die Entriegelung aus der Ferne vornahm.
Unfallzahlen und behördliche Untersuchungen
Trotz vereinzelter Vorfälle verzeichnet der Anbieter statistische Fortschritte bei der Fahrsicherheit. Im Los Angeles County stieg die Gesamtzahl der registrierten Unfälle zwar von 69 im Jahr 2024 auf 219 im Jahr 2025 und lag bis zum 5. Oktober 2026 bei 186. Gleichzeitig sank die Unfallrate je Million Meilen deutlich: von rund 57 im Jahr 2023 über 13,7 im Jahr 2024 und 6,7 im Jahr 2025 auf unter 6 im laufenden Jahr 2026. Landesweit wurden mehr als 590 Vorfälle registriert, nach 304 im Jahr 2024.
Von den 186 Zwischenfällen im Los Angeles County im Jahr 2026 ereigneten sich 82 bei stehendem Fahrzeug und 65 bei Geradeausfahrt. Mehr als 80 Prozent verliefen ohne erkennbare Verletzungen, während schwere Verletzungen bei weniger als einem Prozent vermutet wurden.
In einem Sicherheitsbericht vom 24. September 2026 verwies Waymo auf über 270 Millionen zurückgelegte autonome Meilen in fünf Metropolregionen und 95 Prozent weniger schwere Unfälle im Vergleich zu menschlichen Fahrern.
Vorfälle wie die Fahrt durch einen Bauernmarkt, das Umfahren von Absperrungen oder das kurzzeitige Geraten in den Gegenverkehr zeigen, wie schnell aus einer Betriebsstörung ein Sicherheitsthema im Stadtraum wird. Dieser Leitfaden bündelt eine Checkliste zu rechtlichen Rahmenbedingungen und ein Audit-Raster für Robotaxi-Flotten — damit Sie bei Rückrufen, Fernzugriffen und behördlichen Anfragen handlungsfähig bleiben. Checkliste und Audit-Raster jetzt sichern
Gleichzeitig bleibt die Flotte, die kommerziell in elf US-Städten betrieben wird, Gegenstand behördlicher Überwachung. Die Bundesbehörde NHTSA prüfte 22 Berichte über unerwartetes Verhalten, darunter 17 Kollisionen. Das Unternehmen reagierte wiederholt mit Software- und Kartenaktualisierungen per Fernzugriff: Nach der Kollision mit einem Holzstrommast in Phoenix wurden 672 Fahrzeuge zurückgerufen.
Weitere Maßnahmen betrafen unter anderem 1.212 Fahrzeuge wegen schmaler Straßenobjekte, 444 Fahrzeuge wegen falsch erfasster Anhänger sowie rund 3.900 Fahrzeuge wegen Baustellenzufahrten. Ein früherer Rückruf von über 4.000 Fahrzeugen untersagte den Systemen vorübergehend Autobahnfahrten, bis Softwareprobleme behoben waren.
