Wechseljahre, Laborwerten

Wechseljahre: 52 von 90 Laborwerten verÀndern sich um die letzte Periode

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Gesundheitsministerium will Wechseljahre stÀrker in Ausbildung und Versorgung verankern; Studien beleuchten LaborverÀnderungen und mögliche AnsÀtze zur Symptomlinderung.

Wechseljahre: Neue Maßnahmen und Forschung zu Frauengesundheit
Ein heller, minimalistischer medizinischer Behandlungsraum in neutralem Design mit natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) setzt neue Akzente bei der gesundheitlichen Versorgung von Frauen. Zum Abschluss eines einjĂ€hrigen Dialogprozesses stellte das Ministerium Maßnahmen vor, um die Wechseljahre verbindlich in der Ă€rztlichen Ausbildung zu verankern.

Geplant ist zudem die EinfĂŒhrung eines eigenstĂ€ndigen Fachs fĂŒr geschlechtersensible Medizin. Begleitend sollen Forschungsprojekte zur Frauengesundheit gefördert, zusĂ€tzliche Erhebungen durch das Robert Koch-Institut veranlasst und die Inhalte des Nationalen Gesundheitsportals ĂŒberarbeitet werden.

Nach Angaben der Parlamentarischen StaatssekretÀrin Dr. Christiane Schenderlein sind in Deutschland schÀtzungsweise neun Millionen Frauen von den Wechseljahren betroffen. Die Vorhaben greifen Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag auf, wÀhrend die umfassende Reform der Àrztlichen Approbationsordnung bereits seit Jahren auf Eis liegt.

Forderungen nach strukturellen Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz

Parallel zu den PlĂ€nen des Ministeriums legte das Gremium „Wechseljahre und Diskriminierung“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eigene Handlungsempfehlungen vor. Nach deren Datenbasis befinden sich etwa elf Millionen Frauen in den Wechseljahren, von denen jede dritte ĂŒber erhebliche berufliche Belastungen berichtet.

Die Antidiskriminierungsstelle spricht sich fĂŒr eine Nationale Wechseljahres-Strategie, eine stĂ€rkere Einbindung des Themen in das Medizinstudium und die gynĂ€kologische Facharztausbildung sowie eine gesonderte Ă€rztliche Abrechnungsziffer fĂŒr Wechseljahresberatung aus.

Zudem fordert die Stelle wechseljahresfreundliche ArbeitsplĂ€tze – unter anderem durch flexible Arbeitszeitmodelle, Regulierung der Raumtemperaturen, verlĂ€sslichen Toilettenzugang und betriebsĂ€rztliche Angebote – sowie eine bundesweite Informationskampagne, interdisziplinĂ€re Forschung und gesetzliche Klarstellungen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.

Ferda Ataman von der Antidiskriminierungsstelle betonte, dass Wechseljahre keine Diskriminierungsjahre sein dĂŒrften. Benachteiligungen im Kontext der Wechseljahre mĂŒssten einen vergleichbaren Schutzstatus erhalten wie Regelungen zu Schwangerschaft und Mutterschutz.

Den jÀhrlichen volkswirtschaftlichen Schaden bezifferte Ataman auf rund 9,4 Milliarden Euro. Nach Angaben von Miriam Stein stehen 80 Prozent der Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren im Erwerbsleben.

Labordaten zeigen biochemische VerÀnderungen vor der Menopause

ErgĂ€nzt wird die gesundheitspolitische Debatte durch wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung der Autoren Glen Pridham und Uri Alon vom Weizmann-Institut in Rehovot analysierte ĂŒber 300 Millionen Laborergebnisse von 1,3 Millionen Frauen aus DatensĂ€tzen der US-amerikanischen NHANES (1999–2022) und der israelischen Clalit-Krankenkasse (2004–2024). Die Auswertung dokumentiert eine deutliche physiologische ZĂ€sur zum Zeitpunkt der letzten Menstruation.

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Insgesamt 52 von 90 Laborwerten verÀnderten sich um die letzte Periode sprunghaft mit Abweichungen zwischen 0,1 und 1,4 Standardabweichungen. Betroffen waren neben Sexualhormonen auch Marker der Knochengesundheit, der Leber- und Nierenfunktion, der Blutchemie sowie Blutfettwerte.

Die hormonelle Umstellung setzt der Analyse zufolge bereits 12 bis 15 Jahre vor der letzten Regelblutung ein; das Anti-MĂŒller-Hormon und Östradiol sanken rund 15 beziehungsweise 12 Jahre im Voraus, wĂ€hrend das follikelstimulierende Hormon (FSH) etwa 14 Jahre vorher anstieg.

Die letzte Blutung tritt ĂŒblicherweise zwischen 45 und 53 Jahren auf, im Mittel mit 50 Jahren bei einem durchschnittlichen Menopausenalter von 51 Jahren. Mit diesem Zeitpunkt sinkt die Knochendichte rascher, wĂ€hrend LDL- und Gesamtcholesterin steigen; zugleich nimmt die Inzidenz von Herzinfarkten, SchlaganfĂ€llen und Osteoporose zu.

Bei MĂ€nnern um das 50. Lebensjahr ließen sich derartige sprunghafte VerĂ€nderungen nicht feststellen. Bei Anwenderinnen einer Hormontherapie, die neun Prozent des Gesamtdatensatzes ausmachten, fielen die AusschlĂ€ge bei Knochen-, Leber- und Nierenwerten geringer aus, wobei es sich um rein assoziative Daten ohne KausalitĂ€tsnachweis handelt.

Fachleute ordnen diese Ergebnisse differenziert ein. Peyman Hadji vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum erlÀuterte, dass etwa zwei Drittel der Frauen unter akuten Beschwerden und chronischen Erkrankungen wie Osteoporose leiden.

Zwar könne eine Hormonersatztherapie zu gleichmĂ€ĂŸigeren VerlĂ€ufen bei bestimmten Laborwerten beitragen, die Annahme einer plötzlichen Klippe sei jedoch eine Überspitzung, da der Östradiolspiegel nicht abrupt abfalle. Petra Stute vom Inselspital Bern hob hervor, dass die Rede von einer physiologischen Klippe zugespitzt sei und keinen plötzlichen Krankheitsbeginn bedeute.

Neue Behandlungsempfehlungen ließen sich daraus nicht ableiten, da Leitlinien den Beginn einer Hormontherapie weiterhin erst nach der Menopause vorsehen. Ludwig Kiesel vom Uniklinikum MĂŒnster verwies auf prĂ€paratespezifische Risiken der Hormonersatztherapie wie Venenthrombosen, SchlaganfĂ€lle und Krebs. Katja Brenk-Franz vom Uniklinikum Jena forderte vor diesem Hintergrund weitere Studien.

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Erkenntnisse zu Bewegung, Lebensstil und PrÀparaten

Hinsichtlich der Symptomlinderung liefert eine im Fachmagazin Menopause erschienene Übersichtsarbeit des UCL Menopause Mind Lab unter Leitung von Professorin Aimee Spector weitere Ansatzpunkte.

Die Auswertung von zwölf klinischen Studien mit ĂŒber 1.000 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren zeigte, dass Ausdauersportarten wie Spazierengehen, Tanzen, Zumba oder Taekwondo mit verbesserter Stimmung und höherer LebensqualitĂ€t einhergingen, insbesondere wĂ€hrend der Perimenopause. Yoga und Pilates trugen zur Steigerung der psychologischen LebensqualitĂ€t bei.

Nach Angaben der Studie erleben mehr als die HĂ€lfte der Frauen in den Wechseljahren Stimmungstiefs, Ängste oder depressive Symptome; bis zu 80 Prozent weisen Beschwerden auf. Eine britische Beobachtungsstudie an ĂŒber 180 postmenopausalen Frauen deutete zudem auf statistisch geringere Raten bei Demenzerkrankungen unter Hormontherapie hin, liefert jedoch keinen Ursachenbeweis.

Untersuchungen zur QualitĂ€t frei verkĂ€uflicher Mittel fallen hingegen kritisch aus. Eine Begutachtung durch Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics von der UniversitĂ€t Frankfurt fĂŒr das Magazin Öko-Test ĂŒberprĂŒfte 23 rezeptfreie PrĂ€parate, darunter 17 NahrungsergĂ€nzungsmittel und sechs apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel.

WĂ€hrend die Wirksamkeit der sechs pflanzlichen Arzneimittel (darunter Traubensilberkerze und Rhapontikrhabarberwurzel) mit „gut“ beurteilt wurde, schnitten sĂ€mtliche 17 NahrungsergĂ€nzungsmittel mit „mangelhaft“ oder „ungenĂŒgend“ ab.

Die Gutachter wiesen darauf hin, dass Isoflavon-PrĂ€parate aus Soja oder Rotklee erst ab 30 Milligramm tĂ€glich nĂŒtzlich sind, diesbezĂŒgliche Angaben jedoch hĂ€ufig fehlten. Zudem wurden bedenkliche Hilfsstoffe wie Talkum und Titandioxid, unzulĂ€ssige Kombinationsextrakte sowie Überschreitungen von Höchstmengen bei Vitamin B6 beanstandet. Bei 15 der 17 NahrungsergĂ€nzungsmittel fehlten zudem behördlich empfohlene Warnhinweise.

Medizinische Ratgeber weisen darauf hin, dass die Perimenopause als Übergangsphase meist im vierten Lebensjahrzehnt beginnt und Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Zyklusanomalien und Stimmungsschwankungen umfassen kann.

Bei VerÀnderungen vor dem 40. Lebensjahr wird eine Àrztliche AbklÀrung empfohlen, wÀhrend bei Frauen ab 45 Jahren mit typischen Symptomen meist kein Hormonstatus erforderlich ist. Neben Lebensstilanpassungen zÀhlen sowohl nicht-hormonelle Wirkstoffe wie Fezolinetant oder Gabapentin als auch die Hormonersatztherapie zu den medizinischen Behandlungsoptionen.

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