Wechseljahre im Job: Arbeitgeber bauen Menopause-Angebote um 400 Prozent aus
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Betriebliche Zusatzleistungen verändern sich: Immer mehr Arbeitgeber investieren gezielt in vernetzte Versorgungsangebote, sogenannte Connected-Care-Leistungen, die speziell auf die Wechseljahre und die Prävention von Burnout ausgerichtet sind.
Programme zur Unterstützung während der Menopause entwickeln sich dabei zunehmend zu einem eigenständigen Mitarbeiter-Benefit. Laut einem Bericht des Anbieters Teladoc Health stieg der Anteil der Arbeitgeber, die spezifische Menopause-Leistungen anbieten, seit 2023 um über 400 Prozent.
Versorgungslücken und Einfluss auf die Arbeitsleistung
Der wachsende Fokus auf frauenspezifische Gesundheitsleistungen trifft auf einen spürbaren Bedarf. Über 80 Prozent der Frauen erleben menopausale Symptome. Wie Erhebungen von Teladoc Health zeigen, gibt fast die Hälfte der Frauen an, dass gesundheitliche Probleme ihre Arbeitsproduktivität beeinträchtigt haben.
Zudem würden 71 Prozent für bessere Gesundheitsleistungen den Arbeitsplatz wechseln. Gleichzeitig zögern acht von zehn Frauen eine medizinische Versorgung hinaus, bis sich die Beschwerden verschlimmern.
Auch Defizite im Gesundheitssystem tragen dazu bei: Laut der „Gallup-Pivotal Women's Health Survey“ gaben 34 Prozent der US-Frauen an, dass ein Leistungserbringer ihre Beschwerden in den vergangenen fünf Jahren heruntergespielt oder abgetan habe.
Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) berichtete von mindestens einer negativen Erfahrung bei der Versorgung. Zudem mussten 42 Prozent in den letzten fünf Jahren aktiv für ihre eigene Gesundheit eintreten, und 30 Prozent der Frauen mit einem gesundheitlichen Anliegen sahen sich gezwungen, darauf zu drängen, ernst genommen oder behandelt zu werden.
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Belastungen am Arbeitsplatz und Tabus im Betrieb
Dass Wechseljahresbeschwerden erhebliche Auswirkungen auf den Berufsalltag haben, belegen auch arbeitswissenschaftliche Erhebungen. In einer gemeinsamen belgischen Untersuchung der Universität Gent und des Dienstleisters Securex aus den Jahren 2021 und 2022 unter 2.408 Arbeitnehmerinnen litten 87,6 Prozent der Befragten in den Wechseljahren unter entsprechenden Symptomen.
Bei 55,3 Prozent der Betroffenen beeinflussten diese Beschwerden die Arbeitsleistung direkt. Laut Jacqueline Jost von Securex verdoppelt sich bei beeinträchtigten Frauen der Erholungsbedarf, einhergehend mit einem höheren Burnout-Risiko und vermehrten Fehltagen.
Dennoch bleibt das Thema oft tabuisiert: 23,4 Prozent der betroffenen Frauen in der Studie konnten das Thema beim Arbeitgeber nicht ansprechen, und rund 70 Prozent wussten nicht, ob Wechseljahre im Betrieb überhaupt besprechbar sind.
In Deutschland zeigen Schätzungen, dass sich rund neun Millionen Frauen in der Peri- oder Postmenopause befinden; allein in der Altersgruppe zwischen 47 und 54 Jahren zählte das Jahr 2024 rund 4,1 Millionen Frauen. Die MenoSupport-Befragung der HWR Berlin ergab zudem, dass etwa ein Viertel der Frauen ihre Arbeitsstunden aufgrund von Wechseljahresbeschwerden reduziert hatte.
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Parallele Zunahme psychischer Erkrankungen
Der verstärkte Ausbau von Programmen zur Prävention fällt in eine Zeit, in der Fehlzeiten durch Überlastung und psychische Leiden Rekordwerte erreichen.
Laut dem WIdO-Fehlzeiten-Report 2026 stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen bei AOK-versicherten Beschäftigten innerhalb von zehn Jahren um knapp 42 Prozent – von 284 Fehltagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025. Burnout-Diagnosen legten im selben Zeitraum um 77 Prozent zu.
Die betriebliche Nachfrage nach vernetzten Lösungen spiegelt sich auch im Markt wider: Investoren und Pharmafirmen investieren Milliarden in Angebote für die Menopause, während Telemedizinanbieter entsprechende Programme ausbauen.
Da die aktualisierte S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause unter anderem festhält, dass Hitzewallungen im Median mehr als 11,8 Jahre anhalten und das Risiko für depressive Verstimmungen steigen kann, gewinnen ganzheitliche betriebliche Ansätze zunehmend an Bedeutung.
