Wechseljahre, Taillenumfang

Wechseljahre: Taillenumfang über 88 cm signalisiert Herzinfarkt-Risiko

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 22:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mediziner erläutern, wie angepasste Ernährung, Krafttraining und Stressabbau metabolischen Risiken in den Wechseljahren entgegenwirken können.

Wechseljahre: Ernährung und Bewegung als Schlüssel zur Gesundheitsvorsorge
Eine Frau bereitet in einer hellen, modernen Küche eine gesunde, proteinreiche Mahlzeit mit frischen Zutaten zu. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren erfordert laut medizinischen Experten eine gezielte Anpassung des Lebensstils, um langfristige Gesundheitsrisiken zu minimieren. Der Mediziner Dr. Matthias Riedl weist in diesem Zusammenhang auf spezifische Ernährungsfehler hin, die durch die physiologischen Veränderungen begünstigt werden.

Während Frauen einen abrupten Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron erleben, sinkt der Testosteronspiegel bei Männern kontinuierlich um etwa 1 % pro Jahr. Riedl empfiehlt eine frühzeitige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten, um die Entstehung von chronischen Erkrankungen in dieser Lebensphase zu verhindern.

Metabolische Risiken durch hormonelle Veränderungen

Ein zentraler Aspekt der körperlichen Veränderung ist die Zunahme von visceralem Fett, oft als „Meno-Bauch“ bezeichnet. Die Ärztin Viktoria Schelle führt diese Entwicklung primär auf den bestehenden Östrogenmangel zurück. Ein kritischer Indikator sei hierbei der Taillenumfang: Ab einem Wert von über 88 cm steige das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes Typ 2 deutlich an.

Ergänzend dazu wird oft ein Testosteronmangel bei Frauen unterschätzt. Die Gynäkologin Heidi Gößlinghoff erläutert, dass dieser Spiegel bereits ab dem 30. Lebensjahr sinken kann. Eine Diagnose erfolge jedoch nur im klinischen Gesamtbild. Eine niedrig dosierte Therapie werde in der Regel nur bei einem Libidoverlust nach der Menopause in Erwägung gezogen.

Strategien zur Gewichtsregulation und Prävention

Zur Bekämpfung der Gewichtszunahme empfiehlt Schelle eine Struktur aus drei Hauptmahlzeiten pro Tag, die jeweils mindestens 30 g Eiweiß enthalten sollten. Begleitend wird ein Krafttraining von mindestens zwei Einheiten pro Woche sowie ein konsequentes Stressmanagement angeraten. Ein tägliches Kaloriendefizit sollte dabei den Wert von 500 kcal nicht überschreiten, um den Stoffwechsel nicht zu gefährden.

Weitere Ansätze für eine stabile Stoffwechsellage stammen aus der Biochemie und der Ökotrophologie:
* Ballaststoffzufuhr: Die Biochemikerin Maren Kemper rät zu einer täglichen Menge von 30 g Ballaststoffen und der Integration von 30 verschiedenen Pflanzenarten pro Woche in den Speiseplan.

Die Steigerung sollte langsam um etwa 5 g pro Tag und Woche erfolgen, wobei Hülsenfrüchte besonders hervorgehoben werden.
* Zuckerkonsum: Die Ökotrophologin Silka Göhler betont, dass Zucker in Maßen konsumiert werden dürfe.

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Die größte Problematik liege bei gesüßten Softdrinks und versteckten Zuckern in verarbeiteten Lebensmitteln.
* Ganzheitliche Ansätze: In Bad Wörishofen werden derzeit im Rahmen eines neuen Projekts die Effekte der Kneipp-Lehre – bestehend aus den Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung – speziell für die Phasen der Prämenopause und Menopause erforscht.

Forschungsergebnisse zu medikamentösen und hormonellen Therapien

Aktuelle Studien untersuchen zudem die Wirksamkeit neuer medikamentöser Ansätze. Eine Untersuchung der Mayo Clinic und der Wayne State University analysierte über einen Zeitraum von durchschnittlich 18 Monaten die Wirkung von Tirzepatide bei 120 Frauen. Die Kombination des Wirkstoffs mit einer Hormontherapie führte zu einem Gewichtsverlust von 19,2 %, während die alleinige Anwendung von Tirzepatide einen Verlust von 14 % bewirkte.

Hinsichtlich der häufig auftretenden Gelenkschmerzen liefert eine Meta-Analyse von 37 Studien mit insgesamt 93.021 Frauen differenzierte Daten. Während 40 % der prämenopausalen und bis zu 59 % der postmenopausalen Frauen unter Gelenkbeschwerden leiden, zeigt eine weitere Analyse von 57 Studien mit rund 4 Millionen Frauen aus dem Jahr 2026, dass eine Hormontherapie keinen signifikanten Effekt auf diese spezifischen Schmerzen hat. Fachleute empfehlen stattdessen Bewegung und Krafttraining.

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Warnungen vor nicht validierten Diagnose- und Therapiemethoden

Behörden und Fachgesellschaften warnen vor Trends, deren Nutzen nicht belegt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht keine Grundlage für Cortisol-Selbsttests. Studien mit 59 Frauen und 369 übergewichtigen Personen zeigten keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Cortisolspiegel und abdominalem Fettgewebe; eine krankhafte Ursache wie das Cushing-Syndrom bleibe die Ausnahme.

Zudem warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor sogenannten Drip-Spa-Infusionen. Für gesunde Menschen sei kein Nutzen nachgewiesen. Stattdessen bestünden Risiken wie Vitaminüberdosierungen, Elektrolytstörungen und Infektionen. Diese Verfahren sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen.

Die Relevanz präventiver Maßnahmen wird durch die steigenden Zahlen von Stoffwechselerkrankungen unterstrichen. Während in den USA ein massiver Anstieg von Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen verzeichnet wurde, stieg die Inzidenz in Deutschland zwischen 2014 und 2022 jährlich um 6,7 % auf 4,4 Fälle pro 100.000 Einwohner an.

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