SchÀtzung, Zigarette

SchĂ€tzung: Jede Zigarette verkĂŒrzt Leben um 20 Minuten

31.12.2024 - 13:34:30

Wer sich fĂŒr das neue Jahr zum Ziel gesetzt hat, mit dem Rauchen aufzuhören, könnte damit mehr Lebenszeit gewinnen als bisher gedacht.

Raucher verkĂŒrzen ihr Leben nach SchĂ€tzungen britischer Wissenschaftler mit jeder Zigarette um durchschnittlich 20 Minuten. Bei MĂ€nnern sind es demnach 17 Minuten, bei Frauen 22. Das geht aus einer Mitteilung der britischen Regierung hervor, die sich auf die Ergebnisse von drei Forschenden des University College London (UCL) beruft. 

«Wenn ein Raucher am Neujahrstag aufhört, kann er bis zum 20. Februar bereits eine ganze Woche seines Lebens erhalten», heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsministeriums in London, das die Studie in Auftrag gegeben hatte. Bis zum Ende des Jahres belaufe sich die Zahl der geretteten Lebenstage auf 50.

Britische Regierung will Tabakkauf schrittweise verbieten

Die Angaben stĂŒtzen sich auf eine neue Auswertung zweier Langzeitstudien aus Großbritannien. Das Forschungsteam berĂŒcksichtigte darin aktuellere Daten, eine lĂ€ngere Beobachtungszeit und mehr Faktoren als eine frĂŒhere SchĂ€tzung aus dem Jahr 2000. Damals war die verlorene Lebenszeit durch eine Zigarette auf 11 Minuten geschĂ€tzt worden. Doch das beruhte auf der Annahme, dass Raucherinnen und Raucher, die nicht aufhören, durchschnittlich 6,5 Jahre ihrer Lebenserwartung einbĂŒĂŸen. Nun wird von zehn Jahren fĂŒr MĂ€nner und elf Jahren fĂŒr Frauen ausgegangen.

«Es sind britische Daten, aber man kann davon ausgehen, dass sie auch fĂŒr Deutschland und andere westliche Staaten gelten», sagte die Leiterin der Stabsstelle KrebsprĂ€vention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. 

Die Mitteilung ist Teil einer Kampagne der britischen Regierung, um die Menschen zum Aufhören zu bewegen. Einer der Studienautoren gab an, unter anderem fĂŒr ein Unternehmen tĂ€tig zu sein, das Tabakersatzprodukte entwickelt. Die Arbeit des Teams um Sarah Jackson ist im Journal «Addiction» veröffentlicht. 

Harm Wienbergen vom Bremer Institut fĂŒr Herz- und Kreislaufforschung hĂ€lt die SchĂ€tzung fĂŒr plausibel, verwies aber darauf, dass es große individuelle Unterschiede gebe, wie schĂ€dlich eine Zigarette wirke. «Ein wichtiger Punkt ist sicher das Alter, in dem man mit dem Rauchen beginnt.» Deutschland habe einen großen Bedarf, öffentliche Maßnahmen gegen das Rauchen zu verstĂ€rken. «Die BemĂŒhungen in England können da aus meiner Sicht ein Vorbild sein», sagte Wienbergen.

Die Regierung in London plant, den Kauf von Tabak schrittweise komplett zu verbieten. Ein entsprechendes Gesetz, mit dem das Mindestalter sukzessive angehoben werden soll, ist derzeit im Gesetzgebungsverfahren im Unterhaus. Es sieht vor, dass Menschen, die nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, nie legal Tabakprodukte erwerben können. 

Rauchen ist nach Angaben der Regierung die hĂ€ufigste vermeidbare Todesursache im Vereinigten Königreich mit 80.000 TodesfĂ€llen jĂ€hrlich und ursĂ€chlich fĂŒr ein Viertel aller Krebserkrankungen.

@ dpa.de