Werbe-SDKs sammeln heimlich Standorte: 2 Milliarden Android-Nutzer betroffen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 14:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Berichte zeigen gravierende Schwachstellen in mobilen Apps, KI-Browsern und Entwickler-Tools – auch deutsche Nutzer sind betroffen.
Sicherheitsforscher haben weitreichende Datenschutz- und Sicherheitslücken aufgedeckt, die Millionen von Nutzern betreffen. Die Probleme reichen von unerlaubter Standortermittlung in mobilen Anwendungen bis hin zu Schwachstellen in KI-gestützten Browsertools. Die Berichte von Anfang August 2026 zeigen: Aktuelle Sicherheitskonzepte für Software-Entwicklungskits (SDKs) und Browser-Erweiterungen kommen gegen ausgeklügelte Datensammel- und Angriffsmethoden kaum noch an.
Werbesoftware spürt Nutzer auf
Ein Bericht der Electronic Frontier Foundation (EFF) vom heutigen Tag identifiziert mehrere Android-Werbe-SDKs, die standardmäßig präzise Standortdaten der Nutzer sammeln. Betroffen sind demnach die Plattformen InMobi, BidMachine, Verve/HyBid und Huawei Petal Ads.
Die Zahlen sind beeindruckend: Das InMobi-SDK erreicht mehr als zwei Milliarden Nutzer in 150 Ländern. Verve/HyBid ist in über 10.000 Anwendungen integriert, mit einer Nutzerbasis von rund 1,5 Milliarden Menschen. BidMachine, das 600 Millionen Nutzer bedient, übermittelte GPS-Daten aus beliebten Dienstprogrammen – darunter ein QR-Scanner mit über 50 Millionen Downloads und eine GPS-Tacho-App mit zehn Millionen Downloads. Huawei Petal Ads wurde in mehr als 85.000 Anwendungen gefunden.
Für deutsche Nutzer bedeutet das: Wer solche kostenlosen Tools installiert, gibt oft unwissentlich seinen Standort preis – ohne dass eine bewusste Zustimmung erfolgt.
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Angriffe auf KI-Browser
Forscher von Zenity Labs haben auf der Black-Hat-Konferenz am 5. August eine neue Schwachstellenklasse namens „Intent Collision" vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Zero-Click-Angriffsmethode, die sogenannte agentische Browser kompromittieren kann – darunter Claude in Chrome, Gemini, Perplexity Comet und Copilot für Edge.
Die Angreifer schleusen versteckte Anweisungen in Webseiten ein und nutzen eine ausgehebelte Same-Origin-Policy aus. Auf diese Weise lassen sich Authentifizierungstokens stehlen, E-Mails abgreifen oder unbefugte Finanztransaktionen auslösen. Zwei Tage später wurden weitere Details zu einer indirekten Prompt-Injection-Schwachstelle in der Claude-für-Chrome-Erweiterung bekannt. Dieser Exploit erlaubt es Angreifern, E-Mail-Verifizierungcodes über einen Gmail-Atom-Feed zu stehlen – mit potenziell schwerwiegenden Folgen: Konten bei Plattformen wie Slack und X könnten übernommen werden.
Angriffswelle auf Entwickler-Plattformen
Auch die Sicherheit von Entwickler-Ökosystemen gerät zunehmend unter Druck. Zwischen dem 7. und 8. August entdeckten Forscher eine massive Kampagne mit fast 800 schädlichen npm-Paketen. Einige Analysten sprechen sogar von über 1.000 Paketen innerhalb von 48 Stunden.
Sonatype verfolgt die Kampagne unter dem Namen „Flooding Dropper". Sie verteilt einen plattformübergreifenden Remote-Access-Trojaner (RAT) und Infostealer namens WEL1DROPPER. Die Malware zielt auf Windows-, macOS- und Linux-Systeme ab und nutzt Cloudflare Workers sowie DNS-TXT-Einträge zur Zustellung der Schadsoftware. Auffällig: Im Gegensatz zu traditionellen Angriffen, die Lifecycle-Hooks verwenden, führen diese Pakete den schädlichen Code bereits bei einem normalen Bibliotheksimport aus. Die Angriffe scheinen sich gezielt gegen russische Finanzinstitute zu richten.
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Phishing-Welle auf vertrauenswürdigen Plattformen
Kaspersky-Daten zeigen einen deutlichen Anstieg von Phishing-Aktivitäten: Über 209.000 Angriffe wurden in den vergangenen zwölf Monaten registriert, die vertrauenswürdige Cloud-Plattformen wie Vercel, Netlify und GitHub Pages missbrauchen. Häufig kommen dabei sogenannte Adversary-in-the-Middle-Techniken (AiTM) zum Einsatz, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen und Sitzungscookies zu stehlen.
Am heutigen Tag identifizierten Sicherheitsfirmen zudem „ClickFix"-Angriffe, die einen Go-basierten Stealer für macOS ausliefern. Diese Malware ist darauf ausgelegt, Browser-Passwörter und iCloud-Keychain-Daten zu exfiltrieren sowie Kryptowährungs-Wallets zu leeren. Die Infrastruktur der Kampagne wird von Forschern mit der sanktionierten Aeza Group in Verbindung gebracht.
Auch KI-integrierte Plattformen bleiben nicht verschont: Trojanisierte KI-Skills, die seit dem 11. Juli auftauchen, haben bereits 1,7 Millionen Installationen erreicht. Diese schädlichen Erweiterungen zielen auf Entwickler-Arbeitsplätze und automatisierte Umgebungen ab, um Software zur Passwort- und Datendiebstahl zu installieren.
