WhatsApp: Benutzernamen ersetzen Telefonnummern weltweit
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 13:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WhatsApp arbeitet an einer grundlegenden Änderung seines Kommunikationsmodells. Künftig sollen Nutzer über eindeutige Benutzernamen miteinander chatten können – ohne ihre Telefonnummer preiszugeben. Das erhöht den Datenschutz, bringt aber neue Sicherheitsrisiken mit sich.
So funktioniert das neue System
In den vergangenen Wochen wurde bekannt: WhatsApp entwickelt ein System, bei dem jeder Nutzer einen individuellen Namen wählt. Dieser dient als Identifikator innerhalb der App. Die Telefonnummer bleibt zwar für die Registrierung und grundlegende Sicherheitsfunktionen im Hintergrund erhalten. Doch für den Start eines Chats ist ihre Weitergabe nicht mehr nötig.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Unbekannte sehen nicht mehr direkt die private Mobilfunknummer. Das verbessert den Schutz der Privatsphäre erheblich.
Das Sicherheitsproblem der Anonymität
Doch Datenschützer warnen: Die Abkehr von der Telefonnummer als sichtbarem Anker erschwert die Verifikation von Gesprächspartnern. Angreifer könnten unter verwechslungsfähigen Benutzernamen versuchen, sich als andere Personen oder offizielle Stelle auszugeben. Identitätsdiebstahl und gezielte Täuschungsmanöver werden so begünstigt.
WhatsApp reagiert darauf mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorgaben.
Strengere Passwörter für die Zwei-Faktor-Authentisierung
In der aktuellen Betaversion 2.26.29.4 für Android wurde ein neuer Sicherheitsmechanismus entdeckt. Die bisherige sechsstellige PIN für die Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) wird durch ein komplexeres Passwort ersetzt. Dieses muss zwischen 6 und 20 Zeichen lang sein und mindestens einen Buchstaben sowie eine Zahl enthalten.
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Der Grund: Benutzernamen sind leichter zu erraten oder durch Social Engineering zu ermitteln als private Telefonnummern. Die zweite Authentifizierungsebene gewinnt damit enorm an Bedeutung. Die Einführung für iOS wird zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.
Aktuelle Betrugswellen zeigen die Dringlichkeit
Wie nötig verschärfte Sicherheitsvorkehrungen sind, zeigen aktuelle Betrugsfälle. Verbraucherschützer warnen vor einer neuen Masche: Kriminelle greifen korrekte Hotelbuchungsdaten aus Reservierungssystemen ab und kontaktieren Opfer gezielt über WhatsApp. Unter dem Vorwand eines dringenden Check-ins locken sie Nutzer auf gefälschte Websites, um Kreditkartendaten abzugreifen.
Zudem wurde eine Sicherheitslücke bei einem weitverbreiteten Browser-Add-on für die Web-Version bekannt. Eine millionenfach genutzte Chrome-Erweiterung konnte offenbar private Chatverläufe mitlesen. Die Vorfälle zeigen: Risiken lauern nicht nur in der Messenger-Infrastruktur selbst, sondern auch bei Drittanbieter-Tools und gezielter Manipulation.
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Rechtliche Probleme und neue Funktionen
Parallel zur technischen Umstellung gibt es juristische Herausforderungen für den Mutterkonzern Meta. Der US-Bundesstaat Texas hat Meta im Juli 2026 wegen Vorwürfen zu den Verschlüsselungsstandards bei WhatsApp verklagt. Die EU-Kommission prüft zudem mögliche Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) im Hinblick auf Design-Elemente der Plattformen.
Trotz der regulatorischen Spannungen treibt WhatsApp neue Funktionen voran. Durch eine Partnerschaft mit Adobe können die rund drei Milliarden Nutzer in der Web- und Windows-Version PDF-Dokumente direkt bearbeiten, markieren und kommentieren. Die Funktionen bleiben laut Unternehmensangaben durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Der Anspruch: Produktivität und Sicherheit trotz der Öffnung des Systems für Benutzernamen vereinen.
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