WhatsApp-Benutzernamen: Neue Privatsphäre ohne Telefonnummer
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 18:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WhatsApp testet eine lang erwartete Funktion: Nutzer können sich bald mit einem selbst gewählten Benutzernamen verbinden, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben. Der Rollout läuft seit Mitte Juli auf Android und iOS, zunächst für eine begrenzte Nutzergruppe.
Neue Privatsphäre-Ebenen für die Kontaktaufnahme
Der Pseudonym kann zwischen 3 und 35 Zeichen lang sein und besteht aus Kleinbuchstaben, Zahlen sowie ausgewählten Sonderzeichen. Wer die Funktion nutzt, bleibt für neue Kontakte unsichtbar – die eigene Mobilnummer wird bei der Erstkontaktaufnahme nicht angezeigt. Branchenkreisen zufolge soll die weltweite Einführung bis September 2026 abgeschlossen sein.
Zusätzlich führt WhatsApp den sogenannten „Username Key“ ein. Dieses automatisch generierte Passwort muss ein Erstkontakt eingeben, bevor ein Chat startet. Der Schlüssel lässt sich vom Nutzer jederzeit ändern. Für Minderjährige ist die Funktion standardmäßig aktiviert – ein klares Signal für mehr Jugendschutz. Meta reserviert zudem prominente Namen für verifizierte Accounts und begrenzt Massenkontaktierungen, um Missbrauch vorzubeugen.
Sicherheitsexperten raten zu sofortigen Einstellungen
Doch der neue Benutzername allein reicht nicht. Fachleute empfehlen, bereits bestehende Sicherheitsfunktionen zu aktivieren, die viele Nutzer übersehen:
- Stille Anrufer blockieren: Diese Funktion unter den Privatsphäre-Einstellungen schaltet Anrufe von unbekannten Nummern stumm. Die Versuche bleiben im Anrufverlauf sichtbar.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung: Eine sechsstellige PIN schützt vor unbefugtem Zugriff auf das Konto.
- Chat-Sperre: Vertrauliche Unterhaltungen lassen sich per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sichern.
- Gruppeneinladungen kontrollieren: Wer darf einen Nutzer zu Gruppen hinzufügen? Diese Einstellung verhindert Spam.
- Verschwindende Nachrichten: Automatische Löschtimer reduzieren den digitalen Fußabdruck sensibler Daten.
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Indien bremst den Rollout – Regierung warnt vor Missbrauch
In Indien, WhatsApps größtem Markt mit rund 850 Millionen Nutzern, stößt die Neuerung auf Widerstand. Die Regierung forderte eine Aussetzung der Einführung. Ihre Begründung: Mehr Anonymität könne Identitätsdiebstahl und Betrug erleichtern. Bereits 2024 stieg die Zahl der Cyberkriminalitätsfälle in der Region um 18 Prozent auf 102.000 registrierte Vorfälle.
Meta reagierte schriftlich auf die Bedenken. Das Unternehmen verspricht Schutzmechanismen: Muster von Missbrauch sollen erkannt, Nutzer beim Erstkontakt durch einen neuen Benutzernamen detailliert informiert werden. Datenschützer warnen jedoch, dass staatliche Eingriffe in Pseudonym-Funktionen einen gefährlichen Präzedenzfall für digitale Zensur schaffen könnten.
Neue Bedrohungen: Deepfakes und Banking-Trojaner
Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen kommen nicht von ungefähr. Parallel zu den Neuerungen mehren sich Berichte über ausgeklügelte Betrugsmethoden. Die indische Börsenaufsicht SEBI warnte kürzlich vor sogenannten „Boss Scams“: Angreifer nutzen Deepfake-Technologie oder Stimmklonen, um sich als Führungskräfte auszugeben. Über WhatsApp versenden sie manipulierte ZIP-Dateien mit Schadsoftware.
Sicherheitsforscher entdeckten zudem eine neue Generation von Banking-Trojanern mit dem Namen RedHook und Hook v3. Diese Malware verfügt über 107 Fernbefehle, um Sperrbildschirme zu umgehen und Bankzugänge zu stehlen. Die Verbreitung erfolgt oft über Phishing-Links oder manipulierte GitHub-Repositories.
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Neben technischen Gefahren warnen Behörden vor „Task Scams“ – betrügerischen Jobangeboten. Opfer erhalten kleine Zahlungen für einfache Online-Aufgaben, bis sie aufgefordert werden, eigene Kryptowährungen einzuzahlen, um angebliche Provisionen freizuschalten. Die Empfehlung der Ermittler: Profile offiziell wirkender Absender genau prüfen und verdächtige Aktivitäten über etablierte Cybercrime-Portale melden.
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