WhatsApp-Betrug: Ballerina-Eliska-Masche kapert Konten über Ghost Pairing
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deKriminelle nutzen derzeit eine perfide Masche, um WhatsApp-Konten zu kapern: Sie versenden Nachrichten mit der Bitte, bei einem Tanzwettbewerb für die angebliche Tochter einer Freundin, genannt Ballerina Eliska, abzustimmen. Als Anreiz wird den Angeschriebenen eine kostenlose Tanzstunde in Aussicht gestellt. Die Masche ist Teil einer stark wachsenden Welle von Betrugsversuchen über Messenger-Dienste.
Tücke durch vertraute Absender und Ghost Pairing
Die Kontaktaufnahme wirkt für viele Empfänger vertrauenswürdig, da die Nachrichten von Nummern aus den eigenen Kontakten stammen und direkt in bereits bestehenden Chatverläufen eingehen. Michel van Eeten von der TU Delft erklärte hierzu, dass genau dieser Umstand die Technik so effektiv mache. Der in den Nachrichten enthaltene Verweis führt Nutzer auf den Internetauftritt einer gefälschten Ballettschule in Prag.
Geben die Betroffenen dort ihre Telefonnummer sowie den per SMS übermittelten Verifizierungscode ein, greift das sogenannte Ghost Pairing: Die Täter koppeln ihr eigenes Endgerät unbemerkt mit dem WhatsApp-Konto des Opfers.
Einmal im System, können die Kriminellen bisherige Chats einsehen, neue Mitteilungen im Namen der Geschädigten verfassen, Geld anfordern oder den schädlichen Link eigenständig an das gesamte Adressbuch weiterleiten. Aad Lensen von der Polizei betonte, dass grundsätzlich jeder zum Opfer werden könne, vor allem in Situationen mit Eile oder Ablenkung.
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So erhielt das Betrugsopfer Sophie ter Schure (40) etwa hundert Reaktionen aus ihrem Bekanntenkreis, bevor WhatsApp ihr Konto schließlich sperrte. Der Nachrichtendienst blockiert betroffene Accounts mit hoher Aktivität teils für 24 Stunden.
Deutlicher Anstieg der Meldungen
Die Dimension des Problems zeigt sich in aktuellen Erhebungen der Organisation Fraudehelpdesk. Diese verzeichnete in der ersten Hälfte 2026 über 15.000 Phishing-Meldungen. Das entspricht mehr als dem Fünffachen des Vergleichswerts aus der ersten Hälfte 2025. Zur aktuellen Eliska-Masche gingen allein in der letzten Woche Dutzende Meldungen ein, wobei zahlreiche frühere Datenlecks den Betrügern das Vorgehen zusätzlich erleichtern.
Die Gesamtzahl der betroffenen niederländischen WhatsApp-Nutzer ist derzeit noch unbekannt, da die Polizei keine gesonderten Statistiken für einzelne Betrugsformen ausweist.
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Behörden mahnen zur Vorsicht
In den Niederlanden schlugen die Sicherheitsbehörden bereits Alarm. Am 19.10.2026 warnte die Polizei Leiden vor betrügerischen WhatsApp-Nachrichten mit Abstimmungsaufforderungen, nachdem dort immer mehr Einwohner verdächtige Anfragen erhalten hatten.
Auch mehrere Teams der Polizei Groningen warnen vor der Masche, während die deutsche Polizei bereits im September auf dieselbe Vorgehensweise aufmerksam gemacht hatte und seit Wochen vor der Taktik warnt.
Am Montag veröffentlichte zudem das staatliche Portal Veilig Internetten einen Eilaufruf. Flankiert werden die Warnungen von der Regierungskampagne „Laat je niet interneppen“, die dazu rät, vor dem Anklicken unbekannter Links zunächst drei Sekunden innezuhalten.
Um das eigene Konto abzusichern, empfehlen Polizeidienststellen und die Verbrauchersendung Kassa die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Nutzer sollten Absender bei solchen Anfragen im Zweifel direkt anrufen, niemals Bestätigungscodes eingeben oder fremde QR-Codes scannen.
In den App-Einstellungen unter den gekoppelten Geräten sollten zudem unbekannte Sitzungen sofort abgemeldet werden. Wurde ein Account bereits übernommen, lässt sich der Fremdzugriff durch eine Neuregistrierung der eigenen Telefonnummer auf dem Smartphone beenden, da dieser Schritt alle aktiven Sitzungen schließt.
