WhatsApp-Konten: Ghost Pairing ermöglicht Mitlesen und Betrug im Namen der Opfer
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsbehörden und Branchenexperten warnen vor einer weltweiten Welle von Kontenübernahmen beim Messaging-Dienst WhatsApp. Kriminelle verschaffen sich dabei unbefugten Zugang zu Benutzerprofilen, um anschließend im Namen der eigentlichen Besitzer Nachrichten an deren Familienangehörige, Freunde oder Kollegen zu senden und diese unter Vorwänden um finanzielle Unterstützung zu bitten. Die Vorgehensweisen der Angreifer reichen von raffinierten Phishing-Kampagnen bis hin zur Ausnutzung technischer Schwachstellen.
Perfide Methoden von gefälschten Abstimmungen bis Ghost Pairing
Für die Übernahme der Konten nutzen Angreifer unterschiedliche Angriffsvektoren. In den Niederlanden verbreitete sich eine Masche rasant über bereits kompromittierte Profile: Nutzer erhielten Nachrichten von bekannten Kontakten mit der Bitte, für angebliche Kinder wie Eliška, Emma, Klara, Mia oder Sophia bei einem Tanzkurs-Wettbewerb abzustimmen.
Der beigefügte Link führte auf eine gefälschte Abstimmungsseite. Bei dieser als „Ghost Pairing“ bezeichneten Methode werden Opfer dazu verleitet, Telefonnummern oder Verifizierungscodes einzugeben, QR-Codes zu scannen oder eine unbedachte Gerätekopplung zu bestätigen. Gelingt dies, können die Täter das Konto parallel mitlesen und eigenständig Nachrichten versenden.
In anderen Fällen agieren Betrüger mit gefälschten Sicherheitsnachrichten. Kriminelle versenden Mitteilungen, die angeblich vom offiziellen Sicherheitszentrum der Plattform stammen, und drohen mit einer Kontosperrung bis 23:59 Uhr desselben Tages. Ein eingeblendeter Countdown und ein Verifizierungsbutton sollen Nutzer unter Zeitdruck setzen.
Der Cybersecurity-Experte Boikokobetso Makhetlane verwies zudem auf Risiken durch unbemerkte SIM-Swaps oder betrügerische Anrufe angeblicher Service-Provider. Nach Einschätzung des Experten Muad Boushagl nutzen Angreifer zudem Schwachstellen im Authentifizierungsprozess oder dem Sitzungsmanagement der Server aus, wodurch unberechtigte Datenänderungen und fremde E-Mail-Adressen hinterlegt wurden.
Zwar bleiben frühere Chatverläufe durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt, die Gefahr bestehe jedoch im Identitätsmissbrauch für betrügerische Zwecke.
Steigende Fallzahlen und Notfall-Szenarien
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Sobald Kriminelle die Kontrolle erlangt haben, beginnen die Geldforderungen. Die spanische Kriminologin und Cybersecurity-Expertin María Aperador wies darauf hin, dass Täter teilweise Nachrichten mit der Option für das Löschen auf dem eigenen Gerät verfassen, damit der rechtmäßige Inhaber die Kommunikation nicht unmittelbar bemerkt.
Die türkische Polizeidirektion Sivas warnte vor akuten Notfall-Szenarien, bei denen Kontakte mit dringenden Bitten um sofortige Überweisungen konfrontiert werden. Technische Analysen der dortigen Cybercrime-Abteilung zeigten, dass veraltete Versionen des Betriebssystems iOS sowie nicht aktualisierte WhatsApp-Anwendungen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.
Die Folgen solcher Angriffe belasten auch Finanzinstitute. Laut Erhebungen des Unternehmens BioCatch verzeichnen 85 Prozent der südafrikanischen Banken einen Anstieg bei Betrugsversuchen, während 79 Prozent steigende finanzielle Schäden registrieren. 81 Prozent dieser Institute schätzen die jährlichen Betrugsverluste auf über 5 Millionen US-Dollar, was rund 82 Millionen Rand entspricht.
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Die Discovery Bank mahnte, dass Betrüger ihre Opfer häufig manipulieren, Überweisungen selbst freizugeben. Parallel dazu meldete die britische Datenschutzbehörde ICO einen drastischen Zuwachs bei unerwünschten automatisierten Anrufen: Beschwerden kletterten von 1.374 im Juli über 2.178 im August (plus 58 Prozent) auf 3.684 im September (plus 69 Prozent).
Andy Curry, leitender Ermittler der Behörde, stufte die Entwicklung als zutiefst besorgniserregend ein und betonte, dass diese Anrufe der Daten- und Geldabschöpfung dienten.
Empfohlene Schutzmaßnahmen für Nutzer
Zur Abwehr raten Sicherheitsexperten und Ermittlungsbehörden – darunter auch die deutsche Polizei, die bereits seit einigen Wochen entsprechende Warnungen herausgibt – zu grundlegenden Schutzvorkehrungen:
- Zwei-Schritt-Verifizierung: Die Aktivierung einer zusätzlichen PIN erschwert unbefugte Anmeldungen auf neuen Geräten erheblich.
- Prüfung verknüpfter Geräte: In den Einstellungen der App sollten unbekannte Einträge unter den gekoppelten Geräten umgehend abgemeldet werden.
- Regelmäßige Updates: Das Betriebssystem des Smartphones sowie die Messenger-Anwendung müssen stets auf dem aktuellen Versionsstand gehalten werden.
- Verifizierung von Geldforderungen: Bitten um Geld oder Codes sollten grundsätzlich über einen zweiten Kanal, etwa durch einen direkten Anruf, gegenprüft werden.
Sollte der Zugriff auf das eigene Profil verloren gehen, lässt sich das Konto häufig durch eine Neuregistrierung der Telefonnummer mit dem per SMS oder Anruf zugestellten sechsstelligen Code wiederherstellen, wodurch aktive Sitzungen auf anderen Geräten automatisch beendet werden.
