Sicherheit, Europa

WhatsApp warnt vor EU-Chatkontrolle - Sorge um PrivatsphÀre

06.10.2025 - 14:40:19

WhatsApp warnt: Die geplante EU-Verordnung zur Chatkontrolle könnte die PrivatsphĂ€re von Millionen Nutzern gefĂ€hrden. Im Gegensatz zu Signal droht WhatsApp aber noch nicht mit einem RĂŒckzug.

Der Messenger WhatsApp, der in Deutschland von etwa drei Vierteln der Bevölkerung genutzt wird, spricht sich klar gegen die EinfĂŒhrung einer Chatkontrolle in der EU aus. «Trotz gegenteiliger Behauptungen untergrĂ€bt der neueste Vorschlag der RatsprĂ€sidentschaft der EU nach wie vor die Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung und gefĂ€hrdet die PrivatsphĂ€re, Freiheit und digitale Sicherheit aller», sagte eine Sprecherin des Facebook-Konzerns Meta, zu dem auch WhatsApp gehört, dem Portal Netzpolitik.org. 

Kritik - aber bisher keine RĂŒckzug-Drohung

«Wir setzen uns weiterhin fĂŒr stĂ€rkere Sicherheit ein und sind der Überzeugung, dass Regierungen weltweit dies ebenfalls tun sollten», sagte die Meta-Sprecherin. In der vergangenen Woche hatte die Chefin des Messengers Signal, Meredith Whittaker, angekĂŒndigt, dass man in letzter Konsequenz den europĂ€ischen Markt verlassen wĂŒrde, wenn durch eine geplante EU-Verordnung keine private, verschlĂŒsselte Kommunikation mehr möglich sei. Die Meta-Sprecherin ließ hingegen offen, wie WhatsApp auf eine mögliche EinfĂŒhrung einer Chatkontrolle reagieren wĂŒrde. 

Beim Streit um die Chatkontrolle geht es um eine geplante Verordnung der EU, die sich gegen die Verbreitung von Darstellungen von Kindesmissbrauch richten soll. Das Regelwerk sieht vor, dass private Nachrichten und Fotos von Messengerdiensten wie WhatsApp, Signal, Telegram oder Threema auf strafbare Inhalte durchleuchtet werden können, bevor sie verschlĂŒsselt und versendet werden. Dabei soll vor allem kontrolliert werden, ob es sich um eine Darstellung von Kindesmissbrauch handeln könnte.

Signal-Chefin Whittaker hatte in einem GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur die EU-PlĂ€ne als Versuch bewertet, eine HintertĂŒr in die Messenger einzubauen. «Die Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung garantiert die PrivatsphĂ€re von Millionen und Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt, oft auch in lebensbedrohlichen Situationen.» Deshalb lehne Signal die Chatkontrolle ab.

Auch Threema gegen Chatkontrolle

Auch der Messenger Threema aus der Schweiz, der in Deutschland zahlreiche Nutzer hat, stellt sich gegen den Vorschlag der dĂ€nischen RatsprĂ€sidentschaft. «Wir sind nach wie vor entschieden gegen MassenĂŒberwachung in jeder Form», sagte Pressesprecher Philipp Rieger gegenĂŒber Netzpolitik.org. 

Die EuropĂ€ische Union berĂ€t seit drei Jahren ĂŒber die entsprechenden Regeln. Mehrere RatsprĂ€sidentschaften scheiterten bereits beim Versuch, einen Kompromiss zu finden, dem genĂŒgend Mitgliedsstaaten zustimmen.

Findet sich eine Mehrheit fĂŒr den Vorschlag, brĂ€uchte es dann noch eine Einigung mit dem EuropĂ€ischen Parlament. Das sieht eine mögliche Chatkontrolle aber quer durch alle politischen Lager Ă€ußert kritisch und wollte den ursprĂŒnglichen Vorschlag damals entschĂ€rfen.

Neuer Vorschlag könnte nÀchste Woche zur Abstimmung stehen

Der neue Vorschlag der dĂ€nischen RatsprĂ€sidentschaft wird im Laufe der Woche von den EU-Staaten auf der Ebene der Botschafter beraten. Zeichnet sich dort eine Einigung ab, könnten die zustĂ€ndigen Minister der LĂ€nder darĂŒber Anfang nĂ€chste Woche abstimmen. Doch viele Staaten, darunter auch Deutschland, haben sich bis jetzt nicht klar positioniert. Besonders die Stimmen bevölkerungsreicher LĂ€nder fallen aber schwer ins Gewicht und sind somit entscheidend.

@ dpa.de