Wiederbelebung, NRW

Wiederbelebung in NRW: Pflichtunterricht startet ab der siebten Klasse

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Land investiert rund 80.000 Euro in Übungspuppen; geschulte Lehrkräfte vermitteln Jugendlichen Reanimation.

Nordrhein-Westfalen führt Wiederbelebung ab Klasse 7 verbindlich ein
Leere Schulbänke in einem hellen Klassenzimmer, im Hintergrund stehen Reanimationspuppen für das Erste-Hilfe-Training bereit. Illustration mit AI erstellt.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen rücken zunehmend in den Mittelpunkt der schulischen Ausbildung. In Nordrhein-Westfalen wird die Wiederbelebung ab dem Schuljahr 2026/27 für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse zum verbindlichen Lehrplaninhalt.

Das Konzept sieht vor, Jugendlichen frühzeitig grundlegende Techniken der Ersten Hilfe zu vermitteln, um Hemmschwellen im Ernstfall abzubauen und die Überlebenschancen bei plötzlichen Notfällen zu verbessern.

Verbindlicher Unterricht ab der siebten Klasse

Die ministerielle Vorgabe umfasst einen einmaligen Unterrichtsumfang von 90 Minuten für die Jahrgangsstufen 7 bis 9. Die Vermittlung erfolgt durch zwei Lehrkräfte, die im Jahr 2025 eine spezifische Laienreanimations-Ausbildung absolviert haben. Um das Gelernte dauerhaft zu festigen, ist eine regelmäßige Auffrischung der Inhalte in Vertretungsstunden vorgesehen.

Für die praktische Umsetzung investierte das Land rund 80.000 Euro in die Anschaffung von Reanimationsphantomen. Jede Schule mit einer Sekundarstufe I wird mit zehn dieser Übungspuppen ausgestattet. Der konkrete Anlass für die Neuerung geht auf ein Ereignis im Juni 2026 zurück: Damals hatten Sieben- und Achtjährige im Freibad Daaden in Rheinland-Pfalz das Leben eines dreijährigen Kindes gerettet.

Praktische Vermittlung und medizinische Notwendigkeit

Dass Schüler bereits in jungen Jahren Reanimationstechniken erlernen können, belegen etablierte Schulprojekte. Am Kreisgymnasium Halle in Nordrhein-Westfalen trainieren Siebtklässler die Herzdruckmassage an Übungsmodellen anhand eines strukturierten Handlungsplans, der die Schritte Bewusstsein, Atmung, Notruf und Druckpunkt umfasst.

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Ab dem Schuljahr 2026/27 gehört Wiederbelebung in Nordrhein-Westfalen ab Klasse 7 zum verbindlichen Lehrplan — vorgesehen sind dafür einmalig 90 Minuten pro Jahrgangsstufe. Was Ihr Kind in dieser kurzen Zeit lernt, lässt sich zu Hause in wenigen Minuten festigen. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen die Schritte Prüfen, Rufen, Drücken und wie Sie Notruf 112 und Herzdruckmassage gemeinsam mit Ihrem Kind üben. Erste-Hilfe-Leitfaden für die Familie jetzt anfordern

Die dortige Lehrerin Bernadette Clermont leitet den schuleigenen Sanitätsdienst, der unter anderem an einem Weltrekordversuch im Dauerreanimieren in Bielefeld teilnahm.

Die Dringlichkeit einer flächendeckenden Schulung unterstreichen Notfallmediziner und Hilfsorganisationen. Helmut Emmich von der Johanniter-Unfall-Hilfe beziffert das Vorkommen des plötzlichen Herztods in Deutschland auf 80.000 bis 100.000 Fälle pro Jahr.

Bei Aktionstagen, wie etwa an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Lich mit Notärzten der dortigen Asklepios-Klinik, wird Schülerinnen und Schülern das Vorgehen nach dem Prinzip Prüfen, Rufen, Drücken vermittelt. Neben dem Absetzen des Notrufs 112 steht dabei eine Herzdruckmassage mit einer Frequenz von mindestens 100 Kompressionen pro Minute im Fokus.

Internationale Modelle als Vorbild

Andere Staaten haben die Wiederbelebung bereits fest im Schulwesen verankert. In Südkorea schreibt das Bildungsministerium CPR-Unterricht verpflichtend für die fünften und sechsten Klassen der Grundschule sowie ab der ersten Klasse der Mittel- und Oberschule vor. Das Schulgesundheitsgesetz verpflichtet dort zudem alle Lehrkräfte zu einer jährlichen, mindestens dreistündigen praktischen Fortbildung an Modellen.

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Viele Jugendliche zögern im Ernstfall, weil ihnen die Handgriffe nie vertraut geworden sind — genau diese Hemmschwelle soll der Reanimationsunterricht abbauen. Einmal 90 Minuten pro Schuljahr reichen dafür kaum. Mit der Familien-Checkliste üben Sie die Reihenfolge Bewusstsein, Atmung, Notruf und Druckpunkt so, dass Ihr Kind im Notfall ohne Nachdenken handelt. Familien-Checkliste Erste Hilfe jetzt sichern

Das südkoreanische Curriculum setzt auf das Schema von 30 Thoraxkompressionen und zwei Beatmungen im Wechsel nach der Patienteneinschätzung und dem Notruf 119. Bei einem Herzstillstand soll sich die Überlebensrate verdoppeln, wenn innerhalb der ersten vier Minuten eingegriffen wird.

Wie entscheidend vorbereitetes Personal ist, zeigte sich an der Goheon-Mittelschule in Ulsan: Dort reanimierte der Sportlehrer Kim Woo-bin einen kollabierten Schüler über einen Zeitraum von drei bis vier Minuten erfolgreich, bis dessen Atmung wieder einsetzte.

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