Windows, China

Windows in China: Regierung zieht Abschaltung auf Ende 2026 vor

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 17:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Peking ordnet sofortigen Wechsel staatlicher Stellen von Windows 10 auf heimische Linux-Systeme an. Der Schritt verschärft den Kurs Richtung digitaler Eigenständigkeit und beflügelt chinesische Software-Aktien.

China verbannt Windows 10 aus Behörden: Umstieg auf Linux bis Jahresende
Ein moderner Büroarbeitsplatz mit einem Monitor, auf dem komplexe Software-Codezeilen in einer professionellen Umgebung zu sehen sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einer neuen Sicherheitsrichtlinie hat das chinesische Ministerium für Staatssicherheit am 21. August 2026 staatliche Einrichtungen angewiesen, die Nutzung von Windows 10 China Government Edition zu beenden. Die betroffenen Institutionen wurden dazu aufgefordert, die Software zu deinstallieren und stattdessen auf nationale Linux-Distributionen wie Kylin OS oder UOS umzusteigen.

Mit dieser Maßnahme verschärft die Regierung ihren Zeitplan für die technologische Unabhängigkeit deutlich: Die ursprünglich für Februar 2027 vorgesehene Abschaltung wurde nun auf das Ende des Jahres 2026 vorgezogen.

Strategie für digitale Souveränität und Sicherheit

Das Ministerium für Staatssicherheit begründete diesen Schritt mit massiven Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit. Der Umstieg sei ein wesentlicher Bestandteil einer langfristigen Strategie, die darauf abzielt, ausländische Technologieabhängigkeiten in Regierungsbehörden systematisch zu reduzieren und die digitale Souveränität des Landes zu stärken.

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Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund anhaltender technologischer Spannungen zwischen China und den USA statt. Marktbeobachter verweisen zudem auf die politische Bedeutung des Zeitpunkts, da in wenigen Wochen ein Treffen zwischen Xi und Trump ansteht. Die beschleunigte Abkehr von US-amerikanischer Software unterstreicht das Bestreben Chinas, kritische staatliche Infrastrukturen vor externen Einflüssen zu schützen.

Microsoft verweist auf fehlende Sicherheitsvorfälle

Vom US-Softwarekonzern Microsoft hieß es am 21. August 2026, dass kein konkreter Sicherheitsvorfall bekannt sei, der die Entscheidung der chinesischen Behörden unmittelbar ausgelöst haben könnte. Das Unternehmen stellte zudem klar, dass es kein flächendeckendes nationales Windows-Verbot in China gebe. Während die spezialisierte Regierungsversion ersetzt werden muss, bleibe etwa die Nutzung von Windows Home China 11 weiterhin erlaubt.

Die nun zur Ausphasung angewiesene Windows 10 China Government Edition war das Ergebnis einer engen Kooperation. Sie wurde von C&M Information Technologies (CMIT) entwickelt, einem im Jahr 2016 gegründeten Joint Venture zwischen Microsoft und der China Electronics Technology Group (CETC). Ziel dieser Partnerschaft war es damals, eine den chinesischen Regierungsanforderungen entsprechende Version des Betriebssystems bereitzustellen.

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Reaktionen am Aktienmarkt und Marktanteile

Die Ankündigung löste an den Börsen umgehende Reaktionen aus und ließ die Kurse chinesischer Softwarehäuser steigen. Die Aktien von Kylinsec (Hunan Kylinsec) und Archermind legten am 21. August 2026 jeweils um 20 % zu. Die Papiere von China National Software verzeichneten ein Plus von 10 %.

Trotz der staatlichen Abkehr bleibt Microsofts Betriebssystem Windows im breiten Markt weiterhin marktbeherrschend. Zum Stand Juni 2026 hielt Windows einen Anteil von rund 90 % am chinesischen Desktop-Markt.

Allerdings zeigen die jüngsten politischen Weichenstellungen bereits erste statistische Auswirkungen: Wenige Tage nach Bekanntgabe der neuen Richtlinie stieg der Marktanteil von Linux-Systemen in China auf 10 %. Dieser Trend unterstreicht den wachsenden Stellenwert lokaler Betriebssystemlösungen in der Volksrepublik.

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