WindRelay-Malware, Attacken

WindRelay-Malware: Neue Attacken auf digitale Wallets entdeckt

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 10:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue NFC-Relay-Malware und gezielte Phishing-Kampagnen gefÀhrden mobile Zahlungen. Auch Hardware-Wallets und IdentitÀtsdienste melden SicherheitsvorfÀlle.

Sicherheitsreport: Neue NFC-Malware und Phishing-Wellen bedrohen mobile Bezahlsysteme
Ein modernes Smartphone liegt neben einem kontaktlosen Bezahlterminal auf einer Ladentheke. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Analysen von Sicherheitsbehörden und IT-Sicherheitsfirmen zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Sicherheitslage bei digitalen Wallets und mobilen Bezahlsystemen. Experten weisen auf spezifische technische EinschrÀnkungen und neue Angriffsvektoren hin, die sowohl die Hardware-Infrastruktur als auch die Software-Schnittstellen auf Smartphones betreffen.

Neue Malware-Generation nutzt NFC-Schnittstellen aus

Die Sicherheitsfirma Group-IB identifizierte eine neue Form von NFC-Relay-Malware namens „WindRelay“. Diese Schadsoftware wird in Verbindung mit dem SpyNote-Remote-Access-Trojaner eingesetzt, um infizierte Smartphones in Relaisstationen fĂŒr Zahlungsbetrug zu verwandeln.

Die Malware ist in der Lage, NFC-Daten in Echtzeit an Angreifer zu ĂŒbertragen. Dies ermöglicht es Kriminellen, kontaktlose Zahlungen und Bargeldabhebungen an physischen Terminals durchzufĂŒhren, wĂ€hrend die eigentliche Karte oder das Wallet des Opfers weit entfernt ist.

Erste Spuren von „WindRelay“ wurden bereits im August 2025 entdeckt. Zwischen November 2025 und Juli 2026 wurden insgesamt 23 verschiedene Code-Proben auf der Analyseplattform VirusTotal registriert. Betroffen sind laut dem Bericht insbesondere Bankinstitute in Tschechien, der Slowakei und Slowenien. Neben dem Missbrauch fĂŒr EinkĂ€ufe im Einzelhandel ermöglicht die Software auch die Aufnahme digitaler Kredite ĂŒber die kompromittierten GerĂ€te.

Warnung vor QR-Code-Manipulationen und Phishing-Wellen

Parallel dazu warnt das chinesische Ministerium fĂŒr Staatssicherheit vor betrĂŒgerischen AktivitĂ€ten im Zusammenhang mit QR-Codes. Es wurden drei primĂ€re Gefahrenszenarien identifiziert: gefĂ€lschte GeschĂ€ftsabwicklungen zur Installation von Malware, das bösartige Ersetzen legitimer QR-Codes durch Phishing-Links sowie das Platzieren prĂ€parierter Codes in der NĂ€he sensibler Einrichtungen. Diese Methoden zielen auf IdentitĂ€tsdiebstahl und den illegalen Datenhandel ab, was Behörden als Bedrohung fĂŒr die nationale Sicherheit einstufen.

In Europa registriert die Verbraucherzentrale unterdessen massive Phishing-Wellen gegen Kunden namhafter Finanzinstitute. Betroffen sind unter anderem die DKB, die easybank, PayPal, Volksbanken und die Commerzbank. Auch im Namen des Bundeszentralamts fĂŒr Steuern werden gefĂ€lschte Nachrichten ĂŒber angebliche Steuererstattungen in Höhe von 263 Euro versendet.

Die Angreifer nutzen dabei meist dringende Fristen – wie etwa den 20. August 2026 fĂŒr eine angebliche App-Registrierung bei der DKB –, um Nutzer zur Preisgabe von Zugangsdaten zu bewegen.

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Schwachstellen in IdentitÀtsdiensten und Datenpannen bei Hardware-Herstellern

Auf der Sicherheitskonferenz DEF CON 34 wurden zudem gravierende MĂ€ngel in der belgischen eID-Erweiterung „Connective“ von Nitro Software Belgium offengelegt. Über diese Schwachstellen konnten Angreifer IdentitĂ€tsdaten abgreifen und AnmeldevorgĂ€nge manipulieren. Betroffen waren mehr als 60 Behörden, acht der zehn grĂ¶ĂŸten Banken Belgiens sowie ĂŒber 1.000 Unternehmen. Die SicherheitslĂŒcken wurden laut Berichten am 22. Juli 2026 geschlossen.

Auch Hardware-Wallet-Anbieter stehen im Fokus. Der Hersteller Trezor meldete eine Datenpanne bei seinem Fulfillment-Partner ShipMonk. Unbefugte erhielten Zugriff auf die Daten von insgesamt 13.689 Kunden.

Darunter befinden sich 11.742 DatensĂ€tze mit vollstĂ€ndigen Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Versandadressen aus LĂ€ndern wie den USA, Schweden und Italien. WĂ€hrend die Trezor-GerĂ€te selbst als sicher gelten, steigt durch den Abfluss der Kontaktdaten das Risiko fĂŒr gezielte Phishing-Attacken.

Massive Verluste verzeichnete zudem das Coldcard-System. Analysten von CryptoQuant, Galaxy Research und TRM Labs bestĂ€tigten einen großangelegten Diebstahl von Kryptowerten. Die SchĂ€tzungen der entwendeten Summen variieren zwischen 1.432 BTC und 1.816 BTC. Mehr als 5.200 Wallet-Adressen sollen von dem Angriff betroffen sein, der in insgesamt vier Wellen ablief.

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Technologische Entwicklung und Schutzmaßnahmen

Trotz der Sicherheitsrisiken schreitet die Automatisierung voran. Alipay gab bekannt, dass seine KI-native Zahlungsinfrastruktur bis Ende Mai 2026 bereits 300 Millionen Transaktionen ĂŒber KI-Agenten abgewickelt hat. Um Risiken zu minimieren, setzt das System auf Blockchain-Nachverfolgung und verschiedene Autorisierungsmodi fĂŒr die Nutzer.

Sicherheitsexperten raten dringend dazu, keine Anwendungen aus unbekannten Quellen zu installieren und mobile EndgerĂ€te durch aktuelle Anti-Malware-Lösungen zu schĂŒtzen. Zudem sollten QR-Codes vor dem Scannen kritisch geprĂŒft und verdĂ€chtige VorfĂ€lle umgehend gemeldet werden.

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