XPeng IRON: China startet Massenproduktion humanoider Roboter
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der chinesische Elektroautohersteller XPeng hat in Guangzhou die automatisierte Produktionslinie für seine humanoiden Roboter der Serie „IRON“ in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen im Rahmen der Inbetriebnahme mitteilte, lief der erste Roboter bereits autonom vom Band.
Mit einem Automatisierungsgrad von über 80 Prozent bei den Kernprozessen setzt der Konzern auf eine hochgradig systematisierte Fertigung, um den Übergang von der Prototypenphase zur industriellen Massenproduktion zu vollziehen.
Technologische Spezifikationen und Synergien mit der E-Mobilität
Der IRON-Roboter basiert auf einer Architektur, die eng mit der Fahrzeugentwicklung von XPeng verzahnt ist. Nach Unternehmensangaben sind etwa 85 Prozent der Motoren, Chips und Softwarekomponenten aus dem Bereich der Elektrofahrzeuge (EV) für die Robotik-Sparte wiederverwendbar.
In der nun vorgestellten Version verfügt der IRON über 76 Freiheitsgrade (Degrees of Freedom, DOF), wobei allein 21 auf jede Hand entfallen. Das System wird von drei Turing-Chips gesteuert, die eine Rechenleistung von 2.250 TOPS erreichen.
Im Vergleich zum ersten Prototyp, der bei einer Größe von rund 173 Zentimetern und einem Gewicht von 65 Kilogramm noch 82 Freiheitsgrade aufwies und eine Geschwindigkeit von bis zu 2 Metern pro Sekunde erreichte, ist die Serienversion für den industriellen und kommerzielle Einsatz optimiert.
Die Produktion findet in einer 110.000 Quadratmeter großen Basis in Guangzhou statt. XPeng strebt an, bis zum Jahresende eine monatliche Kapazität von über 1.000 Einheiten zu erreichen, nachdem die Kleinserienproduktion bereits im Juli 2026 angelaufen war.
Finanzierung und strategische Bewertung
Die Ambitionen im Robotik-Sektor werden durch eine massive Kapitalzufuhr gestützt. Die Robotik-Einheit von XPeng erhielt Ende August 2026 eine Finanzierung in Höhe von über 900 Millionen US-Dollar. Die Runde wurde von IDG Capital angeführt, während die Technologiekonzerne Tencent und Alibaba als strategische Partner beteiligt sind. Die Bewertung der Sparte stieg damit auf über 6,3 Milliarden US-Dollar.
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Interessant ist hierbei das Verhältnis zum Kerngeschäft: Analysten der Citi bewerten das EV-Geschäft von XPeng derzeit mit etwa 6,5 Milliarden US-Dollar.
Während die Aktie des Unternehmens seit Jahresbeginn ein Minus von 45 Prozent verzeichnete und die Margen im chinesischen Automobilsektor im ersten Halbjahr 2026 bei lediglich 1,5 Prozent lagen, positioniert sich XPeng durch die Robotik in einem wachstumsstarken Zukunftsfeld.
Die Serienproduktion ist für Ende 2026 geplant, erste kommerzielle Lieferungen sollen 2027 erfolgen – zunächst auf dem chinesischen Markt, gefolgt von einer Expansion nach Übersee. Erste Einsätze sind in konzerneigenen Showrooms sowie auf dem Werksgelände vorgesehen.
China dominiert den globalen Markt für humanoide Robotik
XPeng ist Teil eines breiten Trends in China, bei dem Automobilhersteller wie Xiaomi, BYD, Nio oder Li Auto verstärkt in die Robotik investieren. Schätzungen von August 2026 zufolge stammen mehr als 50 Prozent der weltweit rund 20 führenden Firmen im Sektor der humanoiden Robotik aus der chinesischen Automobilindustrie.
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Der Markthochlauf in China vollzieht sich mit hoher Geschwindigkeit. Im ersten Quartal 2026 wuchsen die Exporte humanoider Roboter um 210 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 entfielen über 97 Prozent der weltweiten Auslieferungen auf chinesische Hersteller, wobei die Unternehmen Unitree und Zhiyuan zusammen einen Marktanteil von rund 75 Prozent hielten.
Zum Vergleich: Im Jahr 2025 lag das weltweite Liefervolumen laut IDC-Daten noch bei lediglich 18.000 Einheiten, wovon der Großteil in den Bereichen Unterhaltung und Bildung eingesetzt wurde.
Parallel dazu verlieren etablierte internationale Akteure an Boden. Heimische Marken halten mittlerweile über 55 Prozent des chinesischen Industrierobotik-Marktes. Während der Anteil von Fanuc auf etwa 9 Prozent sank, gibt es Berichte, wonach ABB den Verkauf seines Robotikgeschäfts plane.
China verfolgt das strategische Ziel, bis 2027 rund 1.000 führende Unternehmen im Robotik-Sektor zu etablieren, wobei der Markt bis 2035 ein Volumen von über einer Billion Yuan erreichen könnte.
