Zahlungsverkehr, IRIS-System

Zahlungsverkehr: IRIS-System wächst auf 176 Millionen Nutzer

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 16:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Europäische Banken und Initiativen treiben die Integration von Echtzeit-Zahlungssystemen voran, inspiriert vom brasilianischen Pix-Modell.

Europas Zahlungsverkehr: Auf dem Weg zu einem einheitlichen Pix-System?
Ein modernes Smartphone zeigt eine digitale Zahlungs-App vor einem unscharfen europäischen Stadtbild. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts der zunehmenden Fragmentierung des digitalen Zahlungsverkehrs in Europa debattieren Finanzanalysten am 26. Juli 2026 über die Machbarkeit eines einheitlichen, souveränen Echtzeit-Zahlungssystems. Als potenzielles Vorbild dient dabei das brasilianische Pix-System, das als Benchmark für effiziente und breit akzeptierte nationale Bezahllösungen gilt. Während die Diskussion über eine übergeordnete europäische Lösung an Fahrt gewinnt, treiben verschiedene Akteure bereits konkrete grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte voran.

Expansion regionaler Systeme und europäische Integration

Ein wesentlicher Baustein in der aktuellen Entwicklung ist das griechische IRIS-System. Dieses ermöglicht bereits kostenlose Peer-to-Peer-Zahlungen in Echtzeit per Mobilnummer und dehnt seine Verfügbarkeit derzeit auf Italien, Spanien, Portugal und Andorra aus. Damit erreicht das System eine potenzielle Nutzerbasis von 57,3 Millionen Menschen. Bis zum Ende des laufenden Jahres wird eine Ausweitung auf insgesamt 18 Länder und eine Reichweite von 176 Millionen Menschen angestrebt. Im Zuge dieser Skalierung ist zudem die Integration in die European Payments Alliance (EuroPA) vorgesehen, wobei alle griechischen Banken den Beitritt bis zum Jahresende vollziehen sollen.

Parallel dazu gewinnt die European Payments Initiative (EPI) mit ihrem Bezahlsystem Wero an Bedeutung im Einzelhandel. Der Discounter Lidl hat Wero im Juli 2026 als neue Echtzeit-Zahlungsoption in seinem deutschen Online-Shop eingeführt. Wero fungiert hierbei als Nachfolgelösung für Giropay und ist bereits in Deutschland, Belgien und Frankreich verfügbar. Kunden von 18 teilnehmenden Bankinstituten können Transaktionen direkt über ihre Banking-App oder per QR-Code abwickeln. Auch die Neobank bunq nutzt diese Infrastruktur und bietet seit kurzem belgische IBANs sowie Wero-Zahlungen für Kunden in Belgien an. Dabei werden bestehende Dienste wie Payconiq und iDEAL zu einem einheitlichen europäischen System auf Basis von Instant SEPA zusammengeführt.

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Institutionelle Initiativen und digitale Währungsräume

Neben verbrauchernahen Anwendungen rücken technologische Infrastrukturprojekte für den Interbankenhandel in den Fokus. Das BIS Project Agorá hat in aktuellen Untersuchungen dargelegt, dass tokenisierte Zahlungen grenzüberschreitende Transaktionen innerhalb von Sekunden abwickeln und gleichzeitig bestehende Abwicklungsrisiken reduzieren können. Eine Live-Testphase für diese Technologie wurde bereits angekündigt.

Im Bereich der stabilen digitalen Währungen plant das Euro-Stablecoin-Konsortium Qivalis den Marktstart für die zweite Jahreshälfte 2026. Das Konsortium, dem 37 Banken aus 15 Ländern angehören, arbeitet mit dem Dienstleister Fireblocks an der Entwicklung eines regulierten Euro-Stablecoins unter den Vorgaben der MiCA-Verordnung. Ziel ist der Aufbau institutioneller Liquidität, um die dominance von Dollar-Stablecoins zu brechen. Aktuell halten Dollar-basierte Werte einen Anteil von 82,5 Prozent am weltweiten Gesamtmarkt von 322,1 Milliarden USD, während Euro-Stablecoins lediglich einen Marktanteil von 0,18 Prozent aufweisen.

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Modernisierung der Infrastruktur im Westbalkan und Irland

Die europäische Harmonisierung erstreckt sich zudem auf die Beitrittskandidaten im Westbalkan. EZB-Präsidentin Lagarde bestätigte den geplanten Beitritt Nordmazedoniens zur TIPS-Clone-Plattform für November 2026. Gemeinsam mit Albanien und dem Kosovo folgt das Land damit Bosnien und Montenegro, die bereits Teil des Projekts sind. Diese Initiative zielt darauf ab, eine regionale Infrastruktur für Instant Payments zu schaffen, die lokale Systeme modernisiert und an europäische Standards angleicht.

Auch auf nationaler Ebene entstehen neue Wettbewerbsstrukturen. In Irland haben die drei großen Institute Bank of Ireland, AIB und PTSB den Instant-Payment-Dienst Zippay gestartet. Der Dienst, der unmittelbar in die Apps der Banken integriert ist, tritt gegen etablierte Anbieter wie Revolut an. Zippay ermöglicht mobile Zahlungen per Telefonnummer mit einem Limit von 1.000 Euro pro Tag für Sendungen und bis zu 500 Euro pro Einzeltransaktion bei Zahlungsanfragen. Als Differenzierungsmerkmale heben die beteiligten Institute vor allem Sicherheitsstandards und den Kundenservice hervor.

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