Zahnimplantate, Adipositas

Zahnimplantate: Adipositas erhöht Entzündungsrisiko um 56%

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit 325 Patienten zeigt bei BMI ab 30 ein um 56 Prozent höheres Periimplantitisrisiko. Neue Diagnostik und Therapien ergänzen die Forschung.

Adipositas erhöht Periimplantitis-Risiko bei Zahnimplantaten deutlich
Ein leerer Behandlungsstuhl in einer sterilen, modernen Zahnarztpraxis mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle klinische Untersuchungen verdeutlichen die weitreichenden Auswirkungen von Adipositas auf die langfristige Stabilität von Zahnimplantaten. Eine im Journal of Oral and Maxillofacial Surgery veröffentlichte retrospektive Kohortenstudie des Philadelphia Veterans Affairs Medical Center hat über einen Zeitraum von 2006 bis 2019 die Daten von 325 Patienten analysiert, denen Implantate eingesetzt worden waren.

Die Ergebnisse der Untersuchung, über die Fachmedien am 6. September 2026 berichteten, zeigen eine signifikante Korrelation zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Inzidenz von Periimplantitis.

Erhöhtes Risiko für Periimplantitis bei adipösen Patienten

Die Nachbeobachtungszeit der in Philadelphia behandelten Patienten betrug im Durchschnitt 67 Monate. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Periimplantitisrate nach einer Dauer von fünf Jahren bei Patienten mit einem BMI unter 30 bei 22,7 Prozent lag.

Im Gegensatz dazu stieg dieser Wert bei Patienten mit einem BMI von 30 oder höher auf 34,0 Prozent an. In einer multivariaten Analyse wurde für die Gruppe mit einem BMI ab 30 ein um 56 Prozent höheres Risiko für die Entstehung einer Periimplantitis ermittelt.

Interessanterweise ergab die Studie für andere Faktoren wie das Alter, das Geschlecht, den Status als Raucher oder das Vorliegen eines Diabetes mellitus keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit der Entzündungsrate in diesem spezifischen Patientenkollektiv. Die Untersuchung unterstreicht damit die Rolle des Körpergewichts als eigenständigen Risikofaktor für den Erfolg dentaler Implantationen.

Ergänzend dazu weisen frühere Forschungen der Universitäten Bristol und Dublin darauf hin, dass bakterielle Infektionen im Mundraum, wie sie bei Zahnfleischbluten auftreten, über das Blutkreislaufsystem auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse durch die Verklumpung von Thrombozyten erhöhen können.

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Barrieren bei der Behandlung und innovative Diagnostik

Trotz der gesundheitlichen Risiken stoßen Betroffene bei der Suche nach medizinischer Hilfe oft auf Hürden. Laut Umfragen von Civey und DocCheck im Auftrag von Lilly Deutschland meiden 43 Prozent der nicht behandelten Adipositas-Patienten Arztbesuche aus Angst vor Stigmatisierung oder aufgrund von Hoffnungslosigkeit.

Das Unternehmen betont, dass Adipositas als chronische Erkrankung zu betrachten sei, für die verschiedene Therapieoptionen von Lebensstiländerungen über Medikamente bis hin zu chirurgischen Eingriffen zur Verfügung stünden.

Im Bereich der Diagnostik forscht unter anderem Google an neuen Methoden zur Einschätzung der Körperzusammensetzung. Das Projekt „PhotoScan“ nutzt künstliche Intelligenz, um den Körperfettanteil basierend auf zwei Smartphone-Fotos sowie Angaben zu Größe und Gewicht zu schätzen.

In Tests erreichte das System eine Abweichung von 2,15 Prozentpunkten, was eine höhere Präzision im Vergleich zur bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) mit 2,91 Prozentpunkten darstellt. Das Verfahren, das auch Fettverteilung und Insulinresistenz erkennen soll, ist jedoch noch nicht allgemein verfügbar.

Entwicklungen in der Pharmakotherapie und Ernährungsforschung

Die Behandlungslandschaft verändert sich zudem durch neue Darreichungsformen von Medikamenten. Wie eine YouGov-Umfrage aus dem Juli 2026 mit über 2.000 Teilnehmern zeigte, bevorzugen 46,5 Prozent der Befragten eine Tablette gegenüber einer Spritze (8,7 Prozent).

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Seit September 2026 ist das Medikament Semaglutid auch in Tablettenform verfügbar. Matthias Blüher vom Uniklinikum Leipzig wies darauf hin, dass die Tablette die Hemmschwelle für Patienten senken könne und eine ähnliche Wirkung wie die injizierbare Variante zeige.

Die Kosten für diese Therapie liegen zwischen 170 und 500 Euro pro Monat und werden derzeit nicht von den Krankenkassen übernommen. Stephan Martin mahnte in diesem Kontext an, dass die Einnahme solcher verschreibungspflichtigen Präparate zwingend eine ärztliche Begleitung erfordere.

Parallel dazu liefert die Ernährungsforschung neue Ansätze zur Gewichtskontrolle und Stoffwechselregulation. Eine in Nature im Jahr 2025 veröffentlichte Studie identifizierte das Darmbakterium Bacteroides vulgatus, das Vitamin B5 produziert. Dieses Vitamin setzt über spezielle Rezeptoren den Botenstoff GLP-1 frei, der den Heißhunger auf Süßigkeiten reduzieren kann.

Weitere Untersuchungen beschäftigen sich mit der Wirkung von resistenter Stärke in abgekühlten Kohlenhydraten und dem Einsatz hochkonzentrierter, kalorienfreier Süßstoffe wie „Sweelin“, die laut klinischen Tests keine unmittelbare Insulinreaktion auslösen.

Experten wie Matthias Riedl betonen zudem die Bedeutung antientzündlicher Ernährungskonzepte, die nicht nur bei Adipositas, sondern auch bei Begleiterkrankungen unterstützend wirken können.

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