Zalando-Retouren: Roboter sortieren 500 bis 600 Artikel pro Stunde
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Onlinehändler Zalando, der Logistikdienstleister CEVA Logistics und das Robotik-Unternehmen Sereact haben die automatisierte Retourenabwicklung im regulären Live-Betrieb eingeführt. An den Logistikstandorten von CEVA in Greven sowie im polnischen ?wiebodzin übernehmen Zweiarm-Robotersysteme ab sofort die Handhabung von Mode-Rücksendungen.
Die eingesetzte Technik basiert auf der Plattform Cortex von Sereact und ermöglicht das autonome Greifen, Identifizieren und Sortieren der Artikel, ohne dass vorab ein Training für einzelne Produkte oder feste Profile für Lagerhaltungseinheiten erforderlich ist.
Deutliche Effizienzsteigerung im Robotics-as-a-Service-Modell
Die Bereitstellung der Anlagen erfolgt im Rahmen eines Robotics-as-a-Service-Modells (RaaS). Für die beteiligten Unternehmen markiert dieser Schritt den ersten operativen Meilenstein ihrer strategischen Zusammenarbeit und zugleich die Anfangsphase einer umfassenderen Initiative, mit der die Automatisierung von Retouren europaweit skaliert werden soll.
Die Leistungsunterschiede im Vergleich zur rein manuellen Bearbeitung fallen dabei deutlich aus. Laut Gulde verarbeiten die Systeme bei den Zalando-Retouren 500 bis 600 Einheiten pro Stunde, während Menschen 20 bis 30 Einheiten schaffen.
Chris Walton, Senior Vice President Contract Logistics bei CEVA, erklärte am 7. Oktober 2026, dass das RaaS-Modell Artikel schneller klassifiziere, manuelle Berührungspunkte reduziere und eine konstante, planbare Qualität im großen Maßstab liefere.
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Zudem hob Walton hervor, dass die Retourenabwicklung zu den größten Herausforderungen der Branche zähle, was vor allem an unvorhersehbaren Volumina, manuellen Qualitätsprüfungen, Saisonalität, Wertverlust und unverhältnismäßig hohen Stückkosten liege.
Verschärft wird der Handlungsdruck im Onlinehandel durch regulatorische Vorgaben: Die Europäische Union verbietet die Vernichtung zurückgesandter Ware.
Strategische Beteiligungen und beteiligte Partner
Die Einführung der Technologie folgt auf eine finanzielle Verflechtung der Partner. Im Juli 2026 beteiligte sich das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen Zalando als strategischer Investor an der Series-B-Finanzierungsrunde von Sereact.
Sereact sammelte in dieser Runde 116 Millionen US-Dollar (104 Millionen Euro) ein. Zu den Kunden des Robotik-Entwicklers zählen neben Zalando auch IKEA, DHL, Rohlik, Arvato, Alza.cz, BMW, Mercedes-Benz und Daimler Truck. Zalando selbst zählt über 7.000 Marken und bedient 62 Millionen aktive Kunden in 29 Märkten.
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CEVA Logistics, Teil der in Marseille ansässigen CMA CGM Group, erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 18,3 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen beschäftigt rund 110.000 Mitarbeiter an über 1.700 Standorten in mehr als 170 Ländern.
Veränderte Rollen für das Lagerpersonal
Die eingesetzte Technik ist nach Angaben der Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit Menschen ausgelegt. Am 7. Oktober 2026 teilten die Projektpartner mit, dass das bestehende Personal künftig verstärkt in Bereichen wie der Stationsüberwachung, dem Ausnahmemanagement und der Qualitätskontrolle eingesetzt wird und somit höherwertige Aufgaben übernimmt.
Masood Choudhry, Senior Vice President Logistics bei Zalando, betonte an diesem Tag, dass Innovation dann entstehe, wenn sich Technologie und menschliches Potenzial gemeinsam weiterentwickeln.
Der Wandel in den Logistiknetzwerken vollzieht sich vor dem Hintergrund weiterer struktureller Anpassungen. So plante Zalando, sein deutsches Logistikzentrum in Erfurt bis September zu schließen, wovon laut Betriebsrat über 3.000 Beschäftigte betroffen waren. Ein Zusammenhang zwischen der damaligen Schließung und den Automatisierungsmaßnahmen wurde in den Berichten jedoch nicht hergestellt.
