Zink bei Erkältung: 34 Studien mit 8.526 Teilnehmenden zeigen geringe Evidenz
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit rücken Strategien zur Stärkung des Immunsystems in den Fokus zahlreicher Gesundheitsempfehlungen. Berichte aus dem Oktober 2026 thematisieren verstärkt den Einsatz von entzündungshemmenden Lebensmitteln wie Thymian, Maronen und speziellen Teesorten, um den Körper bei herbstlichen Infektwellen zu unterstützen.
Der Hintergrund ist eine saisonal typische Entwicklung: Nach Daten des Robert Koch-Instituts traten in Deutschland in der Kalenderwoche 39 geschätzt rund 6,6 Millionen neue Atemwegserkrankungen auf.
Pflanzliche Lebensmittel und langfristige Ernährung
Ernährungsratgeber empfehlen beim Übergang in den Herbst unter anderem pflanzliche Nahrungsmittel wie Brokkoli, Blumenkohl, Granatäpfel, Trauben sowie Brombeeren und Heidelbeeren. Diese enthalten Inhaltsstoffe wie Polyphenole, Glucosinolate, Vitamin C und Mineralstoffe. Fachleute betonen allerdings, dass es sich hierbei um allgemeine Ernährungshinweise und nicht um belegte Behandlungsmethoden für akute Erkrankungen handelt.
Die Allgemeinmedizinerin Susanne Steindl verweist darauf, dass eine ausgewogene Immunfunktion langfristig aufgebaut werde. Sie empfiehlt eine ballaststoffreiche mediterrane Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel sollten demnach nicht willkürlich eingenommen werden, sondern gezielt einen ärztlich nachgewiesenen Mangel ausgleichen.
Zu einer differenzierten Auswahl rät auch die Ernährungsexpertin Elke Beiter mit Blick auf Entzündungs- und Gelenkbeschwerden. Ungünstig seien unter anderem zu viel Weißmehl, Süßes, Fleisch und Softdrinks. Von den empfohlenen 400 bis 500 Gramm Obst und Gemüse pro Tag sollten lediglich etwa 100 Gramm auf Obst entfallen, da ein Übermaß an Fruchtzucker eine nichtalkoholische Fettleber begünstigen könne.
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Grenzen von Zink, Vitamin C und Hausmitteln
Häufig diskutierte Hausmittel zeigen bei bereits ausgebrochenen Infekten nur begrenzte Effekte. Susanne Steindl erklärt, dass Zink bei einer Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden die Erkältungsdauer allenfalls geringfügig verkürzen könne; eine dauerhafte Hochdosis-Gabe werde nicht empfohlen.
Infektiologin Nina Lutz vom Stadtspital Zürich verweist hierzu auf eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024, die 34 Studien mit 8.526 Teilnehmenden auswertete. Die wissenschaftliche Evidenz für den Nutzen von Zink sei darin als gering eingestuft worden, zudem seien Geschmacksstörungen als Nebenwirkung möglich.
Sobald erste Krankheitszeichen auftreten, lässt sich eine Erkältung laut Lutz meist nicht mehr stoppen. Für Ingwer fehlten wissenschaftliche Belege zur Eindämmung eines beginnenden Infekts, und auch Vitamin C nach Symptombeginn mildere das Geschehen nicht verlässlich ab.
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Gegen Beschwerden empfiehlt die Medizinerin vielmehr Ruhe, Schonen ohne Sport sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Bei verstopfter Nase könnten Nasenspülungen helfen, bei Schmerzen Paracetamol. Treten Symptome wie Atemnot, Brustschmerzen oder erneutes Fieber nach vorübergehender Besserung auf, sei eine ärztliche Abklärung unerlässlich.
Dynamik bei den Infektionsmeldungen
Wie stark Erkältungserreger im Herbst zirkulieren, verdeutlichen auch Auswertungen des Patientenservice 116 117. In der bundesweiten Symptomstatistik stiegen die Meldungen über Grippesymptome in der Kalenderwoche 40 um 119,3 Prozent auf 4.735 Anrufe, nachdem es in Kalenderwoche 39 noch 2.159 gewesen waren.
Den größten Anteil machten in Kalenderwoche 40 mit 8.601 Meldungen (7,5 Prozent der Anrufenden) Magen-Darm-Beschwerden aus. Zur allgemeinen Vorbeugung von Infektionskrankheiten heben Fachstellen unverändert grundlegende Hygienemaßnahmen hervor, darunter regelmäßiges Händewaschen, Stoßlüften, ausreichend Schlaf und eine Flüssigkeitsaufnahme von mindestens zwei Litern Wasser am Tag.
