Zink bei Erkältung: Einnahme kann die Krankheitsdauer um zwei Tage verkürzen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 01:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beginn der Erkältungs- und Grippesaison rücken Empfehlungen zur Stärkung der Abwehrkräfte sowie Faktenchecks verbreiteter Herbst-Mythen wieder verstärkt in den Fokus von Gesundheitsberichten und Apotheken. Viele gängige Annahmen über Infektionsrisiken und Vorbeugungsstrategien halten einer wissenschaftlichen Überprüfung allerdings nur bedingt stand.
Kälte als Risikofaktor: Viren als tatsächliche Ursache
Dass niedrige Temperaturen allein keine Erkältung verursachen, zeigten bereits Experimente der Common Cold Unit am Harvard Hospital in Salisbury aus den 1950er Jahren. Verantwortlich für Atemwegserkrankungen sind stets Erreger. Kühle Bedingungen können deren Ausbreitung und das Infektionsrisiko jedoch messbar begünstigen.
Untersuchungen an Meerschweinchen belegen, dass Grippeviren bei 5°C deutlich häufiger übertragen wurden als bei 20°C, während bei 30°C keine Ansteckung stattfand. Bei 20°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 bis 35 Prozent infizierten sich mindestens drei von vier Tieren; bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit blieb die Ansteckung vollständig aus.
Auch die Stabilität von Erregern hängt vom Umfeld ab: Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte für SARS-CoV-2 in Sputum bei 4°C eine Halbwertszeit infektiöser Viren von circa 7 Stunden, bei 21°C von knapp 2 Stunden und bei 27°C von gut 1 Stunde.
Zudem reagiert der Körper auf Kälteeinflüsse: Bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kühlt die Nasenschleimhaut um circa 5°C ab und schüttet weniger antivirale Vesikel aus.
Die Barmer-Krankenkasse weist darauf hin, dass auch nasse Haare Infekte begünstigen können, da die Wasserverdunstung dem Kopfbereich Wärme entzieht. In der Folge verengen sich die Blutgefäße, was den Transport von Abwehrstoffen in den Nasen- und Rachenschleimhäuten reduziert.
Mikronährstoffe: Begrenzter Nutzen von Vitaminen und Zink
Die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wird oft als Schutz vor Viren beworben, die Evidenz ist jedoch uneinheitlich. Einer Cochrane-Auswertung zufolge beugt Vitamin C einer Erkältung nicht vor, kann jedoch die Krankheitsdauer verkürzen.
Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hält fest, dass die vorsorgliche Einnahme hoch dosierter Vitamin-C- oder Zink-Präparate keine tragfähige Grundlage besitzt, da ein Vitamin-C-Mangel bei normaler Ernährung in Deutschland praktisch nicht vorkommt.
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In einer Stichprobe von 19 Produkten überschritt der Großteil die Höchstmengenvorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung von 250 mg Vitamin C und 6,5 mg Zink pro Tag.
Für Zink ermittelte eine Cochrane-Auswertung aus dem Jahr 2024, dass eine Einnahme bei bestehenden Symptomen die Krankheitsdauer um circa zwei Tage verkürzen könnte; zur Vorbeugung bestehe jedoch wenig bis kein Nutzen. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass eine dauerhafte Überdosierung von Zink einen Eisenmangel begünstigen kann.
Auch bei Vitamin D ergibt sich ein differenziertes Bild: Ein Umbrella Review der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) über 73 Studien zeigte zwar, dass ein niedriger Versorgungsstatus mit einem höheren Risiko für akute Atemwegsinfektionen einhergeht, ein sicherer Schutz durch Gaben ist damit jedoch nicht belegt.
Eine australische Studie aus dem Jahr 2021 mit über 21.000 Personen im Alter von 60 bis 84 Jahren ergab bei monatlicher Gabe im Vergleich zu Placebo keinen signifikanten Unterschied bei Atemwegsinfekten.
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Zwar ist die UV-B-Strahlung für die körpereigene Bildung in Deutschland von Oktober bis März meist unzureichend, eine pauschale Zufuhr für gesunde Erwachsene sieht die DGE dennoch nicht als ratsam an.
Basishygiene und Impfschutz als wirksame Säulen
Für den Erhalt der Abwehrkräfte betonen Ernährungsexperten und Krankenkassen grundlegende Lebensgewohnheiten. Die DGE empfiehlt täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse sowie rund 1,5 Liter Flüssigkeit. Die Krankenkasse KKH nennt 7 bis 8 Stunden Schlaf und tägliche Spaziergänge von rund 20 Minuten als Richtwerte.
Dass einfache Hygienemaßnahmen greifen, belegte unter anderem eine Untersuchung der Universität Greifswald aus dem Jahr 2010 mit 129 Verwaltungsmitarbeitern, bei denen regelmäßige Händedesinfektion am Arbeitsplatz zu selteneren Erkältungsbeschwerden führte.
Den verlässlichsten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Influenza bietet die Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Schwangere.
Ideale Monate dafür sind der Oktober und November, da der Aufbau des Immunschutzes rund 10 bis 14 Tage in Anspruch nimmt. Mit einer Impfquote von rund 34 Prozent bei den über 60-Jährigen in der vergangenen Saison bleibt die Beteiligung deutlich hinter dem vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Zielwert von 75 Prozent zurück.
