Zoho Zia Chat: Neue Agenten bündeln verstreute Firmenanwendungen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 03:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Automatisierung von Unternehmensprozessen durch spezialisierte Softwareagenten gewinnt an Dynamik. Auf einem Branchen-Roundtable in Seoul stellte das Softwareunternehmen Zoho am 26. Oktober 2026 neue Werkzeuge für agentenbasierte Abläufe vor.
Zeitgleich treibt auch Oracle die tiefe Verankerung autonom agierender Systeme in seinen Geschäftsanwendungen voran. Beide Technologieanbieter setzen darauf, operative Arbeitsabläufe über mehrere Fachbereiche hinweg durch Künstliche Intelligenz (KI) zusammenzuführen und Routineaufgaben zunehmend selbstständig ausführen zu lassen.
Zoho vernetzt verteilte Anwendungen über zentrale Agenten
Im Rahmen der Veranstaltung in Seoul präsentierte Zoho die Anwendung Zia Chat, die mehrere Geschäftsanwendungen in einer gemeinsamen Bedienoberfläche bündelt. Ergänzend führte das Unternehmen sogenannte Zia Agents ein, die für repetitive Mehrschritt-Aufgaben in Fachbereichen wie Buchhaltung, Personalwesen und Kundensupport vorgefertigt sind.
Über das Zia Agent Studio erhalten Organisationen zudem die Möglichkeit, eigene Agenten zu konfigurieren. Die Plattform Zoho One dient dabei als integrierende Basis, die Fachanwendungen, Datensätze und Arbeitsabläufe abteilungsübergreifend verknüpft. Die zugrunde liegenden KI-Modelle betreibt Zoho nach Unternehmensangaben in eigenen Rechenzentren.
Der Bedarf an Bündelung resultiert auch aus einer fragmentierten IT-Landschaft. Dem 2026 Workplace Password Security Report zufolge setzen 64 Prozent der Unternehmen im Asien-Pazifik-Raum mehr als 15 verschiedene Anwendungen ein. Zoho verzeichnete im laufenden Jahr in Korea ein Kundenwachstum von 107 Prozent und zählt weltweit mehr als eine Million zahlende Kunden.
Oracles Strategie für kontrollierte Prozessausführung
Parallel dazu forciert Oracle den Einsatz agentenbasierter Workflows auf Basis der Laufzeitumgebung Fusion Claw, die auf logisches Schlussfolgern, Berechnungen, Simulationen sowie kontinuierliche Neuplanung ausgelegt ist.
Mike Sicilia, Co-CEO von Oracle, erklärte, dass KI nicht länger darauf beschränkt sei, den aktuellen Status quo zu beschreiben, sondern zunehmend aufzeige, was als Nächstes geschehen könne.
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Als Anwendungsbeispiel nannte Oracle die Reduzierung von Transportkosten um 58.000 US-Dollar bei einem Schifffahrtsunternehmen durch automatisierte Datenanalysen. Um die weltweite Einführung zu begleiten, kündigte der Konzern Investitionen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar über vier Jahre in das Partner-Ökosystem an.
Insgesamt umfasst das Portfolio laut Chris Leone, Executive Vice President für Anwendungsentwicklung bei Oracle, 75 einsatzbereite Agenten-Anwendungen, von denen 25 auf Fusion Claw basierende Lösungen sofort live geschaltet wurden. Diese decken Bereiche wie ERP, Personalwesen (HCM), Lieferkettenmanagement (SCM) und Kundenservice (CX) ab.
Innerhalb von Fusion Cloud SCM automatisieren die Agenten Aufgaben wie die Zuteilung knapper Kapazitäten, die Konsolidierung von Frachtladungen sowie die Aufdeckung nicht autorisierter Ausgaben.
Nach Angaben von S.Y. Shenoy, Senior Vice President für Anwendungsentwicklung, verlagere sich der Schwerpunkt auf kontrollierte Aktionen. Die Ausführung verbleibe innerhalb etablierter Berechtigungen und erfordere Freigaben durch menschliche Teams.
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Betriebliche Implementierung und Marktentwicklung
Ergänzend stellte Oracle mit Fusion Companion eine Schnittstelle vor, die Mitarbeiteranfragen über ChatGPT oder eine unternehmenseigene Umgebung mit Workflows und Transaktionen verknüpft. Im Praxiseinsatz testet Burger King Italia derzeit drei Agenten für produktverfügbarkeit, Verlustprävention und Lieferstreitigkeiten.
Nach eigenen Messungen von Oracle reduzierte sich die benötigte Verarbeitungszeit bei Folgeausführungen intern um bis zu 50 Prozent. Bei der Implementierungsplattform Oracle AI Success Navigator berichtete Tom Tan vom Gesundheitsdienstleister Lexington Health von einer Reduktion bestimmter Design- und Konfigurationsaufwände um 80 Prozent, wobei unabhängige Benchmarks dazu bislang ausstehen.
Dass die Nachfrage nach autonomen Systemen steigt, zeigt auch eine Umfrage von Dataiku aus dem Oktober 2026: Darin gaben 62 Prozent der befragten IT-Leiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten an, mehr als 50 KI-Agenten im Einsatz zu haben; 15 Prozent nutzen sogar über 500 Agenten.
Finanziell verzeichnete Oracle für das erste Quartal bis Ende August ein Umsatzplus von 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar sowie einen Anstieg des Nettogewinns um 60 Prozent auf 4,7 Milliarden US-Dollar. Die Oracle-Aktie schloss am 26. Oktober bei einem Kurs von 126,49 US-Dollar, was einer Marktkapitalisierung von 383,45 Milliarden US-Dollar entspricht.
