Zone, Herzfrequenz

Zone 2 beim Gehen: 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz zÀhlen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Herzfrequenz, Sprechtest und individuelle Faktoren helfen, die Gehbelastung zu steuern und Erholungszeiten einzuschÀtzen.

Gehen in Zone 2: Puls, Steigung und TrainingsintensitÀt richtig einordnen
Ein gewundener Kiesweg, der sich durch einen ruhigen Wald schlÀngelt. Illustration mit AI erstellt.

Gehen kann als vollwertiges Training in der sogenannten Zone 2 fungieren, sofern die Herzfrequenz dabei in den entsprechenden Zielkorridor steigt. Im gĂ€ngigen FĂŒnf-Zonen-Modell entspricht diese Zone einer Belastung von 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz (HFmax). Das reine Bewegungstempo reicht zur Einordnung der TrainingsintensitĂ€t nicht aus, da beispielsweise eine Geschwindigkeit von 4,8 Kilometern pro Stunde je nach individuellem Fitnessstand fĂŒr verschiedene Personen Zone 1, Zone 2 oder bereits Zone 3 bedeuten kann.

Steigung und Pulsreaktion beim Gehen

Die IntensitĂ€t lĂ€sst sich beim Gehen ohne Übergang zum Laufen ĂŒber GelĂ€ndeneigungen steuern. Eine Geschwindigkeit von 5,6 Kilometern pro Stunde in der Ebene kann etwa bei einer Herzfrequenz von 125 SchlĂ€gen pro Minute liegen, wĂ€hrend dasselbe Tempo bergauf zu 145 SchlĂ€gen pro Minute fĂŒhren und damit bereits in Zone 3 fallen kann.

Zu berĂŒcksichtigen ist dabei, dass das Herz-Kreislauf-System eine Anpassungszeit von einigen Minuten benötigt, bis sich der Puls auf das Belastungsniveau einpendelt.

Im FĂŒnf-Zonen-Modell gilt Zone 2 (60 bis 70 Prozent HFmax) als leicht aerobe Belastung. In diesem Bereich ist eine Unterhaltung in ganzen SĂ€tzen möglich, der Laktatanstieg bleibt gering, und der Körper greift vermehrt auf Fette zur Energiegewinnung zurĂŒck. Dies ermöglicht eine lange Trainingsdauer bei geringem Erholungsaufwand.

Die Zone 3 (70 bis 80 Prozent HFmax) verlangt dagegen eine moderate IntensitĂ€t mit kĂŒrzeren SprechsĂ€tzen, höherer Laktatproduktion und stĂ€rkerem Kohlenhydratverbrauch, was die Belastungsdauer verkĂŒrzt und den Erholungsbedarf steigert.

In der sportwissenschaftlichen Forschung existiert neben dem FĂŒnf-Zonen-Modell ein Drei-Zonen-Modell. Dort liegt die Zone 2 zwischen der ersten und zweiten Schwelle, was vereinfacht Laktatwerten von rund 2 Millimol pro Liter und 4 Millimol pro Liter entspricht, wobei diese Werte individuell abweichen. Diese wissenschaftliche Zone 2 deckt sich hĂ€ufig mit der Zone 3 sowie Teilen der Zone 4 des FĂŒnf-Zonen-Ansatzes.

Berechnung und physiologische Einflussfaktoren

Zur Bestimmung der maximalen Herzfrequenz wird hĂ€ufig die Faustformel 220 minus Lebensalter herangezogen. Ausgehend von dieser SchĂ€tzung ergeben sich fĂŒr die Zone 2 altersabhĂ€ngige Richtwerte:

  • 20 Jahre: 120 bis 140 SchlĂ€ge pro Minute
  • 30 Jahre: 114 bis 133 SchlĂ€ge pro Minute
  • 40 Jahre: 108 bis 126 SchlĂ€ge pro Minute
  • 50 Jahre: 102 bis 119 SchlĂ€ge pro Minute
  • 60 Jahre: 96 bis 112 SchlĂ€ge pro Minute
  • 70 Jahre: 90 bis 105 SchlĂ€ge pro Minute

Diese Formel weist eine Fehlermarge von 10 bis 12 SchlĂ€gen pro Minute auf. Als Alternative existiert die Tanaka-Formel (208 minus 0,7 mal Lebensalter). FĂŒr eine 40-jĂ€hrige Person ergibt sich daraus eine maximale Herzfrequenz von 180 SchlĂ€gen pro Minute, fĂŒr eine 60-jĂ€hrige Person 166 SchlĂ€ge pro Minute gegenĂŒber 160 SchlĂ€gen bei der Standardformel.

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Bei Einbeziehung des Ruhepulses ĂŒber die Karvonen-Formel verschiebt sich die Zone 2 fĂŒr 40-JĂ€hrige mit einem Ruhepuls von 60 auf 132 bis 144 SchlĂ€ge pro Minute.

Die Kardiologin Delia Kiss verweist darauf, dass der Puls individuell von Faktoren wie Alter, Geschlecht, KörpergrĂ¶ĂŸe und Trainingszustand abhĂ€ngt. Frauen wiesen im Schnitt ein kleineres Herz sowie eine höhere Ruhe- und Trainingsherzfrequenz auf.

Als Formel fĂŒr Frauen wird daher auch 226 minus Lebensalter genannt. Ein optimaler Ruhepuls liege zwischen 60 und 80 SchlĂ€gen pro Minute und könne durch regelmĂ€ĂŸiges Training auf 45 bis 50 SchlĂ€ge sinken, wĂ€hrend dauerhafte Werte ĂŒber 100 SchlĂ€gen pro Minute gesundheitsschĂ€dlich sein können.

Um einen zu hohen Trainingspuls zu senken, helfen Temporeduktionen, Gehpausen nach dem Prinzip des Gehens und Laufens im Wechsel oder die Kombination von Sportarten, was den Puls um 5 bis 10 SchlÀge pro Minute reduzieren kann.

Belastungssteuerung und Regeneration

Zur Orientierung in der Trainingspraxis dient der Sprechtest: Können ganze SĂ€tze gesprochen werden, signalisiert dies Zone 2. Die niederlĂ€ndische Herzstiftung (Hartstichting) empfiehlt Einsteigern einen Beginn bei 50 Prozent der HFmax und einen schrittweisen Aufbau bis zu maximal 85 Prozent. Ein Großteil aller Ausdauereinheiten sollte unter 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz stattfinden.

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Belastungen beeinflussen zudem das vegetative Nervensystem. Nach sportlicher AktivitÀt sinkt die HerzfrequenzvariabilitÀt (HRV) infolge eines erhöhten Sympathikus-Antriebs und reduzierten Parasympathikus-Einflusses.

Laut Forschung belĂ€uft sich der Erholungszeitraum bei niedriger IntensitĂ€t auf bis zu 24 Stunden, im Schwellenbereich auf rund 24 bis 48 Stunden und nach hochintensiven Belastungen auf 48 Stunden oder mehr. Messungen der nĂ€chtlichen HerzfrequenzvariabilitĂ€t bieten sich fĂŒr ein Trendtracking an, da der Messzeitpunkt die Resultate stark prĂ€gt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt fĂŒr Erwachsene 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive AusdaueraktivitĂ€t pro Woche, ergĂ€nzt durch MuskelkrĂ€ftigung. Weniger als 150 Minuten gelten als geringes, ĂŒber 300 Minuten als hohes AktivitĂ€tsniveau.

Zur Steuerung des Trainingsvolumens vergleicht das VerhĂ€ltnis von akuter zu chronischer Arbeitsbelastung (ACWR) die Belastung der aktuellen Woche mit den vier vorangegangenen Wochen. Ein Quotient ĂŒber 1,3 signalisiert eine hohe Belastung, wĂ€hrend Werte unter 0,8 als niedrig eingestuft werden.

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