Unwiderstehliches, Pieseln

Unwiderstehliches Pieseln: Nicht nur GĂ€hnen wirkt ansteckend

21.01.2025 - 05:00:36

Zu zweit aufs Klo - beim Menschen dient das oft dazu, kurz Dinge bequatschen zu können. Auch Schimpansen neigen zum Gruppenpullern - aus anderen GrĂŒnden allerdings, wie Wissenschaftler vermuten.

  • Schimpansen machen viele Dinge gemeinsam. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

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  • Bei Schimpansen ist GĂ€hnen ansteckend.(Archivbild) - Foto: picture alliance / Roland Weihrauch/dpa

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Schimpansen machen viele Dinge gemeinsam. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpaBei Schimpansen ist GĂ€hnen ansteckend.(Archivbild) - Foto: picture alliance / Roland Weihrauch/dpa

GÀhnen ist ansteckend. Pullern auch - zumindest bei Schimpansen. Wenn ein Tier der Gruppe uriniere, folgten hÀufig weitere, berichtet ein japanisches Forschungsteam im Fachjournal «Current Biology». Die Wahrscheinlichkeit steige dabei unter anderem mit der rÀumlichen NÀhe zum ersten Urinierer.

Die Forschenden um Ena Onishi von der UniversitĂ€t Kyoto hatten eine Gruppe von 20 im Kumamoto Sanctuary in Japan lebenden Schimpansen beobachtet. Insgesamt erfassten sie ĂŒber 600 Stunden hinweg 1.328 UriniervorgĂ€nge.

Klo-SchwÀtzchen sind beliebt

Auch Menschen gehen gern zu zweit oder mehreren aufs Klo - schon seit Jahrtausenden und in verschiedenen Kulturen, wie die Forschenden erlÀutern. Im alten Rom zum Beispiel waren die öffentlichen Latrinen ein beliebter Treffpunkt, auf langen ToilettenbÀnken wurden dort Po an Po SchwÀtzchen gehalten.

Ein italienisches Sprichwort besagt Onishis Team zufolge: Wer nicht in Gesellschaft pinkelt, ist entweder ein Dieb oder ein Spion (Chi non piscia in compagnia o Ăš un ladro o Ăš una spia). Im Japanischen gebe es fĂŒr das Urinieren in der Gruppe den Begriff «Tsureshon». Und in der Kunst wĂŒrden entsprechende Szenen seit Jahrhunderten dargestellt.

«Beim Menschen kann das gemeinsame Urinieren als soziales PhÀnomen betrachtet werden», erklÀrte Onishi. Die Erkenntnisse bei Schimpansen legten nahe, dass das PhÀnomen tief reichende evolutionÀre Wurzeln haben könnte.

Andere Dynamik als beim GĂ€hnen

Schon seit lĂ€ngerem bekannt ist, dass GĂ€hnen ansteckend wirkt, bei Menschen ebenso wie bei Schimpansen. Allerdings fanden die Forschenden einen Unterschied zum Gruppenpullern: Beim GĂ€hnen spielt soziale NĂ€he eine Rolle - besonders stark wird auf eng verbundene Artgenossen reagiert. Beim Urinieren hingegen ist den Beobachtungen zufolge der soziale Rang entscheidend: Vom Pullern eines Artgenossen ließen sich vor allem jeweils rangniedrigere Mitglieder der Gruppe anstecken.

«Wir waren ĂŒberrascht, als wir entdeckten, dass das Ansteckungsmuster durch den sozialen Rang beeinflusst wurde», sagte Onishi. Erwartet worden sei eher ebenfalls eine Ansteckung zwischen sozial nahen Paaren - die Ergebnisse zeigten jedoch keinerlei Hinweis auf einen solchen Zusammenhang.

Vor dem Start alle noch mal aufs Klo

Womöglich spiegele das Verhalten FĂŒhrungsrollen bei der Synchronisierung von GruppenaktivitĂ€ten wider oder diene der StĂ€rkung sozialer Bindungen, erklĂ€rte Mitautor Shinya Yamamoto von der UniversitĂ€t Kyoto. Denkbar sei zum Beispiel, dass die Gruppe dadurch vom Chef vor einem lĂ€ngeren Ausflug noch mal zur Blasenentleerung animiert werde. Ähnlich also wie bei Eltern, die vor der anstehenden Autofahrt die Kinder noch mal aufs Klo schicken.

Die Frage zu den sozialen Funktionen des PhĂ€nomens gelte es nun zu klĂ€ren, erklĂ€rt das Team um Onishi. Anzunehmen sei jedenfalls, dass selbst ein so alltĂ€gliches Verhalten wie das Urinieren große Bedeutung fĂŒr die Gruppendynamik besitzen könne. Diese potenziell weit verbreitete Facette des Sozialverhaltens bei Tieren sei bisher komplett ĂŒbersehen worden. Neugierig sind die Forschenden darauf, inwieweit das PhĂ€nomen auch bei anderen Arten auftritt.

@ dpa.de