Zuckerfrei beworben: Fruktose und Maltose können den Blutzucker erhöhen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kennzeichnung von Lebensmitteln als zuckerfrei oder zuckerreduziert steht zunehmend in der Kritik von Fachleuten. Experten warnen davor, dass Produkte, die prominent mit dem Verzicht auf Haushaltszucker werben â etwa im Bereich von Backwaren wie Mondkuchen â, hĂ€ufig alternative Zuckerarten wie Fruktose oder Maltose enthalten. Diese ZusĂ€tze fĂŒhren dennoch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, was den beworbenen gesundheitlichen Nutzen relativiert.
Wissenschaftliche Untersuchung von NĂ€hrwertprofilen
Eine umfangreiche Studie, die im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Nature Food (Zhou et al., DOI 10.1038/s43016-026-01435-9) veröffentlicht wurde, untersuchte rund 150.000 US-amerikanische Lebensmittel und GetrÀnke.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Produkte mit Angaben wie âzuckerfreiâ oder âfettreduziertâ oft andere problematische NĂ€hrstoffe in höheren Konzentrationen enthalten. So wurde bei fettreduziertem FrischkĂ€se beobachtet, dass der Gehalt an Gesamtzucker und Natrium im Vergleich zum Standardprodukt höher ausfiel.
Zwar trafen die Werbeversprechen auf den jeweils spezifisch beworbenen NÀhrstoff meist zu, das gesamte NÀhrwertprofil verschlechterte sich jedoch teilweise. Insbesondere Softdrinks blieben trotz reduzierter ZusÀtze insgesamt nÀhrwertarm.
Auch die Angabe âohne Zuckerzusatzâ garantiert keine Zuckerfreiheit, da natĂŒrliche Zucker aus FrĂŒchten, Sirupen oder Fruchtsaftkonzentraten enthalten sein können. WĂ€hrend der Ersatzstoff Erythrit kaum Kalorien liefert und den Blutzucker kaum beeinflusst, weisen Fachleute auf mögliche individuelle UnvertrĂ€glichkeiten hin.
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Produkttests und industrielle Praxis
In einem Vergleich von 18 Nuss-Nougat-Cremes durch die Stiftung Warentest im Jahr 2026 zeigten sich deutliche QualitĂ€tsunterschiede bei zuckerreduzierten Varianten. Die zuckerreduzierte Ahead-Creme, die 42 % des Ersatzstoffes Maltit sowie RĂŒckstĂ€nde von gesĂ€ttigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) enthielt, schnitt mit der Gesamtnote 4,0 als schlechtestes Produkt im Test ab.
Im Gegensatz dazu belegten die Produkte Aldi Nusskati und KrÀm dunkle Haselnuss-Creme mit der Note 2,0 die SpitzenplÀtze. Nutella erreichte mit einem Zuckeranteil von 57 % den dritten Platz (Note 2,2).
Die Herausforderungen bei der Reformulierung zeigen sich auch in der SĂŒĂwarenindustrie. So wurden zuckerreduzierte Haribo-GoldbĂ€ren bereits im Jahr 2019 von Verbrauchern abgelehnt. Dennoch gibt die britische Food and Drink Federation an, dass ihre Mitgliedsunternehmen Salz, Zucker und Kalorien in den letzten fĂŒnf Jahren um fast ein FĂŒnftel reduziert haben.
Regulatorische Entwicklung und Markttrends
Die Bundesregierung plant fĂŒr Januar 2027 die EinfĂŒhrung einer höheren Besteuerung fĂŒr zuckerhaltige GetrĂ€nke. Das vorgesehene Modell sieht vor, dass GetrĂ€nke mit weniger als 5 g Zucker je 100 ml steuerfrei bleiben, wĂ€hrend bei einem Gehalt von 5 bis 8 g eine Abgabe von 26 Cent pro Liter und ab 8 g von 32 Cent pro Liter fĂ€llig wird.
Branchenvertreter wie Martin Rath von Coca-Cola erwarten, dass dies den Trend zu zuckerfreien Varianten verstĂ€rken wird. Hersteller wie Trolli schlieĂen nicht aus, die zusĂ€tzlichen Kosten teilweise auf die Verbraucherpreise zu ĂŒbertragen.
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Parallel dazu gewinnen alternative SĂŒĂungsmittel an Bedeutung. Marktforscher von IndexBox prognostizieren fĂŒr den globalen Markt fĂŒr Mönchsfrucht-SĂŒĂstoffe bis zum Jahr 2035 ein kontinuierliches Mengenwachstum. Besonders im Sektor der trinkfertigen GetrĂ€nke werden diese als Treiber fĂŒr Clean-Label-Reformulierungen angesehen, wenngleich hohe Produktionskosten und die Konkurrenz durch Stevia das Wachstum bremsen könnten.
Neue Anforderungen an die Werbetransparenz
ZusĂ€tzlich verschĂ€rfen neue EU-Vorgaben die Regeln fĂŒr Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen, was indirekt auch die Transparenz bei der Produktkennzeichnung betrifft. Allgemeine Aussagen wie âumweltfreundlichâ oder kompensationsgestĂŒtzte Claims wie âklimaneutralâ sind ohne konkrete Nachweise unzulĂ€ssig.
Unternehmen wie Ritter Sport oder Gepa haben bereits damit begonnen, bestehende Claims auf ihren Verpackungen zu ĂŒberkleben, um den neuen Anforderungen der EmpCo-Richtlinie zu entsprechen. Bei VerstöĂen drohen EU-weit Sanktionen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes.
