Zuckerrationierung, Kindheit

Zuckerrationierung in der Kindheit: Bis zu 24 Prozent weniger Angststörungen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Britische Rationierungsdaten zeigen Zusammenhänge zwischen wenig Zucker in den ersten Lebensjahren und späterer psychischer sowie körperlicher Gesundheit.
Ein minimalistischer Holztisch mit einer Schale frischem Obst in einer hellen, ruhigen Küche. Illustration mit AI erstellt.

Ernährungsmuster in den ersten Lebensjahren können das spätere Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen. Eine Untersuchung der chinesischen Sun-Yat-sen-Universität Kanton, veröffentlicht im Fachjournal „General Psychiatry“, liefert dazu neue Erkenntnisse. Das Forschungsteam nutzte ein historisches Ereignis als natürliches Experiment: die Aufhebung der kriegsbedingten Zuckerrationierung in Großbritannien Ende September 1953.

Anhand von Daten aus der UK Biobank mit mehr als 66.000 Teilnehmenden verglichen die Forschenden die langfristige psychische Entwicklung verschiedener Geburtsjahrgänge. Es zeigte sich, dass eine Zuckerrationierung im frühen Lebensalter mit einem um 17 Prozent niedrigeren Risiko für spätere Angststörungen und einem um 14 Prozent geringeren Risiko für Depressionen einherging.

Erstreckte sich die Rationierung von der Empfängnis bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr, fiel der Effekt noch deutlicher aus: Das Risiko für Angststörungen verringerte sich um 24 Prozent, das für Depressionen um 21 Prozent.

Zudem trat eine erste Diagnose von Angststörungen bei den Betroffenen durchschnittlich rund zwei Jahre später auf, eine Depression verzögerte sich um etwa vier Jahre. Die Studienautoren heben jedoch hervor, dass es sich um eine beobachtete Korrelation und nicht um einen Kausalitätsbeweis handelt; die genauen biologischen Mechanismen seien weiterhin unklar.

Die ersten 1.000 Tage und weitreichende Schutzwirkungen

Die Datenauswertungen verdeutlichen die Bedeutung der frühen Entwicklungsphase. Eine Teilanalyse verglich rund 40.000 Erwachsene, die ihre ersten 1.000 Tage ganz oder teilweise unter den Bedingungen der Rationierung verbrachten, mit etwa 23.000 danach geborenen Personen. Wer in dieser Phase am wenigsten Zucker konsumierte, wies später das geringste Risiko für Angst oder Depression auf, was auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung hindeutet.

Darüber hinaus korrelierte ein niedriger früher Zuckerkonsum mit einer höheren allgemeinen Überlebenswahrscheinlichkeit sowie günstigeren Werten beim geschätzten biologischen Alter von Organen wie Herz, Lunge und Leber.

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Bei Personen, die unter Rationierungsbedingungen aufwuchsen, traten chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, rheumatoide Arthritis, Krebs, chronische Nierenleiden, Demenz, Leberinsuffizienz, Katarakte und COPD seltener auf. Je länger die Rationierung andauerte, desto ausgeprägter zeigte sich der beobachtete Schutz.

Ergänzende Auswertungen bei über 46.000 Personen, die während und nach der Rationierungszeit geboren wurden, wiesen ebenfalls auf ein geringeres Angstrisiko bei längerer Zuckerrestriktion im Mutterleib und in der frühen Kindheit hin.

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Frauen ohne frühe Restriktion litten demnach später häufiger unter Angstzuständen. Zudem ging eine langanhaltende Rationierung mit einer schwächer ausgeprägten Vorliebe für Süßes im Erwachsenenalter einher.

MRT-Scans zeigten strukturelle Unterschiede beim Volumen der grauen Substanz, insbesondere im Kleinhirn. Nophar Geifman von der Universität Surrey betonte im Kontext der Daten, dass die frühe Ernährungsumgebung eine bleibende Relevanz für die psychische Verfassung im weiteren Lebensverlauf besitze.

Bekannte Risiken eines hohen Konsums

Die Beobachtungen fügen sich in bestehende wissenschaftliche Arbeiten ein. Eine 2017 im Journal „Scientific Reports“ veröffentlichte Untersuchung zeigte bereits, dass Männer mit einem Konsum von mehr als 67 Gramm Zucker pro Tag über einen Zeitraum von fünf Jahren ein um 23 Prozent höheres Risiko für Depressionen oder Angststörungen aufwiesen als jene, die weniger als 40 Gramm täglich zu sich nahmen.

In der Fachliteratur wird ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum regelmäßig mit Entzündungsprozessen, oxidativem Stress, Insulinresistenz und verringerten Werten des neurotrophen Faktors BDNF in Verbindung gebracht. Zudem zeigten Kinder und Jugendliche bei zuckerreicher Ernährung schlechtere schulische Leistungen und vermehrt Verhaltensauffälligkeiten.

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