Weltnaturkonferenz endet - Finanzierungsfragen offen
02.11.2024 - 16:34:00Die Weltnaturkonferenz im kolumbianischen Cali ist ohne Einigung zu bestimmten Finanzierungsfragen beendet worden. Die Vertreter von rund 200 LĂ€ndern hatten sich bei der 16. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP16) auch in der Nacht nicht einigen können. «Das Ziel, die Naturzerstörung bis 2030 aufzuhalten und sogar rĂŒckgĂ€ngig zu machen, verbleibt nach dieser Konferenz noch in weiter Ferne», sagte Florian Titze, Experte fĂŒr internationale Politik beim WWF Deutschland.
«Es ist bedauerlich, dass die Weltnaturkonferenz zu Ende gegangen ist, ohne dass eine Strategie beschlossen wurde, wie weitere Gelder fĂŒr den Naturschutz aufgebracht werden können», teilte Jochen Flasbarth, StaatssekretĂ€r im Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), mit.Â
Das Ende der Weltnaturkonferenz sei eine «Blamage», hieĂ es von der Umweltstiftung WWF. «Nach einem zwölfstĂŒndigen Schlussplenum musste die Konferenz trotz ausstehender Agendapunkte abrupt beendet werden. Es waren nicht mehr genug Delegierte im Raum, um beschlussfĂ€hig zu sein.»Â
GrĂ€ben zu LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens nun noch tiefer
Die Blockade des BiodiversitĂ€tsfonds durch die EU am Ende der Konferenz habe die GrĂ€ben zwischen Industriestaaten und LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens tiefer gegraben, sagte Jannes Stoppel, Politikexperte von Greenpeace Deutschland. «Die bisher positive Konferenz endete nun mit einer bitteren Note eines zunehmenden Vertrauensverlustes.»Â
Dass es beim globalen BiodiversitĂ€tsfonds keine Einigung gegeben habe, treffe das bereits schwer belastete VertrauensverhĂ€ltnis zwischen Industriestaaten und den LĂ€ndern im Globalen SĂŒden empfindlich, hieĂ es auch vom WWF.Â
Die Verabschiedung einer Finanzierungsstrategie sei ausgeblieben - und mangels dieser Einigung und wegen der fehlenden BeschlussfĂ€higkeit im schon halbleerem Raum sei schlieĂlich auch der Mechanismus aus dem finalen Beschluss geflogen, mit dem die LĂ€nder ihre Umsetzungsergebnisse hĂ€tten messen sollen.
Mehr Schutz fĂŒrs MeerÂ
Lichtblicke in Cali waren dem WWF zufolge unter anderem ein Durchbruch fĂŒr den Schutz biodiversitĂ€tsreicher Meeresgebiete und die stĂ€rkere Beteiligung indigener Bevölkerungen, lokaler Gemeinschaften und ihrem traditionellen Wissen. Die Delegierten hatten sich auf die Einrichtung eines Untergremiums geeinigt, das indigene Völker in kĂŒnftige GesprĂ€che und Entscheidungen ĂŒber den Naturschutz einbeziehen soll.
«Besonders freue ich mich, dass die Stimme der indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften gestĂ€rkt wird â denn sie spielen eine Ă€uĂerst wichtige Rolle im globalen BiodiversitĂ€tsschutz», hieĂ es in einer Stellungnahme von Bundesumweltministerin Steffi Lemke zum Abschluss der Konferenz. «Die intensiven Verhandlungen der vergangenen zwei Wochen haben uns aber auch klargemacht, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.»
Umsetzung des WeltnaturvertragesÂ
Bei dem Treffen war es vor allem um die technische Umsetzung des vor zwei Jahren beschlossenen Weltnaturvertrages sowie um Finanzierungsfragen gegangen. Im Jahr 2022 hatten sich in Montreal rund 200 Staaten auf 23 Ziele geeinigt, die bis 2030 erreicht werden sollen.Â
Beispielsweise wurde vereinbart, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und MeeresflĂ€chen unter Schutz zu stellen. Zudem sollen die IndustrielĂ€nder bis 2025 jĂ€hrlich rund 20 Milliarden Dollar fĂŒr den Schutz der Artenvielfalt bereitstellen.


