Zuzahlungen ab Januar 2027: Senioren zahlen mehr bei Medikamenten
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundestag hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet – mit weitreichenden Folgen für Millionen Versicherte. Ab Januar 2027 steigen Zuzahlungen bei Medikamenten, Krankenhausaufenthalten und Zahnersatz. Die Reform passierte das Parlament mit 318 zu 284 Stimmen.
Höhere Eigenbeteiligungen ab 2027
Die gesetzlichen Zuzahlungen werden deutlich angehoben. Bei Arzneimitteln steigt der Rahmen von 5 bis 10 Euro auf künftig 7,50 bis 15 Euro. Der tägliche Eigenanteil im Krankenhaus erhöht sich von 10 auf 15 Euro. Auch beim Zahnersatz müssen Versicherte tiefer in die Tasche greifen: Der Festzuschuss sinkt von 60 auf 50 Prozent, bei lückenlosem Bonusheft von 75 auf 65 Prozent.
Ganz gestrichen wurden Cannabisblüten sowie homöopathische und anthroposophische Arzneimittel aus dem Leistungskatalog. Die damalige Gesundheitsministerin Warken begründete die Einschnitte mit einem Finanzierungsbedarf von fast 19 Milliarden Euro allein für 2027.
Streit um freiwillige Zusatzleistungen
Eine Debatte über die Abschaffung freiwilliger Kassenleistungen – angestoßen vom Kassenärzte-Chef Gassen – verlief im Sande. Union und SPD lehnten den Vorschlag ab. Das gesamte Volumen dieser Leistungen beträgt laut Koalitionsvertretern knapp eine Milliarde Euro. Eine isolierte Streichung der Homöopathie hätte lediglich 50 Millionen Euro gebracht – zu wenig für eine echte Entlastung.
Weniger Transparenz bei Beitragserhöhungen
Krankenkassen müssen ihre Versicherten künftig nicht mehr individuell über steigende Zusatzbeiträge informieren. Die bisherige Pflicht aus § 175 SGB V entfällt – allgemeine Hinweise reichen. Der GKV-Spitzenverband verspricht sich davon Verwaltungseinsparungen von 100 Millionen Euro.
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VdK-Präsidentin Bentele kritisiert den Schritt als Abbau von Verbraucherrechten. Versicherte müssten nun selbst auf ihre Gehaltsabrechnungen achten. Das Sonderkündigungsrecht bleibt zwar bestehen, die Frist läuft aber bereits zum Ende des Monats ab, in dem die Erhöhung wirksam wird.
Steigende Zuzahlungen bei Hilfsmitteln
Schon vor der Reform zeichnete sich ein Trend ab: 2025 zahlten GKV-Versicherte rund 1,13 Milliarden Euro aus eigener Tasche für höherwertige Hilfsmittel – ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei 22,3 Prozent der insgesamt 31,9 Millionen Hilfsmittelversorgungen fielen Mehrkosten an.
Besonders teuer waren Hörhilfen: Sie verursachten 62 Prozent aller privaten Mehrkosten. Im Durchschnitt zahlten Versicherte hier 1.656,99 Euro extra. Der GKV-Spitzenverband fordert mehr Transparenz bei der Versorgung.
Strukturreformen fĂĽr die Zukunft
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Ab 2027 steigt die Beitragsbemessungsgrenze um monatlich 300 Euro. Eine weitere gravierende Änderung folgt 2028: Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern wird mit einem Zuschlag von 2,5 Prozent auf die Einnahmen des Hauptversicherten belegt. Betroffen sind schätzungsweise 2,46 Millionen Haushalte. Ausnahmen gelten unter anderem bei Pflege von Angehörigen, Erwerbsminderung oder Erreichen der Regelaltersgrenze.
Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann spricht sich zudem für eine Reduzierung der Krankenkassenanzahl aus. Sozialverbände wie der SoVD fordern dagegen, versicherungsfremde Leistungen stärker aus Steuermitteln zu finanzieren – um die Sozialbeiträge dauerhaft unter 40 Prozent zu halten. Die anstehende Pflegereform dürfe nicht als reines Sparprojekt gestaltet werden, warnt SoVD-Chefin Engelmeier.
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