Zytostatika-Ausschreibungen, Pharma

Zytostatika-Ausschreibungen: Pharma Deutschland warnt vor Versorgungsrisiken

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pharmaverbände warnen vor Versorgungsrisiken, während Krankenkassen die geplanten Sparmaßnahmen unterschiedlich beurteilen.

GKV-Spargesetz: Streit um Zytostatika-Ausschreibungen und DiGA-Kürzungen
Ein steriler, moderner Laborraum mit Edelstahleinrichtungen und Glasfläschchen in einer unscharfen Hintergrundansicht. Illustration mit AI erstellt.

Die parlamentarischen Beratungen über Maßnahmen zur Ausgabendämpfung in der gesetzlichen Krankenversicherung lösen eine intensive Debatte im deutschen Gesundheitswesen aus.

Gegenstand der Kontroverse sind Änderungsanträge zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, die unter anderem die Wiedereinführung apothekenbezogener Ausschreibungen für Zytostatika sowie Vergütungskürzungen bei Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) vorsehen.

Während Kassenvertreter auf wirtschaftliche Einsparungen hoffen, warnen pharmazeutische Verbände und Fachkreise vor Risiken für die Arzneimittelversorgung schwer erkrankter Patienten.

Scharfe Kritik der Pharmaverbände

Der Verband Pharma Deutschland, der rund 400 Mitgliedsunternehmen mit circa 80.000 Mitarbeitern vertritt, wandte sich im Rahmen einer Anhörung des Bundestags-Gesundheitsausschusses entschieden gegen die Initiativen und forderte die Streichung beider Regelungen.

Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann bezeichnete die Vorschläge als kurzsichtige Sparpolitik, welche sowohl die Versorgungsqualität als auch die Unternehmen am Standort Deutschland schwäche.

Eine verlässliche Stabilisierung der Kassenfinanzen setze Reformen voraus, die wirtschaftliche Anforderungen mit Versorgungssicherheit verknüpfen. Der Verband warnte vor Marktkonzentration, Lieferengpässen und therapiegefährdenden Verzögerungen in der Onkologie.

Ähnliche Bedenken äußerten weitere Branchenvertreter. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), betonte, Ausschreibungen auf Apothekenebene griffen tief in die vorgelagerte industrielle Lieferkette ein; wer bei der Versorgung schwerkranker Menschen nur auf den niedrigsten Preis schaue, riskiere die Versorgungssicherheit.

Bork Bretthauer vom Verband Pro Generika erklärte, der Vorstoß sei plötzlich und ohne Dialog erfolgt. Krebs-Generika stünden ohnehin unter hohem wirtschaftlichem Druck, was die Produktion belaste und seit Jahren zu Engpässen führe.

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Die parlamentarischen Beratungen über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz könnten apothekenbezogene Ausschreibungen für Zytostatika zurückbringen — ein System, das 2017 gerade wegen unzuverlässiger und fehlerhafter Lieferungen gesetzlich untersagt wurde. Wer heute die Abläufe zwischen onkologischer Schwerpunktpraxis und spezialisierter Apotheke kennt, kann morgen schneller reagieren. Kostenlosen Leitfaden zur Versorgungssicherheit anfordern

Historische Erfahrungen und Patientensicherheit

Die von CDU/CSU und SPD eingebrachten Änderungsanträge sehen vor, dass Krankenkassen wieder Exklusivverträge mit einzelnen Apotheken über parenterale Zubereitungen schließen dürfen. Ein entsprechender Änderungsantrag sorgte bei Apotheker- und Ärzteverbänden für erhebliche Unruhe. Die Stiftung für Arzneimittelsicherheit appellierte an den Bundestag, diese Änderung bei der für Mitte Oktober 2026 geplanten Abstimmung nicht zu beschließen.

Ausschreibungen dieser Art waren 2017 gesetzlich untersagt worden, nachdem sich gezeigt hatte, dass Lieferungen weder fehlerfrei noch verlässlich erfolgten.

Da Zytostatika individuell, tagesaktuell sowie erschütterungs- und temperaturempfindlich hergestellt werden, sollten die Abläufe zwischen onkologischen Schwerpunktpraxen und Apotheken sowie die freie Apothekenwahl geschützt werden. Auch die ABDA und onkologische Fachgesellschaften lehnen eine Rückkehr zu dem System ab.

Kassen zwischen Einsparpotenzial und Umsetzungsbedenken

Auf Kassenseite wird das Vorhaben unterschiedlich bewertet. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) unterstützt den Kurs: Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner sprach sich für Preisvereinbarungen bei Zytostatika aus und befürwortete zugleich den geplanten Abschlag bei Digitalen Gesundheitsanwendungen.

Ab Januar 2027 soll die DiGA-Vergütung rückwirkend gekürzt werden, basierend auf dem Anteil der Nutzer, die eine Anwendung in den ersten 28 Tagen abbrechen – eine Maßnahme, vor deren innovationshemmender Wirkung Pharma Deutschland warnt.

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Krebs-Generika stehen seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck, und Branchenvertreter warnen vor Marktkonzentration und therapiegefährdenden Verzögerungen, falls Kassen wieder Exklusivverträge mit einzelnen Apotheken schließen dürfen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Lieferkette und Ihre Notfallpfade für parenterale Zubereitungen heute absichern. Checkliste Versorgungssicherheit jetzt sichern

Der AOK-Bundesverband rechnet zwar prinzipiell mit Reserven bei Zytostatika, hält die nun vorgeschlagene Ausgestaltung mit regionalen Verträgen jedoch für kaum realisierbar und erwartet daraus geringe Einsparungen; gefordert werden stattdessen exklusive Einzelverträge mit erweiterten Qualitätskriterien.

Die DAK wertete exklusive Verträge zwar als Signal für mehr Wettbewerb, forderte jedoch flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten statt einer regional einheitlichen Vertragspflicht.

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