Portugal, Wahl

GemĂ€ĂŸigter Sozialist gewinnt PrĂ€sidentenwahl in Portugal

09.02.2026 - 01:30:32

AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die PrĂ€sidentenwahl in Portugal haushoch gewonnen. Immerhin ein Drittel der WĂ€hler stimmte aber fĂŒr einen Rechtspopulisten. Was das fĂŒr das politische Klima im Land bedeutet.

  • AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die Stichwahl ums PrĂ€sidentenamt klar gewonnen. (Archivbild) - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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  • Seguro ließ sich am Wahlabend neben seiner Frau MarĂ­a Margarida Freitas ablichten. - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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  • Der Rechtspopulist AndrĂ© Ventura rĂ€umte seine Niederlage bei der Stichwahl ein. - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

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AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die Stichwahl ums PrĂ€sidentenamt klar gewonnen. (Archivbild) - Foto: Ana Brigida/AP/dpaSeguro ließ sich am Wahlabend neben seiner Frau MarĂ­a Margarida Freitas ablichten. - Foto: Ana Brigida/AP/dpaDer Rechtspopulist AndrĂ© Ventura rĂ€umte seine Niederlage bei der Stichwahl ein. - Foto: Ana Brigida/AP/dpa

Der gemĂ€ĂŸigte Sozialist AntĂłnio JosĂ© Seguro hat die Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt in Portugal haushoch gegen seinen rechtspopulistischen Kontrahenten AndrĂ© Ventura gewonnen. Der 63-jĂ€hrige Politiker der sozialdemokratisch orientierten sozialistischen Partei (PS) kam auf 66,8 Prozent der Stimmen, wie der staatliche TV-Sender RTP nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen berichtete. Obwohl eine ganze Serie von WinterstĂŒrmen die Organisation der Wahl erschwert hatte, verlief sie letztlich weitgehend störungsfrei.

WĂ€hrend Ventura seine Niederlage eingestand, versprach Seguro, er wolle den knapp 10,5 Millionen Einwohnern Portugals in seinem kĂŒnftigen Amt dienen. «Das portugiesische Volk ist das beste Volk der Welt. Ausgezeichnet. Mit einem enormen staatsbĂŒrgerlichen Verantwortungsbewusstsein und einer Verbundenheit mit den Werten unserer Demokratie», sagte Seguro im Fernsehen. «Die Gewinner dieses Abends sind die Portugiesen und die Demokratie», fĂŒgte der proeuropĂ€ische Politiker vor jubelnden AnhĂ€ngern hinzu.

Der konservative Regierungschef Luís Montenegro gratulierte Seguro zum Wahlsieg und zeigte sich zuversichtlich, dass er mit dem nÀchsten PrÀsidenten gut zusammenarbeiten werde. Das Staatsoberhaupt hat in dem EU-Land relativ viel Macht und kann sowohl sein Veto gegen Gesetze einlegen als auch das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. 

Auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen beglĂŒckwĂŒnschten den Wahlsieger.

Seguro wird die Nachfolge des konservativen Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa antreten, der das EU-Land im SĂŒdwesten Europas seit 2016 fĂŒhrte. Nach zwei je fĂŒnfjĂ€hrigen Amtszeiten durfte der 77-JĂ€hrige nicht erneut antreten. Die AmtsĂŒbergabe ist fĂŒr den 9. MĂ€rz vorgesehen.

Ventura rÀumt Niederlage ein

Ventura, der in der Stichwahl auf 33,2 Prozent der Stimmen kam, zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte Seguro öffentlich. «Er hat gewonnen. Ich wĂŒnsche ihm eine hervorragende Amtszeit», sagte der 43-JĂ€hrige. Er werde mit seiner Partei Chega (Es reicht) nun weiter fĂŒr eine grundlegende VerĂ€nderung in Portugal arbeiten. «Wir werden dieses Land bald regieren», gab er sich zuversichtlich. 

Dass der oft polarisierend auftretende Ventura, der gern gegen Immigranten wettert, rund ein Drittel der Stimmen auf sich vereinigen konnte, gilt als weiteres Zeichen fĂŒr den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten in Portugal. Nur sechs Jahre nach der GrĂŒndung war Venturas Partei im Mai vorigen Jahres hinter dem konservativen BĂŒndnis von MinisterprĂ€sident Montenegro zur zweitstĂ€rksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.

Wahlsieger gilt als seriös und nĂŒchtern

Seguro tritt im Gegensatz zu Ventura nĂŒchtern, dialogorientiert und klar proeuropĂ€isch auf. Sein Stil werde als ruhig und seriös wahrgenommen, schrieb die Zeitung «PĂșblico». Als PrĂ€sident wolle er ein Moderator und Garant der Verfassung sein, Polarisierung sei ihm fern, betonte Seguro im Wahlkampf. 

Seguro blickt auf eine lange Parteikarriere als Abgeordneter, Minister und GeneralsekretĂ€r der sozialistischen Partei zurĂŒck. Er proklamiert eine Politik, die wirtschaftliche Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit in Einklang bringen will. «Ich will ein Portugal, in dem der Staat funktioniert, die Wirtschaft Wohlstand schafft und der Sozialstaat stets prĂ€sent ist», sagte er. 

PrÀsidentenamt nicht nur reprÀsentativer Posten

Dass das Amt des Staatsoberhaupts in Portugal kein rein reprĂ€sentatives ist, hat der scheidende PrĂ€sident Rebelo de Sousa mehrfach bewiesen. Sein Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen, nahm der beliebte und volksnahe Politiker gleich zweimal wahr: bei KorruptionsvorwĂŒrfen gegen den Sozialisten Costa im November 2023 sowie gegen Montenegro im MĂ€rz 2025.

@ dpa.de