Ukraine-GesprÀche: US-Delegation und Selenskyj im Kanzleramt
14.12.2025 - 17:03:32Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat sich mit einer US-Delegation im Kanzleramt zu GesprĂ€chen ĂŒber einen Waffenstillstand im russischen Krieg gegen sein Land getroffen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) zog sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen nach einer kurzen BegrĂŒĂung zurĂŒck aus den Verhandlungen im Kleinen Kabinettssaal.Â
Der auĂen- und sicherheitspolitische Berater von Merz, GĂŒnter Sautter, blieb demnach als eine Art Moderator im Raum. Merz hatte die vom Sondergesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump, Jared Kushner, angefĂŒhrte US-Delegation am Nachmittag am Kanzleramt empfangen. Wenige Minuten spĂ€ter traf Selenskyj ein. Merz empfing den ukrainischen PrĂ€sidenten herzlich und umarmte ihn.Â
Zu Selenskyjs Delegation zĂ€hlten Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow und Generalstabschef Andrij Hnatow. Umjerow ist Selenskyjs ChefunterhĂ€ndler sowie SekretĂ€r des Rates fĂŒr Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine. Es wurde erwartet, dass die Beratungen in Berlin bis in den spĂ€ten Abend andauern könnten. Selenskyj will mit Witkoff vor allem seine letzten VorschlĂ€ge zum Friedensplan von Trump erörtern.
WirtschaftsgesprÀche und Treffen mit EuropÀern
Unklar blieb zunĂ€chst weiterhin, ob und wenn ja in welchem Rahmen die Beratungen der US-Vertreter mit den Ukrainern am Montag fortgesetzt werden. Dies hĂ€nge stark von den aktuell laufenden GesprĂ€chen ab, hieĂ es aus Regierungskreisen. Am Montag wollten Merz und Selenskyj am Nachmittag bei deutsch-ukrainischen WirtschaftsgesprĂ€chen auftreten. FĂŒr Montagabend hatte Merz europĂ€ische Staats- und Regierungschefs in Kanzleramt eingeladen, um ĂŒber den Stand der GesprĂ€che zu beraten. Aus Moskau blickt man negativ auf die Beratungen in Berlin.Â
Die US-Delegation hatte am Vormittag zunĂ€chst GesprĂ€che in einem Berliner Hotel gefĂŒhrt. Der ukrainische UnterhĂ€ndler Umjerow fuhr gemeinsam mit Sautter zu dem Hotel, in dem zuvor die US-Delegation abgestiegen war.Â
GesprÀche zunÀchst auf Beraterebene
Geplant war, dass die zwischen Vertretern der USA und der Ukraine gefĂŒhrten GesprĂ€che ĂŒber ein Ende des russischen Angriffskriegs zunĂ€chst mit europĂ€ischer Beteiligung auf Beraterebene fortgesetzt werden - unter Ausschluss der Ăffentlichkeit. Nicht öffentlich bekannt ist bislang, welche konkreten VorschlĂ€ge aktuell auf dem Tisch liegen.Â
Selenskyj will bei seinem Treffen in Berlin mit Witkoff vor allem seine letzten VorschlĂ€ge zum Friedensplan von PrĂ€sident Donald Trump erörtern. Er habe bisher keine US-Reaktion auf seine jĂŒngsten ĂnderungsvorschlĂ€ge erhalten, antwortete Selenskyj laut ukrainischen Medien auf Fragen von Journalisten. Vorab hatte Selenskyj erklĂ€rt, dass er die Ukraine in einer starken Verhandlungsposition sehe.
Selenskyj: Plan muss gerecht und effektiv sein
Ein Friedensplan werde nicht so aussehen, dass er allen gefalle, meinte Selenskyj. Es gebe KompromissvorschlĂ€ge. «Das Allerwichtigste ist, dass der Plan möglichst gerecht ist, vor allem fĂŒr die Ukraine. Das Wichtigste ist, dass er effektiv ist», sagte er. Weil nicht alle eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato unterstĂŒtzten, gebe es einen Kompromissvorschlag fĂŒr Sicherheitsgarantien des Landes vor neuen russischen Angriffen. Details nannte er nicht.
Nach Berlin kam auch der amerikanische Vier-Sterne-General Alexus Grynkewich. Nach Angaben seines Sprechers reiste der Oberbefehlshaber der Nato-StreitkrĂ€fte in Europa als ranghoher Vertreter des US-MilitĂ€rs an, um den US-Verhandlern militĂ€rischen Rat zu geben â im Rahmen von PrĂ€sident Trumps BemĂŒhungen um Frieden.
Anfang Dezember hatte sich Witkoff mit Russlands PrÀsident Wladimir Putin getroffen. Putin zeigte sich danach zwar weiterhin zu Verhandlungen bereit, betonte aber, dass Russland auf dem Schlachtfeld die strategische Initiative habe - und seine Kriegsziele auch mit militÀrischer Gewalt durchsetzen könne, falls eine diplomatische Einigung scheitern sollte.
Kreml schaut negativ auf Berliner Treffen
Russland blickt eher argwöhnisch auf die Verhandlungen. Die BeitrĂ€ge der EuropĂ€er und der Ukraine zum Friedensplan von US-PrĂ€sident Donald Trump wĂŒrden «wohl kaum konstruktiv sein», wie der auĂenpolitische Berater von Kremlchef Wladimir Putin, Juri Uschakow, vor Beginn der GesprĂ€che in Berlin dem russischen Staatsfernsehen sagte.Â
«Darin liegt das Problem», sagte Uschakow. Zugleich lobte er, dass die US-Seite die russische Position verstehe. Uschakow machte deutlich, dass Russland vor allem nicht von seinen Territorialforderungen fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts abrĂŒcke. Moskau verlangt, dass Kiew seine Truppen auch aus jenen Gebieten im umkĂ€mpften Industriegebiet Donbass abzieht, die Russland bisher nicht erobern konnte und die von der Ukraine weiter kontrolliert werden.
Kreml: Amerikaner verstehen russische Position
Russland lehne Ănderungen an den Punkten zu Gebietsfragen ab, sagte Uschakow. «Die Frage der Gebiete wurde insgesamt in Moskau aktiv diskutiert. Die Amerikaner kennen nicht nur unsere Position, sondern verstehen sie auch», sagte Uschakow, der unter anderem mit Witkoff und Putin etwa fĂŒnf Stunden ĂŒber Trumps Friedensplan gesprochen hatte.Â
Die US-Regierung hatte auf Betreiben von PrĂ€sident Donald Trump im November einen Friedensplan vorgelegt, ĂŒber den seitdem in verschiedenen Runden verhandelt wurde. Trump fordert von der Ukraine, einem Friedensabkommen zuzustimmen. Er sieht das von westlicher UnterstĂŒtzung abhĂ€ngige Land militĂ€risch im Nachteil gegenĂŒber dem Angreifer Russland.
Was nach den Konsultationen zwischen den Ukrainern und EuropĂ€ern nun in dem Plan stehe, sei Russland bisher nicht bekannt, sagte Uschakow. «Es wird wohl kaum etwas Gutes sein», meinte er. Seine jetzt veröffentlichten ĂuĂerungen waren bereits am Freitag aufgezeichnet worden.







