Schutzlos in Teheran und Beirut - Im Krieg ohne Bunker
14.03.2026 - 08:01:04 | dpa.deSeit zwei Wochen tobt der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ohne Aussicht auf Deeskalation. Auch den Libanon hat der Krieg mit voller Wucht erfasst. Knapp 1.900 Menschen wurden dabei nach Angaben nationaler Behörden bereits im Libanon und im Iran getötet. Darunter sind auch Zivilisten, oft auch Kinder.Â
Ende Februar haben Israel und die USA Angriffe auf den Iran gestartet - mit der BegrĂŒndung, die Bedrohungen durch das iranische Raketen- und Atomprogramm beseitigen zu wollen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und Ziele in der Golfregion. Vergangene Woche stieg auch die vom Iran unterstĂŒtze Hisbollah im Libanon in den Krieg ein. Israel reagiert seitdem auch dort mit massiven Gegenangriffen.
Nach israelischen Angaben gelten die Angriffe militĂ€rischen Zielen, Infrastruktur der Hisbollah im Libanon oder der iranischen FĂŒhrung in Teheran. Sogenannte Evakuierungsaufrufe der israelischen Armee sollen hohe Opferzahlen verhindern. Doch realistisch ist das weder im Libanon noch im Iran.
Schutz im Ankleideraum im Iran
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden im Iran bisher 1.255 Menschen getötet und mehr als 15.100 verletzt. Viele Menschen befinden sich innerhalb des Landes auf der Flucht.
Im Gegensatz zu vielen Gegenden in Israel gibt es hier weder Luftalarm noch SchutzrĂ€ume. Die israelischen und amerikanischen Luftangriffe treffen die meisten Menschen im Iran völlig ĂŒberraschend, ohne Vorwarnung. Wenn Menschen das Dröhnen eines Jets oder die erste Detonation hören, bleiben nur Sekunden, um einen sicheren Ort zu suchen. Theoretisch bieten Metrostationen Schutz, doch fĂŒr viele sind sie zu weit entfernt.
Die Menschen mĂŒssen nach eigenen Ăberlebensstrategien suchen. Bei der ersten Explosion sucht Marsieh etwa sofort Schutz in ihrem Ankleideraum. Der kleine Raum hat keine Fenster, die durch eine Druckwelle zersplittern und Schnittwunden zufĂŒgen könnten. Said lĂ€uft in die Tiefgarage, um sich dort in «Sicherheit» zu bringen. Sara ist eine Krankenpflegerin. Sie begibt sich sofort in den Radiologie-Raum. Dort sind die WĂ€nde besonders stabil.
Marsieh, Said und Sara fĂŒrchten jedes Mal um ihr Leben, wie sie sagen. Selbst wenn das israelische MilitĂ€r Fluchtaufrufe verbreitet, erreichen sie kaum jemanden â das Internet ist seit zwei Wochen staatlich blockiert. Der Iran ist im digitalen Dunkel versunken. Ausnahmen sind vor allem hochrangige MilitĂ€rs oder Regierungsmitarbeiter sowie Menschen, die Zugang zu einem Starlink-Terminal haben.Â
Schutz am Strand im Libanon
Auch die Opferzahlen im Libanon steigen fast stĂŒndlich an. Bisher meldeten die Behörden 773 Tote und knapp 2.000 Verletzte. Die israelischen Evakuierungsbefehle erreichen die Menschen zwar in den meisten FĂ€llen. Sie lösen oft aber vor allem Panik und Orientierungslosigkeit aus.
StraĂennamen und wie in Deutschland ĂŒbliche Adressen gibt es im Libanon nicht. Orientierung findet oft durch Ortskenntnisse statt, nicht durch Karten. Die Koordinaten fĂŒr ihre anvisierten Angriffsziele gibt das israelische MilitĂ€r nicht bekannt. Zudem erfolgen manchmal Angriffe ohne jegliche Vorwarnung, auch in dicht besiedelten Wohngebieten in der Hauptstadt Beirut.Â
Auch ein FrĂŒhwarnsystem gibt es im Libanon nicht. Zum Teil schieĂen Menschen mit Gewehren in die Luft, wenn die israelische Armee zur Flucht aufgerufen hat. Dabei kommt es immer wieder auch zu Verletzungen oder SchĂ€den durch umherirrende Kugeln.
Auch SchutzrĂ€ume oder Bunker gibt es weder in der Hauptstadt Beirut noch im Rest des Landes. Genauso wenig gibt es eine Metro oder Untergrundanlagen fĂŒr Schutzsuchende. Zum Teil gibt es GebĂ€ude mit Tiefgaragen.Â
Viele Menschen bleiben daher ohne Schutz bei Angriffen. In der KĂŒstenstadt Tyrus flĂŒchten Anwohner zum Teil zum Beispiel an den Strand in der Hoffnung dort nicht getroffen zu werden.Â
Bunker in WohnhÀusern und Einkaufszentren in Israel
In Israel gab es mit bislang 13 Toten vergleichsweise wenige Opfer. Das liegt vor allem an der komplexen israelischen Luftabwehr. ZunĂ€chst bestimmen Radare und Satelliten, ob bei einem Raketenangriff etwa Wohngebiete oder wichtige Infrastruktur bedroht sind, in dem Fall kommen die kostenintensiven Verteidigungssysteme zum Einsatz.Â
Dazu zĂ€hlt etwa der Iron Dome (Eisenkuppel), der Raketen und Geschosse ĂŒber kurze Distanz abfĂ€ngt. Das Abwehrsystem Arrow 3 kann ballistische Raketen auĂerhalb der AtmosphĂ€re im beginnenden Weltraum durch einen direkten Treffer zerstören. Dieses System hat sich ĂŒbrigens auch Deutschland in Israel beschafft. Israel fĂ€ngt Armeeangaben zufolge einen GroĂteil der Raketen aus dem Iran und von der libanesischen Hisbollah-Miliz ab. Dennoch sind bereits mehrfach Geschosse auch in WohnhĂ€user eingeschlagen.
Im Land gibt es zudem fĂŒr die Bevölkerung SchutzrĂ€ume und Bunker etwa in vielen WohnhĂ€usern, öffentlichen GebĂ€uden oder unter Einkaufszentren. Die Menschen sind seit Jahrzehnten daran gewöhnt, bei Luftangriffen SchutzrĂ€ume aufzusuchen.
