Russland, Ukraine

Europa ringt um Antwort auf Moskaus Drohnen im Nato-Luftraum

11.09.2025 - 04:30:40 | dpa.de

Der russische Krieg gegen die Ukraine hat auf Nato- und EU-Gebiet ĂŒbergegriffen. Die Lage wird gefĂ€hrlicher. Wie können die westlichen VerbĂŒndeten auf die Eskalation reagieren?

  • Die dreieckige Form weist auf eine russische Kampfdrohne iranischer Bauart hin. - Foto: Rafal Niedzielski/AP/dpa
  • Die materiellen SchĂ€den des Drohnenanflugs blieben gering, die politischen Auswirkungen sind umso grĂ¶ĂŸer. - Foto: STR/AP/dpa
  • Der rechtskonservative polnische PrĂ€sident Nawrocki hat einen guten Draht zu Donald Trump. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa
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Polen und seine VerbĂŒndeten suchen nach einer politischen und militĂ€rischen Antwort auf das massive Eindringen russischer Drohnen auf Nato-Gebiet. In Warschau hat der neue PrĂ€sident Karol Nawrocki fĂŒr heute den polnischen Rat fĂŒr nationale Sicherheit einberufen. Ihm gehören auch der MinisterprĂ€sident, die Minister fĂŒr Inneres und Äußeres, die Sicherheitsdienste und die ParlamentsfĂŒhrung an. 

In den europĂ€ischen HauptstĂ€dten löste die Eskalation zwischen Russland und der Nato große Sorgen aus. Erstmals in Moskaus mehr als dreieinhalb Jahren dauerndem Angriffskrieg gegen die Ukraine gerieten in der Nacht auf Mittwoch nicht nur einzelne russische Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato. Es waren nach Angaben von MinisterprĂ€sident Donald Tusk mindestens 19 Flugobjekte. 

Erstmals schossen Nato-Flugzeuge russische Drohnen ab

Erstmals schossen die polnische Luftwaffe und Nato-KrĂ€fte in Polen diese Drohnen ab. Bis Mittwochabend wurden nach Angaben des polnischen Innenministeriums die TrĂŒmmer von 16 Drohnen gefunden - weit verteilt ĂŒber das Land und einige Hunderte Kilometer von der Ostgrenze entfernt.

Dabei gehen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und andere Politiker davon aus, dass das Eindringen der Drohnen kein Versehen war, sondern eine gezielte Aktion der Moskauer FĂŒhrung. Er teile die EinschĂ€tzung von Tusk, «dass die Behauptung der russischen Regierung, dies sei sozusagen ein Zufall oder ein Versehen gewesen, nicht glaubhaft ist», sagte Merz in Berlin. Er sehe in dem Vorfall «eine ganz ernsthafte GefĂ€hrdung des Friedens in ganz Europa».

Flugabwehr nicht so gut wie erhofft 

Merz sprach von einer «neuen QualitĂ€t von Angriffen, die wir aus Russland sehen». Die Nato-Luftabwehr habe zwar funktioniert, aber nicht so gut, wie sie hĂ€tte funktionieren mĂŒssen. «Das wird Diskussionen in der Nato auslösen. Das wird Diskussionen natĂŒrlich auch in der EuropĂ€ischen Union auslösen.»

Welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten, sagte Merz nicht. Er betonte aber: «Wir sind und bleiben verteidigungsbereit, und wir sind und bleiben entschlossen, die Verteidigungsbereitschaft und die VerteidigungsfÀhigkeit des europÀischen Teils der Nato signifikant zu erhöhen.»

Polen sucht UnterstĂŒtzung

Die Regierung in Warschau rief die VerbĂŒndeten in der Nato nach Artikel vier des Nato-Statuts zu Beratungen zusammen. In vielen Telefonaten und Konferenzschaltungen versuchte Polen UnterstĂŒtzung zu mobilisieren. 

Tusk sprach nach eigenen Angaben mit Merz, Frankreichs PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premier Keir Starmer, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sowie Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte. Polen habe von den VerbĂŒndeten konkrete Hilfsangebote zur Luftverteidigung erhalten, sagte er. Details nannte er aber nicht.

Der polnische Verteidigungsminister Wladys?aw Kosiniak-Kamysz dankte Schweden, das sofort die Entsendung von Flugzeugen und Material zur Flugabwehr zugesagt habe. Auch die Niederlande sagten Hilfe zu.

Staatschef Nawrocki telefonierte mit US-PrĂ€sident Donald Trump, wie er auf dem Portal X schrieb. Dies sei Teil der Konsultationen mit den VerbĂŒndeten. «Die heutigen GesprĂ€che haben die Einigkeit der BĂŒndnispartner bestĂ€tigt.»

RĂ€tselhafte Äußerung Trumps

In der polnischen StaatsfĂŒhrung pflegt der rechtskonservative neue PrĂ€sident Nawrocki einen besonders engen Draht zu Trump. Dieser reagierte auf die deutliche Eskalation im Ukraine-Krieg vorerst nur mit einem kryptischen Post auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social: «Was ist los mit Russland, dass es mit Drohnen den polnischen Luftraum verletzt? Nun geht's aber los!»

Selenskyj schlÀgt gemeinsame Luftverteidigung vor

An einer Schaltkonferenz nahm neben Tusk, Macron, Starmer und Meloni auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj teil. «Die Ukraine schlĂ€gt vor, den Luftraum koordiniert, durchdacht und gemeinsam zu verteidigen», teilte Selenskyj hinterher mit. «Die Details sind klar: Wie kann man eine Ausweitung des Krieges verhindern, und wie kann man die Eskalationsschritte Russlands stoppen? Die gemeinsamen KrĂ€fte dafĂŒr reichen völlig aus.»

Kiew hat seit Beginn des Krieges 2022 immer wieder darum gebeten, dass die westlichen Partner ĂŒber der Ukraine eine Flugverbotszone fĂŒr russische Waffen durchsetzen. Die Nato-VerbĂŒndeten haben sich aus Furcht vor einer direkten militĂ€rischen Konfrontation mit Moskau nicht darauf eingelassen. Weniger weitgehend ist der Vorschlag, dass die VerbĂŒndeten angreifende russische Drohnen und Raketen nur ĂŒber der Westukraine abschießen sollen.

Am Mittwochabend ortete die ukrainische Luftwaffe erneut SchwÀrme russischer Drohnen am Himmel. Es zeichnete sich aber ein weniger starker Luftangriff ab als in der Nacht zuvor.

Moskau will keinen Angriff auf Polen geplant haben

Das polnische Außenministerium bestellte einen russischen Diplomaten von der Botschaft in Warschau ein, um ihm eine Protestnote zu ĂŒberreichen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau rĂ€umte die Verletzung des polnischen Luftraums nicht direkt ein, erklĂ€rte aber, es sei kein Angriff auf Polen gewesen. Man sei bereit, das Thema mit der polnischen Seite zu erörtern. Das russische Außenministerium warf Polen vor, es versuche Mythen zu konstruieren, um im Ukraine-Konflikt zu eskalieren.

Viele der eingedrungenen russischen Drohnen kamen nach polnischen Angaben nicht aus der angegriffenen Ukraine, sondern aus dem mit Moskau verbĂŒndeten Belarus. In Belarus findet ab Freitag das großangelegte russisch-belarussische MilitĂ€rmanöver Sapad 2025 statt.

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